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26. Oktober 2010

"Das Ernten ist das Schönste"

Landwirtschaftliche Berufe gelten nicht mehr als spießig, sondern werden für junge Leute zunehmend attraktiver.

  1. Anstrengende Arbeit an der frischen Luft: Spargelernte Foto: Philipp

  2. Lukas Friedrich (27) aus Freiburg, der bei der Demeter-Gärtnerei Piluweri in Müllheim den Einstieg in den Gärtnerberuf geschafft hat Foto: Faller

FREIBURG/BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Das Leben auf dem Land galt lange Zeit als spießig, die Bauern und ihre Lebensweise wurden als überholt angesehen. Heute aber sehnen sich viele nach dieser Welt, wollen Landluft schnuppern, die Jahreszeiten, die Entwicklung der Tiere und die Ernte erleben. Wer nicht auf einem Betrieb aufgewachsen ist, kann über die Ausbildung einen Einstieg finden und danach – der Strukturwandel macht es möglich – auch eine Beschäftigung. Informationen zum Berufsbild des Landwirts gibt es vom 2. bis 4. November im Bildungshaus Kloster St. Ulrich.

Ach, die Kühe, und erst recht die Kälbchen. Aina Bocksteger kommt ins Schwärmen. "Es war eine Herzensentscheidung, Landwirtin zu werden", sagt die 22-jährige junge Frau aus Bad Säckingen. Die traf sie vor zwei Jahren. Seither hat sie auf einem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb in der Ortenau das Melken, die Kälberaufzucht, das Pflügen und Säen, das Heuen und Ernten erlernt und in der Freiburger Edith-Stein-Berufsschule das nötige theoretische Fachwissen erlangt.

Im nächsten Jahr steht die Prüfung an und dann will Aina Bocksteger erst einmal ins Ausland, nach Australien oder in die Vereinigten Staaten, Bewerbungen laufen schon. Bereits als Kind hat die junge Frau auf Bauernhöfen mitgeholfen, zudem war mit ihrem Hobby, dem Reiten, viel körperliche Arbeit, auch Stallarbeit verbunden.

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Nach der Fachhochschulreife hat sie in Betriebe reingeschnuppert und heute sagt sie: "Die Landwirtschaft ist genau das Richtige für mich." Sie ist gern draußen, mag den Umgang mit den Tieren, findet es aufregend, mit dem Schlepper zu fahren und schön, ins familiäre Miteinander des Lehrbetriebs eingebunden zu sein. Auch schätzt sie ihren abwechslungsreichen Arbeitsalltag, den sie natürlich in Absprache mit ihren Lehrherrn plant, dann aber weitgehend eigenständig ausführt. Auf die Frage, was sie sich als Berufsziel vorstellt, antwortet Aina Bocksteger: "Ich will auf jeden Fall mit Tieren arbeiten, etwa bei einem Zuchtverband."

Bei Lukas Friedrich hingegen war es Zufall, dass er in der Landwirtschaft gelandet ist. Nach einem ereignisreichen Leben, auch im Ausland, begann der heute 27-Jährige vor drei Jahren als Aushilfe bei der Demeter-Gärtnerei Piluweri in Müllheim, brach bald danach sein Soziologiestudieum ab und strebt nun den Berufsabschluss als Gemüsegärtner an.

Erfahren hat er, wie schön es ist, "nah dran an der Natur zu sein" und er ist erfüllt davon "zu sehen, was man schaffen kann". Auch ihm gefallen das Miteinander im Betrieb und wie sehr vielseitig und abwechslungsreich die Tätigkeit ist. "Das Ernten aber ist das Schönste", sagt er.

Besonders interessant für Seiteneinsteiger

Die vier Gründer und Gesellschafter der Piluweri GbR, Horst Ritter, Matthias Ludwig, Michael Pickel und Richard Specht, beschäftigen 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. In erster Linie erzeugen sie Salat, Gemüse und Erdbeeren. Daneben züchten sie Gemüsesorten für den ökologischen Erwerbsgemüsebau. Neben der Arbeit im Feld ist Lukas Friedrich auch regelmäßig auf dem Freiburger Münstermarkt oder auf dem Markt in Müllheim. Und auch das gefällt ihm.

Natürlich habe er sich umstellen müssen, bekennt er. So habe er sich früher nicht vorstellen können, dass er einmal im Stande sei, um 5 Uhr früh aufzustehen,um von seinem Wohnort Freiburg aus rechtzeitig in der Gärtnerei bei der Arbeit zu sein.

Offenbar werden landwirtschaftliche Berufe immer attraktiver für junge Leute, die nicht selbst aus Betrieben stammen, wobei dieser Prozess im Winzer- und Gärtnerberuf am weitesten voran geschritten ist, informiert Helmut Lehmann aus dem Referat Bildung im Freiburger Regierungspräsidium. In den Berufsschulklassen der Edith-Stein-Schule in Freiburg entfallen bei diesen Sparten schon zwei Drittel der Schülerinnen auf Seiteneinsteiger.

Die Absolventinnen und Absolventen werden von Weingütern oder großen Sonderkulturbetrieben als Fachkräfte gefragt. Einige nutzen die Ausbildung auch als Sprungbrett für eine weitere Qualifikation als Marketingfachkraft, für eine Tätigkeit im Groß- oder Einzelhandel oder auch für ein Hochschulstudium.

Auch im Ackerbau und in der Milchkuhhaltung seien in den letzten Jahren Arbeitsplätze für Fachkräfte entstanden, wobei derart spezialisierte Betriebe im Gegensatz zu Weinbau- und Gärtnereibetrieben erst vereinzelt qualifizierte Mitarbeiter suchen. Vielmehr sind es Lohnunternehmer oder Kooperationen, etwa der Maschinenring Breisgau, die Beschäftigung ermöglichen. Die Entwicklung dürfte in den nächsten Jahren noch stärker voran schreiten, ist Helmut Lehmann überzeugt.

Die aktuelle Agrarstrukturerhebung weist für Baden-Württemberg noch 45 000 Betriebe mit einer durchschnittlichen Bewirtschaftungsfläche von 32 Hektar aus und bei über der Hälfte ist die Nachfolge ungewiss oder gar nicht gegeben.



WEGE IN DEN BERUF

Ansprechpartner für alle, die einen landwirtschaftlichen Beruf erlernen möchten, ist das Referat 31 im Regierungspräsidium Freiburg, Telefon 0761/208-1262. Dort erhält man eine Liste der Ausbildungsbetriebe. Beim Amt für Landwirtschaft Emmendingen-Hochburg ist Gerhard von der Heydt als Ausbildungsberater tätig, Telwfon 07641/451-9140.

Das Seminar im Bildungshaus Kloster St. Ulrich in Kooperation mit dem BLHV-Bildungswerk und dem Bund Badischer Landjugend findet vom 2. Bis 4. November statt. Angesprochen sind junge Leute, die sich für die Berufe Landwirt, Forstwirt, Winzer, Gärtner, Pferdewirt oder Hauswirtschafterin interessieren. Die Teilnahme kostet 45 Euro. Anmeldung: Telefon 07602-9101-0, Fax: 910190, info@Bildungshaus-Kloster-St-Ulrich.de  

Autor: sf

Autor: Silvia Faller