Unterm Strich

Piranha-Alarm am Baggersee

Thomas Fricker

Von Thomas Fricker

Fr, 30. Mai 2014

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Wenn ein Tropenfisch in Frankreich nach dem Angler schnappt / Von Thomas Fricker.

Der Fisch verbreitet Grauen. Kaum fällt sein Name, stellt man sich vor, wie er sein Opfer in Sekundenschnelle abnagt bis aufs Skelett – Piranhas gehören zu den am meisten gefürchteten Tieren. Nun hat eines dieser vermeintlichen Monster-Schwarmwesen anscheinend tatsächlich einen Angler in die Hand gebissen. Allerdings nicht irgendwo im südamerikanischen Amazonasbecken, sondern am Baggersee von Saint Marguerite bei Saint-Dié im Elsass. Die Zeitung Vosges Matin hat den Vorfall jetzt publik gemacht, nicht ohne ihren Lesern ein Beweisfoto in Form eines gefriergetrockneten Fischleins (bei uns Seite 9) zu präsentieren. Er sei skeptisch gewesen, zitiert das Blatt den Chef der örtlichen Anglervereinigung, Michel Dorner. In 50 Jahren Angelei sei ihm kein Piranha untergekommen. Aber der Augenschein habe ihn überzeugt.

Bevor nun sämtliche Südbadener Badeausflüge ins Elsass von der Liste ihrer Freizeitvergnügen streichen (und dafür Möchtegern-Angler ohne deutschen Angelschein jenseits der Grenze auf exotische Trophäen-Jagd gehen), sei hiermit verkündet: Es ist unwahrscheinlich, dass der Klimawandel die Ansiedlung des tropischen Sägesalmlers dort begünstigt, wo sich bisher Hecht und Karpfen Gute Nacht sagen. Eher ist der Piranha ein Produkt der Globalisierung. Der Betreiber eines Gartencenters in der Gegend hat eingeräumt, Piranhas zu verkaufen. Und was ist, wenn die im heimischen Aquarium die anderen Fischlein filetieren? Dann geht’s zur Strafe ab in den kalten See!

Die Fachwelt beteuert ja, all die Gruselgeschichten über den Piranha seien frei erfunden. So gesehen muss sich dann auch keine Sorgen machen, wer aus Versehen im Dortmunder Phoenix-See landet. 60 Piranhas habe ein Hobby-Züchter dort ausgesetzt, hieß es unlängst. Eine Gefahr besteht nicht: In dem See auf dem ehemaligen Hochhofen-Gelände von Thyssen-Krupp herrscht Badeverbot. Angler freilich sollten sich vorsehen. Erst einen Fisch am Haken und dann den Piranha am Finger, kann schmerzhaft sein.