Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald

Fahrschüler müssen länger auf Prüfungen warten – weil Personal fehlt

Ralph Fautz

Von Ralph Fautz

Mi, 06. Dezember 2017 um 17:36 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Fehlendes Personal bei Landratsamt und TÜV Süd strapazieren derzeit die Geduld der Fahrschüler im Kreis. Aber auch bei den Fahrschulen selbst sieht es nicht besser aus. Es fehlen Lehrer.

Offenbar machen sich die Folgen einer Mixtur aus falscher Personalpolitik, Überalterung der Mitarbeiter und steigenden Anforderungen an alle Beteiligten bemerkbar.

Fehlerhafte Prüfungsanmeldungen und lange Wartezeiten, bis Anträge bearbeitet werden, waren die Hauptkritikpunkte der Fahrlehrer, die sich kürzlich zur Hauptversammlung des Kreisvereins Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg in Freiburg-St. Georgen getroffen haben. Dabei kam der Fall einer Fahrschülerin zur Sprache, die dreimal zu einer Prüfung angemeldet werden musste. Jedes Mal fehlten Unterlagen oder sie waren nicht korrekt. Die Prüfung konnte nicht wie geplant abgenommen werden. Wer die Mehrkosten trägt, blieb offen.

Kritik an den Fahrschulen

In sachlicher Atmosphäre wurde Martin Kattan, Niederlassungsleiter des für die Prüfungen zuständigen TÜV Süd, mit den Problemen der Fahrschulen konfrontiert. Kattan versprach Abhilfe durch mehr Personal ab dem kommenden Jahr. Die Fahrschulen kritisierte er für ihren Umgang mit den Punkten. Ein Punkt entspricht 15 Minuten Prüfungszeit bei praktischen Prüfungen. Sie würden von den Fahrlehrern beantragt. Nicht benötigte Punkte sollten im Normalfall wieder dem TÜV zurückgeschoben und durch diesen neu verteilt werden. Stattdessen schöben sie die Fahrschulen unter sich hin und her, der TÜV habe so keinen Überblick mehr. Zudem gehe Arbeitszeit dadurch verloren, dass die TÜV-Sachbearbeiterin, die ohnehin aktuell am Anschlag arbeite und Ansprechpartnerin für 76 Fahrschulen sei, mit unnötigen Fragen, etwa wer der Prüfer sei, konfrontiert werde. Kurzfristige Absagen von Prüfungen erschwerten die Situation zusätzlich.

Eine der Ursachen dieser Probleme ist der viel zitierte Fachkräftemangel, der den TÜV Süd, das Landratsamt, aber besonders die Fahrschulen trifft. "Ja, es ist ein Mangel da", bestätigte Kattan, der nach eigener Aussage 112 Bewerbungsgespräche mit Fahrprüfern hatte. Sechs davon seien erfolgreich gewesen.

Kritik an den Behörden

Der Umgang mit Flüchtlingen durch die Behörden sei ebenfalls problematisch. Oft hätten sie, wenn sie Anträge stellten, andere Papiere und Formulare dabei als am Tag der Prüfung. Die Verantwortung trügen die Behörden. Übersetzungs- und Übertragungsfehler verzögerten die Abläufe. Stehe auf einem Formular etwa Mohammed, auf dem anderen Mohammad, habe der Prüfling ein Problem, dass er nicht selber verschuldet habe. Ähnlich könnte es einem Alexej gehen, dessen Name aus dem kyrillischen versehentlich mit Alexey übertragen worden sei. Selbst wenn Geburtsort und Geburtsdatum auf den Anträgen identisch seien und der Prüfling auf dem Foto zweifelsfrei zu erkennen sei, ändere das nichts.

Fachkräftemangel

Engpässe beim Personal haben auch die Fahrschulen. Sascha Fiek, Geschäftsführer der Fahrschule Fiek-Wegner in Freiburg, ist bundesweit auf der Suche nach Fahrlehrern und Auszubildenden. Wenn es geeignetes Personal gebe, würde er sofort einstellen. Die These des demographischen Wandels, weswegen an weniger Schulen auch weniger Lehrer gebraucht würden, erfülle sich nicht im erwarteten Maß, sagte Fiek. Was zunächst gut klinge, erweise sich wegen der Personalplanung der Vergangenheit als fatal.

Wo liegen die Probleme? Zum einen seien die Fahrlehrer früher von der Bundeswehr gekommen. Hier mache sich der Wegfall der Wehrdienstpflicht bemerkbar, sagte Peter Lob, Fahrlehrer aus Bad Krozingen. Fahrlehrer könne man auch erst ab 21 Jahren werden. Entweder seien die Leute da bereits in einer Ausbildung oder im Studium, beklagte Lob. Fiek legte Zahlen auf den Tisch, wonach bundesweit 2011 noch 38 000 Fahrlehrer aktiv im Dienst waren, 2017 noch 32 500. Von denen wiederum sei fast die Hälfte aktuell 55 Jahre alt und älter. Das Bewusstsein für einen Fahrlehrermangel habe es in der Gesellschaft bisher nicht gegeben, zeigten sich Fiek und Lob einig.

Einigkeit besteht auch darin, dass sich an der Struktur der Fahrschulen in Zukunft einiges ändern werde. "Die klassische Ein-Mann-Fahrschule wird es immer weniger geben", so die beiden Fahrlehrer. Die Anforderungen durch den Gesetzgeber und der Verwaltungsaufwand stiegen in einem Maß, das nur noch gemeinschaftlich zu bewerkstelligen sei. Die Schüler erwarteten eine direkte Kommunikation, möglichst rund um die Uhr und per Whatsapp. Die Außenwerbung werde immer wichtiger, "der Führerschein hat längst nicht mehr den Stellenwert, den er früher hatte", sagte Lob.