Breisgau-Hochschwarzwald

Caritasverband bildet Langzeitarbeitslose zu Stromspar-Experten aus

Louis Groß

Von Louis Groß

Mo, 12. Februar 2018 um 17:41 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Sie sollen Stromfresser ausfindig machen und aufklären: Als Stromsparhelfer gehen Langzeitarbeitslose im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in die Haushalte und geben Tipps zum Energiesparen.

Langzeitarbeitslose aus dem Kreisgebiet werden als Stromsparhelfer ausgebildet, die unnötige Stromfresser ausfindig machen sollen. Die Haushalte erhalten neben nützlichen Tipps auch kostenlose Energiesparlampen, schaltbare Steckerleisten oder wassersparende Duschköpfe. Zudem werden 250 Euro für ein neues Kühlgerät beigesteuert.

Der Fernseher läuft auf Stand-by, im Keller brummt die alte Kühltruhe, das Nudelwasser kocht ohne Deckel vor sich hin. Energiesünden im Haushalt summieren sich schnell – das hat nicht nur verschwendete Energie zur Folge, sondern auch verschwendetes Geld. Empfänger von Arbeitslosengeld II, Wohngeld oder Sozialhilfe unterstützt der Caritasverband beim Energiesparen mit einem Stromspar-Check. Der ist kostenlos, und die Teilnehmer bekommen ein Starterpaket fürs Energiesparen gratis obendrauf.

Eine neun- bis zwölfmonatige Fördermaßnahme des Jobcenters

Elke Brunsch von der Kreis-Caritas erklärt, wie das Programm funktioniert: "Die Strom- und Energiekosten sind stärker angestiegen, als das Budget, das in den Hilfesätzen der Menschen dafür vorgesehen ist. Für diese Menschen wollen wir uns einsetzen." Mehr als 600 Haushalte seien erreicht worden, seit das Programm 2014 im Landkreis gestartet wurde. "In Kooperation mit dem Jobcenter Freiburg und der Energieagentur Regio Freiburg, bilden wir Langzeitarbeitslose in einem 100-stündigen Schulungsprogramm zu Stromsparhelfern aus." Das Angebot sei eine neun- bis zwölfmonatige Fördermaßnahme des Jobcenters. Diese finde auf Ein-Euro-Basis statt. Die Stromsparhelfer besuchten in Zweier-Teams teilnehmende Haushalte und überprüften dort den Energieverbrauch, erklärt Brunsch. Bundesweit gibt es das Projekt seit 2008, mittlerweile an mehr als 150 Standorten.

Zwei Stromsparhelfer, die namentlich nicht genannt werden wollen, erzählen, wie ein typischer Stromspar-Check abläuft: "Wir kommen zu den Leuten nach Hause und überprüfen, was die großen Elektrogeräte – Waschmaschine, Kühlschrank oder Herd – im Durchschnitt verbrauchen", sagt ein Stromsparhelfer aus Schluchsee. Als Heizungsbauer kennt er sich aus mit der Materie. Für alle Teilnehmer gibt es ein kostenloses Starterpaket. "Finden wir Lampen mit hohem Stromverbrauch, tauschen wir diese gegen stromsparendere LEDs aus", erklärt der Stromsparhelfer aus Schluchsee. Auch Wasserhähne oder Duschköpfe würden überprüft und gegebenenfalls mit Strahlreglern versehen, beziehungsweise durch einen neuen, wassersparenden Duschkopf ersetzt. "Unser Ziel ist es, Energie einzusparen, ohne Komfortverlust", sagt Brunsch. Die Leute suchten oft den Haken an der Sache, sagt sie. "Es ist schwierig glaubhaft zu machen, dass wir Dinge verschenken."

Soforthilfen und Gutscheine

Um Teilnehmer zu gewinnen, werbe die Caritas beim Jobcenter, bei Tafeln oder Wohlfahrtsverbänden. Neben den Soforthilfen wird auch die Finanzierung eines neuen Kühlgeräts unterstützt, sofern das alte mindestens zehn Jahre in Betrieb ist und ein vergleichbares Gerät 200 Kilowatt pro Stunde im Jahr weniger verbraucht. Die betroffenen Haushalte bekommen einen Gutschein über 150 Euro und eine zusätzliche Spende der Elektrizitätswerke Schönau über 100 Euro für ein neues Gerät. Im Schnitt sparten die Haushalte durch die Soforthilfen 77 Euro Stromkosten im Jahr sowie zusätzliche 85 Euro, wenn auch der Kühlschrank ausgetauscht werde, sagt Brunsch. Halten alle bereits ausgegebenen Soforthilfen ihre versprochene Lebensdauer ein, könnten im Landkreis laut Brunsch rund 201 750 Euro Strom- und 289 000 Euro Wasserkosten eingespart werden.

Stromsparhelfer sind immer in Zweier-Teams unterwegs. "Die Leute freuen sich, wenn wir kommen. Man lernt auch selbst sehr viel", sagt einer von ihnen, der aus Ägypten stammt – was ein großer Vorteil ist, wenn in den betroffenen Haushalten Arabisch gesprochen wird. Aufgrund technologischer und kultureller Unterschiede gebe es auch durch die Flüchtlingsbewegungen einen Bedarf zu informieren, erklärt Cornelia Pranzas, die in der Beschäftigungsförderung der Caritas tätig ist. In den Heimatländern vieler Familien sei man das Heizen via Fernwärme gewöhnt und regulierte die Temperatur häufig durch Öffnen des Fensters. Die Werbeflyer für den Stromspar-Check sind in zehn Sprachen erhältlich, unter anderem auf Arabisch, Russisch und Türkisch.

"Am Ende profitieren die Haushalte, die Kommunen, die Stromsparhelfer und der Klimaschutz", sagt Pranzas. Sie nenne es eine Win-Win-Win-Situation.