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22. März 2011 10:43 Uhr

"Keine Risiken wie in Japan"

Kommission für AKW Fessenheim: Kein Anlass zum Handeln

Seit Fukushima richten sich auch im atomfreundlichen Frankreich die Augen auf Fessenheim. Angeblich wird die Erdbebensicherheit des ältesten AKW des Landes ständig verbessert. Es bleiben Zweifel.

  1. Welche Lehren lassen sich aus Fukushima für Fessenheim ziehen? Foto: dpa

Die seit langem geplante Sitzung der Überwachungskommission Fessenheim (CLIS) am Montag stand im Zeichen der neuen Lage. Auf längere Ausführungen von Experten der Atomaufsicht und des Stromkonzerns Edf folgte eine Fragerunde für die Mitglieder der Kommission und die Zuhörer der öffentlichen Sitzung.
Michel Habig, Vorsitzender der CLIS, verwarf ein Moratorium wie in Deutschland. Das sei bei französischen AKW nicht nötig. "Sie werden einer kontinuierlichen Prüfung unterzogen." Thierry Rosso, seit Januar Direktor in Fessenheim, versicherte, die Erdbebensicherheit werde ständig verbessert. Jean-Paul Lacôte, elsässischer Atomkraftgegner und Mitglied der CLIS, hatte dagegen ein Moratorium für Fessenheim gefordert, er verlangte sogar, die CLIS solle per Resolution die Stilllegung fordern. Für Habig ging das zu weit: "Für solche Entscheidungen ist bei uns die Regierung zuständig."

Welche Lehren lassen sich aus Fukushima für Fessenheim ziehen? "Was passiert, wenn wie in Japan ein unerwartet hohes Erdbeben und eine Überflutung zusammenkommen", fragte der Freiburger Regierungspräsident Julian Würtenberger, der als Vertreter der deutschen Seite der CLIS angehört. Beide, Beben und Überflutung, liegen am Oberrhein im Bereich des Möglichen. Florian Kraft von der Atomaufsicht ASN in Straßburg antwortete: "Risiken wie in Japan, also derart starke Beben oder ein Tsunami, bestehen bei uns nicht."

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Würtenberger hatte eine lange Liste von Sicherheitsfragen verlesen. Beantwortet wurde, streng genommen, keine einzige. So ist schon die Stärke des größten bekannten Bebens am Oberrhein, des Basler Bebens von 1356, unter Wissenschaftlern umstritten. Jean-Marie Brom, elsässischer Atomkraftgegner und Kernphysiker, sagt dazu: "Wenn man ein Risiko nicht vernünftig einschätzen kann, muss man es ausschalten."

Ist es mit nachträglichen Verstärkungen der elektrischen Gebäude wie zuletzt bei der Zehnjahresinspektion von Block I getan? "Wir wissen, dass es Grenzen gibt, ein Atomkraftwerk aufzurüsten", wandte die Landrätin des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald, Dorothea Störr-Ritter, ein. Die Bevölkerung auf badischer Seite befürchte, dass Nachrüstung nicht mehr möglich sei.

"Auch ich bin der Ansicht", räumte der Erdbebenexperte des französischen Stromkonzerns EdF, Pierre Labbé, ein, "dass es bei der Berechnung des Erdbebenrisikos Unsicherheiten gibt." Deshalb sei mit großzügigen Spielräumen bei der Sicherheitstechnik geplant worden.

In den kommenden Monaten entscheidet die ASN über eine Laufzeitverlängerung von Block I. Wird dabei berücksichtigt, was derzeit in Japan vor sich geht? Monique Sené, die dem unabhängigen Physikerteam angehört, das die Zehnjahresinspektion in Fessenheim mit einem Gegengutachten begleitet, bezweifelt das. Die ASN, sagte sie, habe im Laufe der Zehnjahresinspektion selbst die Leistung der Dieselgeneratoren, also der Notstromaggregate für den Ernstfall, in Frage gestellt. Jedenfalls verstummen die Kritiker nicht. Am Montag hat der trinationale Atomschutzverband (Tras) in Freiburg beschlossen, dass er gegen das Urteil des Straßburger Verwaltungsgerichts, das unlängst seine Klage gegen das AKW Fessenheim abgewiesen hat, in Berufung geht.

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Autor: Bärbel Nückles