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18. März 2017

Die Herren am Herd lassen es zischen

Feinkost statt Fast Food ist das Motto beim Männerkochkurs für Anfänger des "Forums ernähren, bewegen, bilden" in Breisach.

  1. Hochgenuss für Fleischfreunde Foto: Jonas Hirt

  2. Werner Fuchs (links, linkes Bild) und Wolfgang Briem haben Spaß beim Wirsing kochen, Klaus Herz haut Schinken in die Pfanne. Foto: Jonas Hirt

  3. Foto: Jonas Hirt

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Von rechts zieht der markante Geruch von Knoblauch in die Nase, von links eine scharfe Note. "So fein habe ich Zwiebeln noch nie geschnitten", sagt Tobias Ehret. Er blickt wieder auf das Gemüse, konzentriert schnibbelt er weiter. Das Resultat landet in einer Auflaufform – später wird daraus ein Fischauflauf nach badischer Art werden. Tobias Ehret nimmt am Männerkochkurs für Anfänger beim "Forum ernähren, bewegen, bilden" in Breisach teil.

Tobias Ehret setzt die Technik um, die Christine Fuchs den Neulingen an der Herdplatte erläutert. Sie arbeitet beim Forum und leitet den Kurs. 13 Männer hören gespannt auf ihre Worte. Der Kurs richtet sich speziell an Anfänger, das Menü ist aber ein gehobenes. Rumpsteak und Rosmarinkartoffeln statt Rührei, Fischauflauf und Feldsalat statt Fast Food– so das Motto.

Genannt wird der Kurs "Talk am Topf". Der Kurs nur für Männer soll den Herren zeigen, dass auch sie kochen können. Und die Männer sollen nicht nur kochen, sondern auch ins Gespräch kommen, ihre bisherigen Erfahrungen austauschen, erklärt Fuchs: "Man unterhält sich einfach in der Küche." So gehe es nicht nur ums Kochen, es sei ein soziales Erlebnis. Zugleich wolle sie damit verhindern, dass jemand sein eigenes Süppchen kocht. Mögliche Unstimmigkeiten an der Herdplatte sollen die Männer untereinander lösen. Das Konzept geht auf: Bei der Einteilung, wer was kocht zeigen die Männer diplomatisches Geschick.

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"Ich kann Pommes in die Maschine werfen", antwortet Teilnehmer Wolfgang Briem salopp auf die Frage nach seinen Kochkünsten. Werner Fuchs hingegen zeigt, dass er schon Vorkenntnisse hat. Geschickt schält er den Knoblauch, der später mit dem Rumpsteak angebraten wird. Gemeinsam legen die beiden die Rosmarinkartoffeln auf das Backblech. Beim Zwiebelschneiden geschieht dann das Missgeschick: Briem schneidet sich in den Finger. Fuchs springt sofort ein und schneidet weiter: "Deswegen habe ich nicht so große Messer, da habe ich Respekt davor", sagt er.

In der anderen Ecke der Küche zischt es auf einmal. Dirk Makoben aus Ihringen und der Breisacher Thomas Plocher bereiten eine Gemüsebrühe zu. Ihre Ehefrauen kennen sich und hatten beschlossen, dass die Männer zum Kurs müssen. "Bisher kann ich nur Tiefkühlkost", sagt Makoben. Tiefkühlkost kommt heute nicht auf den Tisch. Karotten und Kartoffeln kommen von Landwirten aus der Gegend. "Unser Schwerpunkt liegt auf Regionalität und Saisonalität", sagt Christine Fuchs. Den Kochschülern erläutert sie die Vorteile von einer direkten Vermarktung auf dem Hof. Kurze Einkaufswege und frische Produkte: "Klimaschutz mit dem Einkaufsweg", ist das Motto, so Fuchs.

Erneut hört man es im Raum zischen – das sichere Zeichen, dass wieder etwas in der Pfanne gelandet ist. Diesmal ist etwas Rotes, weiß marmoriert. Es ist das Highlight des Abends, das Rumpsteak, der Traum eines jeden fleischessenden Mannes. Unspektakulärer wird hingegen beim Dessert gearbeitet.

Sterneköche

und Fertigpizza

Fast meditativ gibt Johannes Herz eine Masse aus Keksen und zerlassener Butter in kleine Gläser. Die Grundlage für die kleinen Käsekuchen. "Es war die Idee unserer Mutter", erzählt er darüber, warum er heute am betreuten Herd steht. Er erzählt von seinem Auslandsaufenthalt in Schottland und den Kochversuchen mit den Mitbewohnern: "Meistens sind wir dann doch zum Chinesen gegangen." Aus der anderen Ecke ruft sein Vater Klaus: "Wir wollen uns in der Küche starkmachen." Er erklärt, dass sein anderer Sohn sehr gut kochen könne.

Die beiden sind nicht das einzige Eltern-Kind-Paar: Stefan Geisselbrecht ist auf Initiative seiner Tochter in der Küche gelandet: "Sie hat gesagt, Papa du kommst mit." Tochter Svenja hat beim Forum ein Praktikum gemacht und darf deshalb heute beim Männerkochkurs dabei sein. Vater Stefan fummelt sich unterdessen durch den Feldsalat und putzt ihn. "Gleich kommt das Dressing, das wird spannend", meint er. Auflauf und Rumpsteak kommen gleich aus dem Ofen, das Dessert ist auch schon fast fertig. "Jetzt muss ich langsam Gas geben", sagt Geisselbrecht, beugt sich wieder über die Spüle und blickt mit Adleraugen auf die Salatblätter. Der Geruch von fertigem Fleisch und Fisch hat den Geruch von Zwiebeln und Knoblauch abgelöst.

"Wir haben festgestellt, dass man Männer besonders schulen muss", erklärt Christine Fuchs. In gewisser Weise ist es Paradox, sagt sie: Die Mehrheit der bekannten Fernsehköche sind Männer. Aber gerade viele junge Männer hätten immer noch Probleme in der Küche, wenn sie von Zuhause ausziehen.

Autor: Jonas Hirt