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10. Februar 2012 09:58 Uhr

Radsport

Doping-Urteil gegen Ullrich – Quittung für fehlende Moral

Jetzt hilft alles Leugnen nichts mehr: Seit Donnerstag darf Jan Ullrich, der einstige Strahlemann des deutschen Sports, ungestraft als Doper bezeichnet werden.

Der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne sieht es als erwiesen an, dass der Sieger der Tour de France von 1997 spätestens vom 1. Mai 2005 an Kunde des spanischen Gynäkologen und Sportmediziners Eufemiano Fuentes gewesen ist, der nicht nur Ullrich und sonstigen Top-Radlern, sondern wohl auch anderer Sportprominenz mit verbotenen Substanzen auf die Sprünge geholfen hat. Ullrich hat diesen Betrug, trotz erdrückender Indizien, stets abgestritten. Mit einer fragwürdigen Verteidigungsstrategie hat sich der frühere Merdinger allerdings zwischen alle Stühle gesetzt. Selbst hartgesottene Anhänger wendeten sich in der Folge ob der gebetsmühlenartig vorgetragenen Unschuldsfloskeln angesäuert von dem gebürtigen Rostocker ab. Ein Geständnis oder wenigstens erklärende Worte hätten vermutlich bei Vielen noch so etwas wie Nachsicht bewirkt. Damit kann Ullrich aber heute nicht mehr rechnen. Der einstige König der Radfahrer und Sportler des Jahres hat sich gehörig verzockt mit dem offensichtlichen Ansinnen, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Mit Moral und Ethik hat so ein Verhalten nichts zu tun. Die Rolle des Vorbilds wird Ullrich nicht mehr spielen können – auch wenn er neuerdings mit Werbeauftritten wieder den Weg zurück in die Normalität sucht. Schade drum: Aber auf Sieger dieser Couleur sollte nicht nur der Sport gerne verzichten.

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Autor: Michael Dörfler