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08. Februar 2012
UNTERM STRICH: Weniger Abgas als die Kuh
Wie Daimler mit einem flotten Spruch in die Güllegrube tritt / Von Stefan Hupka .
Auch Sprücheklopfer belasten das Klima. Das wird in der Debatte um Treibhausgase viel zu wenig bedacht. Sogar ein Konzern, der sonst nichts gedankenlos herausgibt, ist von dem Phänomen jetzt kalt erwischt worden, die Daimler AG. Sie muss sich für ihre eigenen Sprücheklopfer entschuldigen. Deren Geistesblitze haben das Klima zwischen dem Autohersteller und dem Bauernverband vergiftet – so empfindet es jedenfalls dessen Generalsekretär. Der Grund seiner Klage: In ihrem steten Bemühen, noch schwerste Karossen wie ökologische Mustermobile aussehen zu lassen, weil sie nur halb so viel Sprit verbrauchen wie ein VW Käfer, haben sich die Autobauer folgenden Spruch ausgedacht: "Mehr als 200 Pferde und weniger Emissionen als eine Kuh." Dazu sieht man einen silbergrauen Geländewagen der M-Klasse, einen "Verbrauchs-Champion", wie es heißt, der "mit einer Tankfüllung bis zu 1500 Kilometer weit reisen kann".
Agrarmann Born findet das einen "unerträglichen Fehlgriff", nämlich grob unfair gegenüber der Kuh. "Die Kuh", protestiert er in einem Brief an Daimler, "ist der ideale Ressourcennutzer für unsere Grünlandflächen und produziert dabei hochwertige Nahrungsmittel für die Menschen – eine Leistung, mit der Ihr Geländewagen für die Autobahn nicht konkurrieren kann."
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Ob sich die Kuh als Geschöpf Gottes in dieser Beschreibung wiederfindet, wissen wir nicht – wohl aber, dass das nun wieder grob unfair ist gegenüber dem Geländewagen. Denn wie jeder, sogar der Werbemensch, weiß, emittiert die Kuh, während sie derart nützlich im Grünen herumsteht, in einem fort schlimme Faulgase aus diversen Körperöffnungen, während der Geländewagen wenigstens, wenn er steht, nichts mehr herauslässt.
Doch der Konzern lässt es gut sein, hat sich entschuldigt ("die Formulierung war überspitzt") und will die Anzeige nicht mehr verwenden. Das Klima kann aufatmen.
Autor: Stefan Hupka
