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30. Januar 2010

Althaus geht zu Magna

Tagesspiegel: Völlig ungeniert

Und ist der Ruf erst ruiniert, dann, ja dann, lebt es sich erstens völlig ungeniert. Und zweitens wechselt man schwups die Seite und wird Vizepräsident eines bedeutenden Automobilzulieferers. Eines Unternehmens also, mit dem man Monate zuvor noch als Regierungschef eng zu tun hatte und bleibt drittens – Geld hat noch nie gestunken – auch noch ein paar Monate Abgeordneter des Erfurter Landtages. Ungenierter geht es nicht. Der Thüringer Dieter Althaus verhält sich nach seiner Regierungszeit also keinen Deut anders als vorher, nämlich schamlos. Zurückhaltung, kluges Auftreten, Anstand, Nachdenklichkeit, Stil – das waren nie seine Stärken. Als Regierungschef schaffte er in Thüringen wenig, gab aber gerne der halben Republik Empfehlungen, wie man richtige Politik macht. Nach außen machte er Sparvorschläge, im eigenen Land Schulden. Nach seinem furchtbaren Skiunfall am Neujahrstag 2009, bei dem er den Tod einer Frau verschuldete, erlag er der Versuchung, das Drama für sich in Boulevardblättern tränenreich auszubreiten. Das war derart geschmacklos, dass er, auch dafür, im Sommer 2009 nach einem lustlosen Landtagswahlkampf die Quittung bekommt. Wieso macht Magna ausgerechnet ihn zum Vizepräsidenten, einen wenig beliebten früheren Regierungschef? Ist das mehr als nur ein Freundschaftsdienst? Althaus hätte eine lange Pause gut getan. Nicht nur wegen des Abstandes zum Unternehmen Magna und zu seiner Politikerzeit.

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Autor: Bernhard Honnigfort