Urteil zu Attesten

KOMMENTAR: Im Sinn des Arbeitgebers

Christian Rath

Von Christian Rath

Do, 15. November 2012

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Der Arbeitgeber darf auch ohne Begründung schon am ersten Tag der Krankmeldung ein Attest verlangen. Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden. Das Urteil kommt nicht überraschend. Es steht schon im Gesetz, dass der Arbeitgeber bereits am ersten Tag ein Attest verlangen kann. Er muss nicht so streng sein, aber er kann es. Das BAG musste nun lediglich entscheiden, ob der Arbeitgeber einen Grund angeben muss, warum er den Beschäftigten auch bei ganz kurzfristigen Krankheiten zum Arzt scheucht. Die Erfurter Richter verneinten dies. Insofern ist das Urteil arbeitgeberfreundlich. Vermutlich wird der Wunsch nach einem sofortigen Attest aber trotz des Urteils die Ausnahme bleiben. Die Arbeitgeber wissen auch, dass es das Betriebsklima belastet, wenn sie zu kleinlich sind. Außerdem haben sie ja auch ein Interesse an einer schnellen Genesung von Mitarbeitern. Es hilft der Gesundung schließlich mehr, wenn der Beschäftigte bei einer Unpässlichkeit erst mal einen Tag im Bett bleibt, als wenn er sich im kalten Novemberregen gleich zum Arzt schleppen muss. Und dort, wo der Arbeitgeber sofort ein Attest verlangt, sollte er klare Kriterien haben, auch wenn er diese nun nicht nennen muss. Wenn bei Beschäftigten genauer hingeschaut wird, die sich häufig montags oder freitags krankmelden, dann wird vermutlich niemand von Schikane sprechen.