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20. Januar 2010

"Bildung muss allen zugänglich sein"

Das Neujahrstreffen des SPD-Landtagsbgeordneten Christoph Bayer stand unter dem Motto "Gerechte Teilhabe – jetzt"

  1. Auf ein gutes Neues: Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Bayer (links) beim Neujahrsempfang mit den Referenten Claudia Hewel vom Diakonischen Werk, dem Leiter des Christopherus-Jugendwerks Norbert Scheiwe (Zweiter von rechts) und dem DGB-Regionalvorsitzenden Jürgen Höfflin Foto: Christine Aniol

IHRINGEN. Ziel der Europäischen Kommission im Jahr 2010 ist es, das öffentliche Bewusstsein für die Risiken von Armut und sozialer Ausgrenzung zu schärfen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Bayer möchte deshalb auf die vielfältigen Ursachen und Auswirkungen hinweisen und nach konkreten Lösungen suchen. Deswegen stand sein Neujahrstreffen unter dem Motto "Gerechte Teilhabe – jetzt!". Die Gesprächsrunde fand im Staatsweingut Blankenhornsberg in Ihringen statt.

Soziale Ungerechtigkeiten müssten ausgeglichen werden, forderte Bayer. Gerade Bildung dürfe nicht zum Mittel der Selektion werden, hob der Abgeordnete in seiner Begrüßung hervor. "Bildung ist ein öffentliches Gut, das allen zugänglich sein muss", betonte er. Bayer hatte Gäste eingeladen, die zu verschiedenen Themen Gesprächsimpulse gaben.

Die Gemeindediakonin und Sozialpädagogin Claudia Hewel berichtete von ihrer Arbeit als Mitarbeiterin der Diakonischen Initiative "Unbehindert miteinander leben". Sie forderte gleiche Bildungschancen und eine Miteinbeziehung ("Inklusion") behinderter Menschen in allen Lebensbereichen. "Es ist wichtig, dass wir die Unterschiedlichkeit der Menschen akzeptieren und mit einschließen", hob sie hervor.

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Es gehe weniger darum, Behinderte zu integrieren, als vielmehr um die grundsätzliche Einstellung, sie als Teil des Ganzen zu sehen. Als Beispiel nannte Hewel die Maria-Montessori-Schule in Freiburg. "Hier werden behinderte und nicht behinderte Kinder ohne Unterschied gemeinsam unterrichtet und betreut – und es funktioniert", sagte sie.

"Die Würde des Menschen ist mehr wert als das, was er produziert", betonte der Regionalvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Jürgen Höfflin. Arbeitslosigkeit und die damit oft verbundenen sozialen Unterschiede müssten bekämpft werden, sagte er. Der DGB-Regionalvorsitzende hatte auch einige Zahlen zur Situation in Freiburg mitgebracht. Allein ein Drittel der 120 000 erwerbsfähigen Menschen in Freiburg sei im Niedriglohnbereich beschäftigt, berichtete er. "Viele haben befristete Arbeitsverträge und können schnell wieder ohne Job da stehen. Die fragen sich, wie es weitergeht."

"Das soziale Klima muss sich wandeln"
Die Frage, wie Arbeitslose besser in die Gesellschaft integriert werden können oder wie man ihnen wieder zu Arbeit verhilft, seien nicht auf nationaler Ebene zu lösen, ist sich Höfflin sicher. Er forderte Strategien auf europäischer Ebene, damit durch den Lebensstandard der Menschen einerseits die Ressourcen nicht aufgebraucht werden, die Menschen andererseits aber auch nicht ausgebeutet werden. "Ich wünsche mir, dass unsere Kinder in einer gerechten Welt leben, egal wo auf dem Planeten", sagte der Gewerkschafter.

Wichtig sei es vor allem, jeden Menschen zu respektieren und ernst zu nehmen, forderte schließlich Norbert Schiewe. Täglich hat der Leiter des Christopherus Jugendwerks in Oberrimsingen mit Jugendlichen in Problemlagen zu tun. In dem Bereich der Jugendhilfe gebe es noch viel Arbeit, sagte er. "Das soziale Klima muss sich wandeln.

Oft werden die jungen Menschen gar nicht in ihrer Bedarfslage wahr genommen", sagte er. Es fehle an finanzieller Unterstützung und den nötigen Strukturen, um im Problemfall mit den Jugendlichen individuelle Schritte gehen zu können, sagte er.

"Ich möchte konkrete Projekte unterstützen und nicht nur von für die Gesellschaft wichtigen Themen sprechen", betonte Bayer im Anschluss und stellte einige seiner Pläne für 2010 vor. Weiterbildung sollten sich nicht nur Reiche leisten können, es dürfe keine Kürzungen geben, forderte Bayer. 2010 wolle er sich zudem vermehrt dort Anregungen holen, wo Benachteiligung sichtbar wird. Geplant seien Besuche bei Organisationen und Initiativen, die sich konkret für einzelne Projekte einsetzten. Außerdem seien bereits verschiedene Veranstaltungen wie Sonntags-Matinees in Kinos geplant. "Themen werden zum Beispiel Kinderrechte sein", verriet Bayer.

"Um voran zu kommen, braucht es nicht nur Leidenschaft, Hartnäckigkeit und gute Ideen, sondern auch viele Mitstreiter", sagte der Abgeordnete. Bei einem Glas Sekt boten sich beim Neujahrstreffen dann anschließend auch gleich genügend Gelegenheiten, um Mitstreiter für anstehende Projekte und neue Ideen zu gewinnen.

Autor: Christine Aniol