Helfen, schon bevor etwas passiert

Beatrice Ehrlich

Von Beatrice Ehrlich

Mi, 06. Dezember 2017

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle Kobra berichten über ein neues Programm im Landkreis, das auf Früherkennung setzt.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Die Drogenberatungsstelle Kobra hat ein neues Programm gestartet. Kobra hat seinen Hauptsitz in Müllheim, ist aber für den gesamten Landkreis zuständig. Mit dem Projekt Fred soll Menschen geholfen werden, bevor sie ernstere Drogenprobleme bekommen.

Die Kontakt- und Beratungsstelle für Drogenprobleme (Kobra) im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald arbeitet seit vielen Jahren vorwiegend hinter den Kulissen. Aus aktuellem Anlass hat Katharina Braun, Leiterin der Kobra, zum Gespräch in das Büro der Einrichtung in Müllheim eingeladen. Zu den bisherigen Angeboten der Suchtberatungsstelle und der offenen Sprechstunde ist ein neues hinzugekommen: Fred ist die Abkürzung für die "Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten".

Die Erwartungen sind hoch: Fred soll verhindern, dass eine Suchtberatung überhaupt notwendig wird. An der ersten Runde des neuen Programms haben im September sieben junge Männer aus dem Landkreis teilgenommen. Sie alle sind aufgefallen durch einen riskanten Umgang mit Alkohol oder illegalen Drogen. Mit praktischen Übungen haben Sozialarbeiterin Sarah Paulus und Sozialpädagoge Tobias Glas die jungen Leute motiviert, über ihren Drogenkonsum nachzudenken. In vertraulicher Atmosphäre haben die Jugendlichen in zwei mal vier Stunden ihrem eigenen Verhalten nachgespürt und Verhaltensweisen entlarvt, die sie schädigen. Wie viel konsumiere ich eigentlich wirklich? Zu welchem Zweck? Ist das noch Genuss oder schon Sucht? Und welche Rolle spielt die Gruppe? Die Entscheidung, einen Gang zurückzuschalten beim Drogenkonsum, muss selbst gefällt werden. Ein "Aha-Erlebnis" habe er beobachten können, wenn die Jugendlichen plötzlich außerhalb der gewohnten Gruppe über ihren Drogenkonsum sprechen, berichtet Glas.

Weniger harte Drogen, etwas mehr Cannabis

Fred hat Erfolge vorzuweisen: Etwa der Hälfte der Teilnehmer sei es gelungen, ihren Drogenkonsum dauerhaft reduzieren.Durch die Teilnahme an dem Projekt können die Jugendlichen einer weiteren Strafverfolgung entgehen. Der Bedarf ist da: 14 Teilnahmewillige stehen momentan auf der Warteliste. Das Programm gibt es nicht nur im Kreis. Es wurde in Münster entwickelt und kommt mittlerweile europaweit zum Einsatz.

In ihrem Jahresbericht gibt Kobra regelmäßig Auskunft über die Angebote und die Nachfrage im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Über die Jahre ergibt sich so eine Übersicht über Drogenprobleme im Kreisgebiet. Während der Konsum harter Drogen in den vergangenen Jahren stagniere, habe der Missbrauch von Cannabis zugenommen, heißt es. Und ebenso, wenn auch auf niedrigerem Niveau, die Einnahme von Amphetaminen und aufputschenden Mitteln, ist im Jahresbericht 2016 zu lesen. Als Grund für die größere Verbreitung von Cannabis sieht Katharina Braun vor allem die leichtere Verfügbarkeit der Droge, überall dort, wo viele Jugendliche zusammenkommen.

Jeder, der Drogen nimmt und etwas verändern wolle in seinem Leben, findet bei Kobra Beratung und Unterstützung. Aber auch Angehörige können sich an die Beratungsstelle wenden. Als niederschwelliges Angebot für eine Kontaktaufnahme gibt es die offene Sprechstunde, dreimal wöchentlich in Müllheim, einmal in der Woche in jeder der beiden Außenstellen in Breisach und Titisee-Neustadt.

Auch wenn manche erst über einen Arzt oder das Gericht den Weg zu Kobra finden, der eigene Wille, etwas zu verändern an seinem Leben, sei unabdingbar für eine sinnvolle Beratung, betont Braun. Zu den Aufgaben der Kobra gehören darüber hinaus die psychosoziale Begleitung von Menschen aus dem Landkreis, die sich in einer Substitutionsbehandlung befinden und die aufsuchende Suchtberatung in der Justizvollzugsanstalt in Freiburg.

Kobra engagiert sich auch in der Prävention: "Damit niemand abstürzt!" heißt ein Suchtpräventionsprogramm, dass die Beratungsstelle seit acht Jahren in weiterführenden Schulen anbietet. Ziel dieses Programms ist, die Risikokompetenz der Jugendlichen zu schulen und sie dazu zu bringen, eine Haltung zu entwickeln zum Umgang mit Suchtmitteln, angefangen bei Alkohol und Nikotin. Ein Elternabend sowie ein Gespräch mit den Lehrern ergänzen dieses Angebot, das derzeit an vier Schulen im Landkreis umgesetzt wird: an der Alemannen-Realschule in Müllheim, im Schongauer-Gymnasium in Breisach, im Faust-Gymnasium in Staufen und an der Werkrealschule in Bad Krozingen. Seit diesem Jahr ist auch die Krankenkasse AOK mit an Bord und sorgt mit finanzieller Unterstützung für mehr Planungssicherheit bei der Drogenberatungsstelle.

Diese wird finanziert durch den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, das Land Baden-Württemberg, aber auch durch das Erwirtschaften von eigenen Mitteln über die Angebote sowie durch Spenden. Die Finanzierung sei nicht kostendeckend, betont Braun. Um das Defizit auszugleichen, ist die Beratungsstelle auf die Eigenmittel des Trägerverbands angewiesen, dem AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg.