"Kreativfriseur Mayer" ist Handwerksunternehmen des Jahres 2017

Felix Lieschke

Von Felix Lieschke

Fr, 19. Januar 2018 um 20:01 Uhr

Friesenheim

BZ-Interview mit Peter Mayer, zu seinem innovativen Konzept und der Liebe zum Detail.

Am Freitag ist der Betrieb von Peter Mayer von der Handwerkskammer als "Handwerksunternehmen des Jahres 2017" ausgezeichnet worden. Felix Lieschke hat sich mit ihm darüber unterhalten.

BZ: Herr Mayer, "Handwerksunternehmen des Jahres": Glückwunsch dazu erstmal. Warum gerade Sie?
Mayer: Dankeschön. Das müssen Sie die Handwerkskammer fragen. Ich denke aber, dass ich andere Wege gegangen bin, neue Wege und ich mich am Kunden orientiere – und nicht umgekehrt. Das ist mit Sicherheit eine Erfolgsgeschichte.

BZ: Was heißt das ganz konkret?
Mayer: Bisher war es immer so, dass wir um acht Uhr morgens angefangen haben und um 18 Uhr den Laden wieder geschlossen haben. Die meisten Menschen arbeiten aber in dieser Zeit. Wer einen Termin möchte, muss mittags von seiner Arbeit wegrennen. Ich habe mir dann überlegt etwas anzubieten, wo die Kunden nach 18 Uhr ganz entspannt vorbeikommen können. Ohne Termin. Die kommen gestresst von ihrer Arbeit, entschleunigen hier, trinken ein Bier und unterhalten sich mit anderen Kunden. Das geht ganz entspannt über ins Haareschneiden. Die Kunden sind nicht mehr an Termine gebunden.

BZ: Im Umkehrschluss: Planen können Sie und Ihre Angestellten nicht?
Mayer: Doch wir planen das schon. Ich arbeite von acht bis elf, habe eine lange Mittagspause, und fange um 16 Uhr wieder an zu arbeiten. Dann kann es lange gehen. Es war schon mal nachts um zwei.

BZ: Haben Sie Familie?
Mayer: Frau und Hund.

BZ: Was sagt Ihre Frau dazu, wenn Sie erst um zwei von der Arbeit kommen?
Mayer: Die schläft dann schon. Das stimmt schon, dass ich oft weg bin. Oft auch am Wochenende.

BZ: Erwarten Sie gleiches Engagement von Ihren Angestellten?
Mayer: Ich erwarte ein gewisses Engagement und eine gewisse Leidenschaft. Sonst ist derjenige verkehrt in diesem Beruf. Letztendlich muss ein Friseur mit Spaß bei der Arbeit sein. Wer nur hofft, dass der Kunde so schnell wie möglich wieder aus dem Laden verschwindet, der ist falsch in dem Job.

BZ: Sind Sie zufrieden mit Ihrem Standort?
Mayer: Es funktioniert sehr gut hier in Friesenheim. Ich habe mittlerweile Kundschaft aus einem Umkreis von einhundert Kilometern. Wir sind sehr gut besucht. Die Leute kommen aus Karlsruhe, Bad Krozingen, Gengenbach – sie kommen von überall her. Meine Philosophie ist: Es spielt keine Rolle, wo du bist, sondern nur, was du machst. Es geht darum, wie man sich präsentiert. Wenn ich mein Geschäft in einer Stadt hätte, müssten sich Kunden durch eine volle Stadt zwängen und haben Parkplatzprobleme. Das ist purer Stress. Das alles gibt es hier nicht. Es ist viel entspannter. Ich habe mir hier wirklich Gedanken gemacht, wie der Laden aussehen soll – drei Jahre bevor ich überhaupt angefangen habe darin zu arbeiten. Durch die Bar kann ich den Laden nun auch bis morgens um drei offen lassen.

BZ: Ist es notwendig aus dem Friseurbesuch ein Erlebnis zu machen?
Mayer: Absolut! Davon bin ich fest überzeugt. Besonders in der heutigen Zeit muss sich ein Dienstleistungsunternehmen nach den Kunden richten und nicht andersherum. Wer das in der nahen Zukunft nicht lernt, der wird vielleicht nicht untergehen, aber der wird mit Sicherheit weniger zu tun haben. In manchen Straßen reiht sich heute Friseur an Friseur. Da kann man handwerklich noch so gut sein. Wenn es niemand mitkriegt, bringt das gar nichts.

BZ: Haben Sie Nachwuchsprobleme?
Mayer: Nein, ich habe jetzt schon einen neuen Lehrling ab September. Das Problem ist, dass die meisten Lehrlinge nicht wissen, was sie wollen. Sie machen das, um etwas zu machen. Aber sie wissen nicht, wo ihre Ziele sind. Die braucht es aber, damit man weiß, wo man ankommen will.

Peter Mayer wurde 1964 geboren, ist verheiratet und lebt in Oberweier. In Friesenheim führt er den Kreativfriseur und Willis Barbershop.