Kommentar

Triclosan: Die Seife der Lobbyisten

Hanna Gersmann

Von Hanna Gersmann

Mo, 13. Oktober 2014

Kommentare

Am Desinfektionsmittel Triclosan, das in Zahnpasta und Seifen steckt, beweist sich, was Politiker oft bestreiten: Die Verbraucherlobby dringt nicht zu ihnen durch, die Wirtschaftslobby schon. Nur darum ist Triclosan, das in Laborversuchen Krebs ausgelöst, Muskeln geschwächt und resistente Keime gefördert hat, noch in fast jedem Haushalt zu finden – als ließe sich nichts dagegen tun. Hinter dem Stoff steht eine lange Geschichte der Fahrlässigkeit. 1974 empfiehlt die amerikanische Gesundheitsbehörde ein Verbot. 1981 warnt die US-Umweltbehörde EPA vor sehr giftigen Dioxinen und Furanen aus der Triclosan-Produktion. Der giftige Stoff wird dennoch Allerweltsprodukt, verteilt sich so in der Umwelt, ist etwa heute im Wasser der Elbe nachzuweisen. Die Gesetzgeber lassen sich einseifen. Von Konzernen wie BASF, die den Stoff noch immer für unbedenklich erklären. Von Wirtschaftsvertretern, die immer wieder an ihre Türen klopfen. Sicher, die EU hat das Chemierecht immer mal wieder verschärft. Stoffe werden auf ihre Risiken hin getestet. Doch die Verfahren dauern oft Jahre. Dabei ist Chemie nicht so kompliziert. Es gibt Stoffgruppen, die aufgrund ihrer Struktur per se als bedenklich gelten, chlororganische Verbindungen zum Beispiel. Zu denen gehört das berüchtigte Insektizid DDT wie auch Triclosan. Bisher dürfen die Chemiekonzerne alle Substanzen verkaufen, bei denen die Behörden nicht im Detail nachgewiesen haben, dass sie Spermien schwächen oder Krebs auslösen. Andersherum wäre es richtig: Kann die Wirtschaft ernste Bedenken nicht ausräumen, darf sie den Stoff nicht verkaufen.