Fussball-Nationalmannschaft

STANDPUNKT: Vor 30 Jahren schon einmal erlebt . . .

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 09. September 2018

Kommentare

Es hatte etwas von einem Déjà-vu, dieses erste Nations-League-Spiel zwischen Deutschland und Frankreich. Vor fast genau drei Jahrzehnten, ebenfalls in München, nur im alten Olympiastadion, traf Deutschland auf die Niederlande. Schon im Kontext lag eine gewisse Ähnlichkeit: Die DFB-Auswahl hatte im Sommer bei der EM 1988 gegen die Holländer, die zuvor fast zehn Jahre von der Bildfläche verschwunden waren, ein enttäuschendes Aus erlebt. Einen Sommer tobte danach die Diskussion, wie arg die Beckenbauer-Elf den mit einer Viererkette auftrumpfenden Niederländern hinterherhinke; die große Individualisten wie Ruud Gullit und Marco van Basten besitze, aber vor allem würden bei "Oranje" Innenverteidiger wie Frank Rijkaard und Ronald Koeman einen akkuraten Spielaufbau pflegen, während die Deutschen Manndecker wie Jürgen Kohler und Uli Borowka hätten . . .

Das damalige Match, ein WM-Qualifikationsspiel, war wie dieses gegen den Weltmeister im Vorfeld geprägt von Wiedergutmachungswillen sowie der Angst vor einer Blamage, die den Teamchef Franz Beckenbauer ein weiteres Mal in Frage gestellt hätte. Es verlief wie dieses vom Donnerstag und endete 0:0. Es begann verhalten, in der zweiten Halbzeit häuften sich die Chancen für Klinsmann, Völler, Häßler und Co., während die sporadisch konternden Niederländer nach einem frischen gewaltigen Turniererfolg wie die Franzosen zufrieden waren, nicht verloren zu haben.

Was vor 30 Jahren folgte, ist bekannt: Gullit, Van Basten und Rijkaard gewannen in den folgenden Monaten als Herzstück des AC Mailand zweimal den Europapokal der Landesmeister, aber überspielt und übersättigt bei der WM 1990 kein einziges Spiel.

Deutschland hingegen wurde Weltmeister.

Einen ähnlichen baldigen Niedergang den Franzosen zu prophezeien, wäre so unbegründet, wie auf eine baldige deutsche Renaissance zu setzen. Aber irgendwie wurde man am Donnerstagabend das merkwürdige Gefühl nicht los, dies alles schon einmal erlebt zu haben.