Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Oktober 2010

Kalender ohne Mistgabeln

Eine von 13 Grazien: Anna Schwär posiert für Bäuerinnenkalender.

  1. Gegen Schlagschatten: Anna Schwär posiert unter einem Segeltuch auf dem heimischen Steinbachhof in St. Märgen. Foto: antonia felber/LWH

ST. MÄRGEN. Keine Spur einer derben Bäuerin in Gummistiefeln mit Mistgabel in der rauen Hand: Den Bäuerinnenkalender 2011 zieren 13 Grazien, die von Höfen in ganz Baden-Württemberg stammen. Unter ihnen ist auch Anna Schwär vom Steinbachhof in St. Märgen. Der Kalender soll nicht alte Traditionen erneuern, sondern die moderne Landwirtschaft hervorheben.

Die blonde 21-Jährige bewarb sich aus Neugierde für das Casting in Freiburg und fand es interessant. Sie musste etwas von ihrem Bauernhof, der späteren "Shooting location", erzählen und durfte für ein paar Probebilder posieren. "Wir waren sofort überzeugt von ihrer Ausstrahlung, ihrem Lächeln, ihrem Selbstverständnis vor der Kamera" sagt Julia Blank, die Fotografin. Dass sie es tatsächlich unter die letzten 13 von 200 Bewerberinnen schaffen würde, hätte sie damals nicht gedacht. "Als der Brief kam, war die Freude groß", erzählt ihre Mutter Margarete Schwär.

Anna Schwär holt derzeit nach einer abgeschlossenen Ausbildung in Freiburg das Abitur nach und packt nebenher auf dem Hof mit an. "Ich helfe in Stall und Garten, wir haben Milchkühe und Kleintiere." Im Kalender sollen authentische Fotos die Landwirtinnen mit all ihrem Charme und einer Prise Humor präsentieren und dabei zeigen, wie sie sich selbstbewusst und mit Spaß an der Arbeit für die Landwirtschaft einsetzen.Die Bäuerinnen werden auf ihren Heimathöfen fotografiert. Dabei sollen die Besonderheiten der jeweiligen Orte herausgehoben werden. Der Steinbachhof hat einen farbenfrohen eingezäunten Bauerngarten mit einer kleinen Kapelle am oberen Ende und dient als Kulisse für Annas Foto.

Werbung


Anna Schwär wurde an einem heißen Sommertag in zwei verschiedenen Outfits fotografiert. "Wir haben schlichte, einfarbige Kleider ausgesucht, damit sie sich vom bunten Hintergrund abhebt", erklärt Claudia Zinke, die für Organisation, Produktion und Grafik des Kalenders zuständig ist. Großstadtmode wird auf den Bildern gezeigt – keine traditionelle Tracht. Außerhalb der Shootingzeiten hält sich Anna Schwär im Schatten auf, denn das professionelle Make-up soll nicht zerfließen, und Schweißflecken könnten die gewünschte Sinnlichkeit verhindern. Kurz vor dem zweiten Shoot wird der weiße Rock gut gebügelt, danach ist Hinsetzen verboten. Das Haar wird toupiert, tüchtig Spray darüber gegeben, etwas Puder aufgestäubt. Ein Team, das nur aus Frauen besteht, trifft die letzten Vorbereitungen.

Die Fotografin hockt nun im Zwiebelbeet, während Anna sich auf einer Holzkiste räkelt. Sie scheint im Begriff zu sein, die röteste und größte Erdbeere des Gartens in ihrem Mund verschwinden zu lassen. Um keinen Schlagschatten zu erzeugen, wird ein weißes Segeltuch über ihrem Kopf gespannt. Das junge, weibliche Team, das vorwiegend aus dem Bereich "Fashion" stammt, sorgt für eine unverkrampfte Atmosphäre mit französischen Chansons. "Ich fühle mich wohl vor der Kamera", meint Anna Schwär.

Im Rahmen einer großen Party wurde der Bäuerinnenkalender nun auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart vorgestellt. Es ist die vierte Auflage – und die erste gesamt-baden-württembergische: Die ersten drei waren auf Oberschwaben begrenzt. Dieses Jahr gilt das Augenmerk der modernen Landwirtschaft, erklärt Claudia Zinke: "Wenn Maschinen auf einem Bild zu sehen sind, wählen wir die neuesten Modelle aus."

Zu beziehen ist der Bäuerinnenkalender für 14,90 Euro plus Porto auf http://www.baeurinnenkalender.de

Autor: unserer Mitarbeiter Antonia Felber