"Für mich ist Glaubwürdigkeit ein wichtiger Punkt"

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Fr, 23. Februar 2018

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

BZ-INTERVIEW mit Aaron Rau, Vorsitzender der Jusos Breisgau-Hochschwarzwald, zur Abstimmung der SPD-Mitglieder über eine Große Koalition.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Groko oder nicht? Bei einem Blick auf die Facebook-Seite von Aaron Rau erübrigt sich die Frage. Der Vorsitzende der Jusos im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zeigt seine Meinung im Netz deutlich: #NoGroKo heißt es auf seinem Profilbild. Warum der 16-Jährige aus Gundelfingen gegen die Große Koalition stimmt und wie er die parteiinterne Diskussion wahrnimmt, erzählt er Sebastian Wolfrum im Interview.

BZ: Dass Sie gegen die Große Koalition stimmen, ist im Internet schnell rauszufinden. Warum ist das für Sie so eine klare Sache?

Rau: Für mich ist Glaubwürdigkeit ein wichtiger Punkt. Nach dem Platzen von Jamaika wurde mehrfach angekündigt, dass man keine Große Koalition eingehen würde. Ich finde, für eine Regierungsbildung haben wir kein Mandat und seit wir mit der Union verhandeln, sinken unsere Umfragewerte. Außerdem fehlen mir Punkte wie die Bürgerversicherung im Koalitionsvertrag oder weitere wichtige Anliegen aus dem SPD-Programm. Dann hätte ich mir sogar vorstellen können, zuzustimmen. Aber so nicht.

BZ: Wir haben mit vielen SPD-Mitgliedern aus der Region gesprochen, etwa mit Gemeinde- und Kreisräten. Es sind Stichproben, aber gefühlt hat die Mehrheit der BZ gesagt, sie würde für die Groko stimmen. Das sind meistens ältere Sozialdemokraten. Die Jusos werben dafür, gegen die Große Koalition zu stimmen. Gibt es einen Generationenkonflikt in der Partei?

Rau: Ich finde es schwer, da zu verallgemeinern. Es gibt ja auch Jusos, die sagen: Ich finde die Groko gut. Das sind nicht so viele, aber sie sind da. Genauso wie es ältere Genossen und Genossinnen gibt, die dagegen sind. Ein Generationenkonflikt ist es meiner Meinung nach nicht.

BZ: Sie sind seit etwa zehn Monaten der Vorsitzende der Jusos Breisgau-Hochschwarzwald. Gibt es für Sie mehr Diskussionsbedarf, seit die Kampagne der Jusos gegen die Große Koalition läuft?

Rau: Die innerparteiliche Diskussion läuft, alle haben ihre eigene Meinung dazu und können sie äußern. Ich muss mich nicht gegenüber anderen Parteimitgliedern rechtfertigen. Wir haben einen guten und fairen Diskurs.

BZ: Wo findet dieser Diskurs statt?

Rau: Wir diskutieren natürlich viel bei unseren Treffen. Gerade bei den Jusos passiert da aber auch viel in Sozialen Netzwerken. Der Landkreis ist groß, nicht jeder von uns hat ein Auto. Wir haben etwa eine Whatsapp-Gruppe, in der auch politische Diskussionen stattfinden. Auf Facebook geht es in den Kommentaren hin und her.

BZ: Was sagen Sie zu der Rolle des Juso-Bundesvorsitzenden, der das Gesicht der Kampagne gegen die Große Koalition geworden ist?

Rau: Ich finde es gut, dass es im innerparteilichen Wahlkampf, wenn man das so nennen kann, verschiedene Meinungsführende gibt. Es braucht andere Stimmen, als nur die des Parteivorstands. Deshalb ist es gut, dass Kevin Kühnert seine Meinung offensiv vertritt. Den Papieren für die Abstimmung lag ein Schreiben der Parteispitze bei. Da wird darum gebeten, mit Ja zu stimmen. Das hat da nichts zu suchen. Im Wahllokal liegen ja auch keine Flyer aus.

BZ: Sie sind mit 14 in die SPD eingetreten, mit 15 haben Sie den Juso-Vorsitz übernommen. Das ist auch für einen Jungsozialisten jung.

Rau: Ich habe mich früh für Politik interessiert. Dann habe ich mich informiert und rausgefunden, dass ich am ehesten mit der SPD übereinstimme. Ich glaube, man kann sich in einer Partei durchaus in die Politik einbringen und etwas verändern. Es sind eben nicht ,die da oben’ die entscheiden. Man kann sich engagieren und man kann Dinge besser machen.

Aaron Rau (16) ist seit April 2017 Vorsitzender der Jusos Breisgau-Hochschwarzwald. Der Gundelfinger geht noch zur Schule, er besucht ein Freiburger Gymnasium.