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23. Mai 2009

Ein Schub für das Selbstbewusstsein

In der "Berufsvorbereitenden Einrichtung" in Heitersheim erhalten lernschwache junge Menschen eine berufliche Perspektive

  1. Gerne lässt sich der Leiter der Malteserschloßschule Klaus Hotz von Nadine Stepputt im Staufener Felsenkeller bedienen. Die 19-Jährige hat ihre Zukunftsperspektive gefunden. Ab September erhalten diese Chance alle Teilnehmer der neuen Berufsvorbereitenden Einrichtung des Landkreises in Heitersheim. Foto: Sabine Model

HEITERSHEIM / LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Das beispielhafte Engagement für Menschen mit geistiger Behinderung bekommt in Heitersheim eine weitere Facette. Ab dem Schuljahr 2009/2010 betreibt der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in der Malteserstadt seine erste Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE). Nach erfolgreichem vierjährigem Status als "Arbeitsplatzreife-Projekt" der Malteserschlossschule für Menschen mit geistiger Behinderung, nimmt die BVE nun als eigenständige Institution den Betrieb in den Gasträumen vom ehemaligen Malteser-Bad auf.

Gedacht ist die neue Einrichtung für Schülerinnen und Schüler nach der neunten Klasse der Förderschule, bei denen klar ist, dass sie den Anforderungen einer beruflichen Ausbildung nicht gewachsen sind. Aufgenommen werden auch Schülerinnen und Schüler der Werkstufe einer Schule für Geistigbehinderte mit dem Potenzial, eine Helfertätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben zu können. Damit haben BVE-Mitinitiator Thomas Schrecker und Schulleiter Klaus Hotz Erfahrung. Seit vier Jahren wurden von ihnen Strukturen aufgebaut, in denen diese gehandicapten, lernbehinderten Zielgruppen Orientierung in der Berufswelt finden. Hier können sie in einjährigen Praktika herausfinden, was gefällt und welcher Rahmen für sie passt. Einige bekamen inzwischen eine zeitlich befristete oder feste Anstellung.

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Das Konzept geht von einer Klassenstärke von neun Teilnehmern aus. Zwei Tage in der Woche findet berufsbegleitender Unterricht in einer verkehrsmäßig gut angebundenen ehemaligen Gaststätte statt. Von Mittwoch bis Freitag arbeiten die jungen Erwachsenen in unterschiedlichen Betrieben, wo sie die nötigen Schlüsselqualifikationen für das Berufsleben erwerben. So werden Arbeitsprozesse eingeübt und ein Begriff von Arbeit entwickelt. Davon profitieren das Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, eigene Neigungen realistisch einzuschätzen. Die Jugendlichen werden so zu Hauptakteuren ihrer eigenen Zukunftsperspektiven.

Träger der Einrichtung ist der Landkreis. Er sorgt für die Infrastruktur, während Sonderschullehrer, Fachlehrer und Lehramtsanwärter mit den Teilnehmern im Unterricht arbeiten und sie im Praktikum am Arbeitsplatz begleiten. "Wir wollen niemandem um jeden Preis einen Praktikanten anhängen", rückt Thomas Schrecker zurecht. "Das Setting muss passen, sonst wird gewechselt. Denn wir wollen nicht möglichst viel, sondern möglichst nachhaltig vermitteln."

"Man muss jedem eine Chance geben"
Dafür ist Nadine Stepputt aus Staufen ein Paradebeispiel. Als sie, von der Förderschule Staufen kommend, in das Modellprojekt "Arbeitsplatzreife" einstieg, hatte sie keine genauen Vorstellungen, was sie machen wollte. Kindergarten, Pflegeheim, vieles wurde ausprobiert. Dann meldete sich das Ehepaar Konrad und Christa Ortlieb, die Besitzer des Hotels "Am Felsenkeller" in Staufen. Die 17-jährige Hanna, eines ihrer vier Kinder, besucht die Malteserschlossschule. Daher wussten sie von dem Projekt und sie boten eine Praktikanten-Stelle im Hotel- und Gaststättengewerbe an. Nadine Stepputt ging darauf ein.

Gilt seit langem die Küche des Hauses als Geheimtipp für Menschen, die das Besondere suchen, so trifft dies auch für die Grundeinstellung der Betreiber zu: "Man muss jedem eine Chance geben." Chefkoch Konrad Ortlieb hat schon viele junge Menschen ausgebildet und angeleitet. Klare Ansagen, eindeutige Führungsstrukturen, aber auch persönliche, familiäre Betreuung sind dabei sein Rezept.

Nadine habe sich gut entwickelt, erzählt er. Sie gehe aufgeschlossen, freundlich und höflich auf die Leute zu. Das Feedback der Gäste sei positiv. sie möchte noch ein Jahr Schule dranhängen und sich mit einem Ausbildungsabschluss qualifizieren. Den Kontakt zum Felsenkeller will sie nicht abreißen lassen, zumal Konrad Ortlieb signalisiert, er könne sich vorstellen, sie fest zu engagieren.

Mit solchen Erfolgen hat die BVE die beste Basis für einen guten Start. Beschränken sich viele ähnliche Einrichtungen auf kurzfristige Arbeitsprojekte, liegt hier der Fokus eindeutig auf der Integration in das Arbeitsleben. Zusätzlich besteht eine Kooperationsvereinbarung mit der Berufsschule in Müllheim, um alle Qualifikationen offen zu halten.

Für das neue Schuljahr sind noch Aufnahmekapazitäten vorhanden und auch im Pool der Praktikumsplätze ist man um jede Bereicherung dankbar.

Kontakt: Thomas Schrecker 01739014924 oder Klaus Hotz 07634-2507

Autor: Sabine Model