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06. Februar 2010

Für die Wahrung der genetischen Vielfalt

Gemeinsames Symposium des Botanischen Gartens Freiburg und der Stifung Kaiserstühler Garten

  1. Der Botanische Garten der Uni Freiburg und die Stiftung Kaiserstühler Garten veranstalteten zum ersten Mal ein gemeinsames Symposium; Professor Thomas Speck (Vierter von links) führt eine Teilnehmergruppe durch den Botanischen Garten. Foto: Barbara Schmidt

FREIBURG/EICHSTETTEN. Zum ersten Mal haben die Stiftung Kaiserstühler Garten und der Botanische Garten der Universität Freiburg gemeinsam ein Symposium veranstaltet. An die 60 Teilnehmer beschäftigten sich einen Tag lang mit dem Thema "Pflanzen, Gärten, Landschaften – Das Kapital der Vielfalt". Das Symposium könnte Auftakt für eine weitere Zusammenarbeit gewesen sein.

Der Direktor des Botanischen Gartens, Professor Thomas Speck, will die Kaiserstühler Stiftung als Partnerin für das geplante Themenjahr "Züchtung früher und heute" gewinnen. Es soll stattfinden, sobald die Sanierung des Botanischen Gartens abgeschlossen ist. "Nicht nächstes, aber vielleicht übernächstes Jahr", sagte Speck der BZ. Stiftungsrat Professor Uwe Pörksen war von der Idee begeistert. Pörksen hatte den Anstoß zu dem gemeinsamen Symposium gegeben, denn "wir wollten mit der Wissenschaft ins Gespräch kommen".

Die in Eichstetten ansässige Stiftung versteht sich als eine regionale Antwort auf die globale Privatisierung des Saatguts. Durch ihre Arbeit will sie die Mannigfaltigkeit der Kulturpflanzen erhalten und fördern. Dieses Ziel, die genetische Vielfalt zu bewahren und sie der Menschheit (also nicht einem einzelnen Konzern) zur Verfügung zu stellen, hat sie mit dem Botanischen Garten gemein. Auch wenn sich dieser vorrangig mit Wildpflanzen beschäftigt. Beide geben kostenlose Saatgutproben ab, wie die Teilnehmer des Symposiums erfuhren.

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Speck schilderte die botanischen Gärten – in Deutschland gibt es rund 100 – als Schaufenster für die Forschung und den Artenschutz. Als Beispiel wählte er die Bionik: Wie sich Architekten, Ingenieure oder Designer von Vorbildern aus der Natur inspirieren lassen, etwa indem sie die außerordentlich tragfähige Struktur eines Riesenseerosenblatts nachbauen. Auch das ist ein Grund, weshalb dem Artensterben ein Riegel vorgeschoben werden sollte. Die Biodiversität sei ein erst in Ansätzen genutzter "Ideenpool" für bionische Entwicklungen, erläuterte Speck.

In Eichstetten wird eine regionale Genbank aufgebaut

Er machte mit der Gruppe einen Rundgang durch den Botanischen Garten, wo vom Aussterben bedrohte Pflanzenarten in Kultur erhalten und erforscht werden. Zuvor hatte Professor Werner Konold über den Wert von Kulturlandschaften gesprochen. Der Direktor des Instituts für Landespflege an der Uni Freiburg stellte dabei das positive Einwirken des Menschen auf die Landschaft in den Vordergrund. Etwa wenn lichte Waldflächen als Weiden für das Vieh genutzt werden und dadurch in den meisten Fällen die Artenvielfalt steigt. Natürlich gebe es auch negative Beispiele, sagte Konold und verwies auf die ausgedehnten Maisfelder in der Rheinebene als eindeutig "kulturlandschaftzerstörerische Prozesse". Eindeutig zwischen gut und schlecht zu trennen, sei aber oft schwierig, weil die Bevölkerung die Landschaft von Generation zu Generation anders wahr nehme, betonte der Agraringenieur. Daher sei auch die Flurbereinigung nicht nur negativ zu sehen.

Thomas Gladis baut in Eichstetten eine regionale Genbank heimischer Pflanzen auf. Sie ist nur ein Angebot der Stiftung Kaiserstühler Garten, die in ihrem Samengarten die Vielfalt der Kulturpflanzen erlebbar macht und zudem eine Ländliche Akademie unterhält. Das Ziel sei, ein Netzwerk von Samengärten in verschiedenen Regionen Deutschlands einzurichten, sagte Gladis. Der Biologe lässt im Eichstetter Samengarten auch exotische Pflanzen zu.

Uneins war sich die Runde, ob alle jemals gezüchteten Gemüsesorten erhalten werden sollten, oder nur die schmackhaften und widerstandsfähigen.

Autor: Barbara Schmidt