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30. Januar 2013

Fossile und atomare Energien sind kriminelle Energien

BZ-GASTBEITRAG: Rolf Disch kritisiert die Pläne von Umweltminister Peter Altmaier zum Ökostrom.

Das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat als bisher einziges wirksames Instrument dafür gesorgt, dass wir in nur zwölf Jahren zu 25 Prozent klimaneutralem Strom gekommen sind. Über 50 Staaten haben das kopiert. Es wird immer deutlicher, wie wir zu 100 Prozent gelangen können. Das macht den konventionellen Großproduzenten Angst. Aber sofort springen ihnen Politiker bei, um ihr überlebtes Regime noch etwas länger künstlich am Tropf zu halten.

Infam ist, wenn das dem Wähler als Fortschritt in der Energiewende verkauft wird – wie von Umweltminister Peter Altmaier (CDU). Oder wenn angeblich die Verbraucher vor steigenden Preisen geschützt werden sollen, indem die billiger werdenden Erneuerbaren Energien zugunsten des teurer werdenden Kohle- und Atomstroms eingeschränkt werden sollen. Und das im Namen eines angeblich "freien europäischen Marktes", wie von Europas Energiekommissar Günther Oettinger gefordert.

Zunächst der europäische Angriff: Hätten wir doch nur einen freien Mark für elektrischen Strom in Europa. Dann nämlich würde der Strom billiger. Und die Ökologie? Wir legen einfach allmählich ansteigende europäische Quoten für den Ökostromanteil fest, so Lüder Gerken in einem BZ-Gastbeitrag. Wer also schützt den kleinen Verbraucher vor "horrenden Subventionen" für Ökostrom? Eine höchst eigentümliche Allianz aus freien Marktkräften – und Brüssler Bürokraten. Das ist so widersprüchlich wie absurd.

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Verhandlungen auf internationaler Ebene führen regelmäßig zu Minimallösungen. Der Versuch, europäische Quoten einzurichten, würde genauso kläglich scheitern wie die Kyoto-Verhandlungen. Und ob der Strom langfristig billiger wird, wenn die großen Quasi-Monopolisten ihre Konkurrenten – all die kleinen Produzenten Erneuerbarer Energien, die Photovoltaikdach-Besitzer, die Energiegenossenschaften, die Stadtwerke – wieder vom Markt fegen dürfen, ist mehr als fraglich.

Und nun der Angriff durch den ersten Umweltminister, der nicht den Ausbau, sondern die Einschränkung der Erneuerbaren als Erfolg feiert: Auch hier sollen Quoten eingeführt werden, damit der Verbraucherpreis nicht steigt. Und ausgerechnet die Betreiber von EE-Anlagen sollen einen "Energiewende-Soli" zahlen, nicht etwa die Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken – obwohl diese höher subventioniert sind als die Erneuerbaren. Nur steht das nicht für alle sichtbar auf der Stromrechnung, sondern in den Steueretats.

Ausgerechnet jetzt, wo die EEG-Umlage und die Kosten für den eingespeisten Wind- und Solarstrom klar unterhalb des Strompreises liegen, den jeder für den Netz- und Steckdosenstrom bezahlt, eben weil wir als Verbraucher über die EEG-Umlage in die Zukunft investiert haben, ausgerechnet jetzt sollen wir die Früchte nicht ernten? Ausgerechnet mit einer Quotenbegrenzung soll die Energiewende geschafft werden.

Fakt ist: Die Kosten für fossile und atomare Energien steigen an, weil es immer aufwendiger wird, die Rohstofflagerstätten auszubeuten. Nüchtern betrachtet sind es kriminelle Energien, denn sie bringen Krisen, Katastrophen und Kriege, ja sie sorgen für die Unbewohnbarkeit ganzer Landstriche. Sie sind gefährlich, teuer, lebens- und zukunftsfeindlich. Die regenerativen Energiepreise sinken dagegen stetig, dauerhaft und schnell. Der Grund: Wind und Sonne schicken keine Rechnung, sie sind umweltfreundlich, sauber, zukunftsfähig.

Es darf nur noch gefördert werden, was zukunftsfähig ist. Allem, was zukunftsfeindlich ist, muss die Unterstützung entzogen werden. Und die Folgekosten – von Umweltschäden über Endlagerungskosten hin zu Militärausgaben – müssen im Preis berücksichtigt werden.

Die Energierechnungen der Haushalte können trotzdem sofort reduziert werden, wenn wir für sparsame Haushaltsgeräte der Effizienzklasse A+++ sorgen, denn warum dürfen heute noch Haushaltsgeräte mit viel zu hohem Stromverbrauch verkauft werden? Warum werden heute noch Häuser und Siedlungen gebaut, die sich nicht selbst mit der ihnen zur Verfügung stehenden Solar- und Umgebungsenergie versorgen?

Die Energiewende ist alternativlos – weil die fossilen und atomaren Ressourcen bald aufgebraucht sein werden und die Zukunft unserer Kinder und Enkel zerstören. Die Energiewende kommt, so oder so. Die Frage ist nur, wie schnell wir den Umstieg schaffen und wie viel Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung wir uns bis dahin noch erlauben.

– Rolf Disch ist Inhaber eines Architekturbüros und geschäftsführender Gesellschafter der Solarsiedlung GmbH.

Autor: bz