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12. September 2017

"In der Schlussphase mobilisieren"

Zum 61. Mal lädt die FDP-Südbaden zum Agrar- und Verbrauchertag / Spitzenkandidat Michael Theurer will Bürokratie abbauen.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. "Obstbau im Wandel der Zeit" lautete die Überschrift des Agrar- und Verbrauchertages, der jüngst auf dem Gemüsehof Schmelzer bei Schallstadt-Mengen stattgefunden hat. Wo der Schuh auf dem seit 2016 biologisch produzierenden Hof im Speziellen und in der Landwirtschaft im Allgemeinen drückt, wollten die Freien Demokraten von Betriebsleiter Joel Siegel ebenso erfahren, wie von etlichen anwesenden Landwirten und BLHV-Präsident Werne Räpple. Für einen politischen Blick über den Ackerrand sorgte zudem FDP-Spitzenkandidat Michael Theurer.

Hausherrin Sonja Mathis-Stich hat den Gemüsehof 2014 übernommen und zusammen mit Betriebsleiter Joel Siegel zum Biohof umgewandelt. Siegel stellte den Gemüse- und seinen bereits seit 2009 nach Demeter-Richtlinien arbeitenden Obsthof vor. Zusammen würden rund 70 Hektar bewirtschaftet, die Waren größtenteils über den Bio-Großhandel vertrieben. Ein Dutzend feste Mitarbeiter und bis zu 50 Saisonkräfte kümmerten sich um Obst, Beeren und Gemüse. "Gerade mit den Beeren brauchen wir viele Hände", begründete Siegel die große Anzahl an Saisonarbeitern. Schwierigkeiten bereiteten die steigenden Löhne, die "die Preisentwicklung auf dem Markt so nicht wiedergäbe", zum anderen bürokratische Hürden. "Eine schlechte Ernte können wir uns nicht leisten", so Siegel über Wetterkapriolen und Schädlingsbefall, die neben dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch im Bioanbau zum nicht unumstrittenen "geschützten Anbau" – Folien, Tunnel oder Netze – zwängen. "Die Gesellschaft kann nicht nur fordern, sie muss auch geben", appellierte Siegel. In Richtung der Politiker hingegen appellierte BLHV-Präsident Werner Räpple, sich für die Möglichkeit steuerfreier Rücklagen für die Landwirtschaft einzusetzen.

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"In der Schlussphase mobilisieren" wollte Michael Theurer. "Wir müssen deutlich machen, um was es geht, um Politikwechsel", so der FDP-Landeschef und Spitzenkandidat. Deutschland, forderte er, brauche "ein Update", auch um für den "digitalen Tsunami" gerüstet zu sein. Dies bedeute Glasfaser für alle Haushalte statt veralteter Technologie ebenso, wie "Entbürokratisierung" beispielsweise beim Mindestlohn oder den Arbeitszeiten. Verbraucherschutz sei wichtig, dürfe aber nicht in "Gängelung der Wirtschaft" münden, warnte er. Mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge nannte er "Enteignungen durch die Hintertür". Als "beängstigend" – gerade auch mit Blick auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln – bezeichnete der Europaabgeordnete die "Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel", die eine "kartellartige Struktur im Einkauf" zur Folge hätte. "Miese Preise durch Marktmacht" müssten verhindert werden. "Inhalt ist uns wichtig. Wir sind die Alternative für Demokraten", schloss Theurer mit einem Wortspiel.

"Was uns drückt: Die Kostenentwicklung und die Wettersituation", kam Werne Räpple zurück zur Landwirtschaft. Man dürfe "den Selbstständigen die Arbeit nicht verleiden", warnte er angesichts von Mindestlohndebatte und vermeintlichem Bürokratiedschungel. Für "gleiche Rahmenbedingungen in Europa" – auch und gerade mit Blick auf die Landwirtschaft – sprach sich der Bundestagskandidat für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim und Bad Bellinger Bürgermeister Christoph Hoffmann aus.

Autor: Julius Steckmeister