Kosmische Bahnen bei Altar und Ambo

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 13. September 2018

Waldkirch

Kirchenführung in St. Margarethen mit der Kunsthistorikerin Isabelle von Marschall über Werke von Hubert Bernhard.

WALDKIRCH. Im Zusammenhang mit dem Klosterjubiläum in Waldkirch wird am kommenden Sonntag, 16. September, in St. Margarethen die Reihe der Kirchenführungen fortgesetzt.

Im Jahr 1973 wurden in der Stiftskirche St. Margarethen ein Ambo und ein neuer Altar errichtet, die das Bild der Kirche seitdem genauso prägen, wie die weiteren Altäre, deren Weihe bereits vor 280 Jahren stattfand.

Dem 2011 verstorbenen Waldkircher Künstler Hubert Bernhard gelang hier nicht nur ein qualitativ hochwertiges Kunstwerk, das sich von vielen anderen modernen Kirchausstattungen aus dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts abhebt. Vielmehr folgte bei der Beauftragung die Kirchengemeinde den gestalterischen Vorgaben, die sich aus der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils ergaben. Diese hatte für die Stiftskirche, mit ihrer doppelten Funktion als Gemeinde- und Kollegiatskirche, eine besondere Brisanz.

Hubert Bernhard griff in seinem gestalterischen Konzept kunsthistorische Bezüge auf und entwickelte zugleich Ausstattungselemente, die die Liturgie im Jetzt verankerte. War die Vorstellung von Welt bis dato vor allem von der Erde geprägt worden, ließen der Blick Jury Gagarins auf den "Blauen Planeten" und die ersten Schritte auf dem Mond die Erde nun als kleinen Teil eines "Gottesreiches" erscheinen, das plötzlich keine fassbaren Grenzen mehr zu haben schien. Hubert Bernhard griff diese Vorstellung in Altar und Ambo auf und verwob sie mit Zitaten anderer Ausstattungsstücke, vor allem dem barocken Chorgitter, das für die neue Altarinsel versetzt werden musste. Trotzdem standen Altar und Ambo bereits bei der Restaurierung der Kirche, die 1987 anlässlich der 250-Jahrfeier zum Abschluss kam, kurz davor, durch einen pseudo-barocken Tischaltar ersetzt zu werden und zwar vor allem aus dem Wunsch heraus, eine stilistische Einheit zwischen alt und neu herzustellen. Es ist dem damaligen Pfarrgemeinderat zu verdanken, dass dieses Kunstwerk erhalten blieb und weiterhin Zeugnis dafür bleibt, dass in Altar und Ambo auch die Gemeinde lebendig ist.

In der Führung wird auf die besondere Geschichte dieser Ausstattungsstücke eingegangen. Wie nehmen wir heute diese wahr und welche Vorstellung von Gemeinde spiegeln sie wider? Wie lässt sich ein kunsthistorisch so bedeutender Ort wie St. Margarethen in die jetzige Zeit durch neue Ausstattungselemente transportieren? Dies sind Fragen, die im gemeinsamen Gespräch diskutiert werden sollen.

Die nächste Kirchenführung am 21. Oktober findet dann im Rahmen der 280-Jahrfeier der Altarweihe der Stiftskirche statt. Die Mesmer werden zeigen, wie der Festtagsschmuck in der Kirche aufgebaut wird. Der Kirchenhistoriker Dr. Peter Zürcher erläutert dabei die Altaraufbauten von St. Margarethen – eine Waldkircher Besonderheit, die das Erscheinungsbild der Stiftskirche im Laufe des Kirchenjahres immer wieder verändert.

Info: Die Führung in St. Margarethen findet am 16. September statt und beginnt nach dem Gottesdienst um 11.45 Uhr. Dauer: rund 35 Minuten.