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31. Januar 2012

Ein Kräutergarten in edlem Design

Studierende der Hochschule Furtwangen haben für den Caritasverband ein Eigenprodukt entwickelt, das Behinderte in den Werkstätten produzieren werden.

  1. Die Studenten der Hochschule Furtwangen (rechts) übergeben ihr Werk an die Caritas-Repräsentanten Wolfgang Grözinger, Siegfried Fuchs und Doro Irmler (von links). Professor Werner Ruoss (ganz links) war mit der Leistung seines Teams sehr zufrieden. Foto: Sabine Model

HEITERSHEIM. Neue Wege geht der Caritasverband Freiburg-Stadt bei einem neuen Eigenprodukt: Sieben Studenten der Hochschule Furtwangen haben ein Semester lang ein Produkt entwickelt, das von Menschen mit Behinderung in den Caritas-Werkstätten hergestellt werden kann. Das Ergebnis wurde jüngst im Inklusionsobjekt "Villa artis" in Heitersheim präsentiert: ein eleganter, moderner "Kräutergarten" von hoher Wertigkeit, der saisonale Variationen zulässt.

"Ich bin echt begeistert", kommentierte Doro Irmler, zuständig für Marketing und Vertrieb der Eigenprodukte. Von der Fakultät "Digitale Medien" an der Hochschule Furtwangen habe der Caritasverband bereits zwei Mal einen Imagefilm produzieren lassen, berichtete Wolfgang Grözinger, Leiter der Abteilung "Arbeit und berufliche Kompetenzen" beim Caritasverband. Diesmal engagierten sich erstmals Studenten der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen mit den Fachrichtungen Product Engineering sowie Marketing und Vertrieb.

Nützlich, nachhaltig und finanziell tragbar

Projektleiter Dimitri Schwarzkopf, Eva Molter, Igor Michaelis, Kevin Beer, Waldemar Bauer, Wolfgang Stähle und der mexikanische Gaststudent Felix Castro entschieden sich für dieses Projekt, weil es Aussicht auf Umsetzung und einen sozialen Aspekt hatte. Denn Voraussetzung war, dass es in den Werkstätten vorwiegend in Eigenproduktion hergestellt werden kann, eine möglichst hohe Beschäftigungsquote generiert, nützlich, nachhaltig, finanziell tragbar und auch für junge Leute ansprechend ist.

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Die Studenten von Professor Werner Ruoss gingen die Herausforderung systematisch an, entwickelten Ideen, besuchten verschiedene Werkstattbereiche und einen Caritas-Laden, um die Ressourcen, die Kapazitäten und das Produktportfolio einschätzen zu können. Daraufhin wurden die Ideen geprüft und gefiltert. Übrig blieben nach einer Nutzwertanalyse fünf Möglichkeiten. Die wurden in Freiburgs Innenstadt einer Marktanalyse unterzogen. Befragt wurden 115 Personen aller Altersklassen, 45 Prozent männlich, 55 Prozent weiblich, die den "Kräutergarten" favorisierten. Das war nicht repräsentativ, aber eine Entscheidungshilfe.

Die geleimte, anthrazitfarbene Modellholzstellage für den "Kräutergarten" bekam ein schlichtes, elegantes Design, das in Holzarten und Farbgebung variieren kann. Die weißen, viereckigen Keramiktöpfe bezogen die Studenten über den Großhandel. Auch sie sind in diversen Farben zu haben. Bestückt werden können sie mit Kräutern, Teesorten, Frühlingsblühern, Sommerblumen, einem herbstlichen oder weihnachtlichem Arrangement. Sogar eine Preiskalkulation unter 25 Euro für die Kräuterversion und einen Fertigungsplan hatten die Studenten für ihre Dokumentation erstellt. Sie empfahlen, für das Produkt einen Gebrauchsmusterschutz zu beantragen.

Professor Werner Ruoss war mit der Leistung des Teams sehr zufrieden, dankte der Caritas für Offenheit, Kooperationsbereitschaft sowie Einblicke in die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Er gab die "Produktidee mit Spielraum" an die Verantwortlichen der Werkstätten weiter und avisierte weitere Kooperationsideen mit den Worten: "Wir bleiben dran." Siegfried Fuchs, Leiter der Hauptwerkstatt und des Werkstättenverbundes Freiburg räumte ein, dass er sich nicht so recht vorstellen konnte, was dabei herauskommen soll. "Jetzt habe ich das Gefühl: Das wird was", meinte er überzeugt.

Mit dem Werkstattleiter aus March, Oliver Nägele, diskutierten die Studenten die technische Holzverarbeitung der Hochschulschreinerei. Währenddessen hatte Daniel Müller, Werkstattleiter in Riegel mit Caritas-Gärtnerei, Ideen für Bepflanzung, Pflegeanleitung und eine Versandausführung mit Trockenerde und Samen.

Das Produkt ist im Werden. Im Herbst soll es auf den Markt kommen. Einige Bestellungen liegen schon vor.

Caritas-Werkstätten

In den zehn Caritas-Werkstätten St. Georg werden mehr als 1100 Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung begleitet und gefördert, beruflich und sozial rehabilitiert. Beschäftigt werden sie im Dienstleistungsbereich und in der Eigenproduktion. Die Werkstätten verteilen sich auf den Stadtbereich Freiburg und die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen. Die Hauptwerkstätte Freiburg (200) hat drei Außenstellen in der Wiesentalstraße (60), in der Schneeburgstraße (65) und in Umkirch (100). Sie beschäftigen wie die Zweigwerkstätten in Heitersheim (120), in Titisee-Neustadt (120) in Riegel (180) und in March-Neuershausen (130) Menschen mit geistiger, körperlicher oder mehrfacher Behinderung. In den Werkstätten in Merzhausen und in der Außenstelle Emmendingen arbeiten Menschen mit psychischer Erkrankung. Die Eigenprodukte sind vom 8. bis 13. März 2012 auf der Werkstätten-Messe in Nürnberg ausgestellt.



 

Autor: mod

Autor: Sabine Model