Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Februar 2012

Kreis rechnet mit mehr Gymnasiasten

Nach dem Wegfall der Grundschulempfehlung sucht das Landratsamt vorsorglich nach zusätzlichen Klassenzimmern.

  1. Gibt es genügend Klassenzimmer in den Schulhäusern? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Landkreis. Foto: dpa

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hat als Träger der allgemeinbildenden Gymnasien Anfragen an Gemeinden gestartet, ob sie bei Bedarf an anderen Schulen Räume für zusätzliche Gymnasialklassen zur Verfügung stellen können. Mit der Anfrage rüstet sich der Landkreis für den Fall, dass sich im neuen Schuljahr wesentlich mehr Grundschulabgänger in einem Kreisgymnasium anmelden.

Für das neue Schuljahr wird zum ersten Mal die Grundschulempfehlung nicht mehr verbindlich sein, mit der die Grundschulen den Eltern der Viertklässler raten, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll. Es könnte möglicherweise zu deutlich veränderten Schülerströmen kommen. Die Verantwortlichen im Landratsamt vermuten, dass es mehr Gymnasiasten geben könnte. Der Landkreis ist der einzige Kreis in Baden-Württemberg, der alle allgemeinbildenden Gymnasien selbst trägt.

Bis Ende März haben die Eltern der jetzigen Viertklässler Zeit zu entscheiden, in welche weiterführende Schule ihr Kind gehen soll. Dennoch startete der Landkreis schon jetzt eine Anfrage an die Gemeinden, um möglichst viel zeitlichen Vorlauf zu haben, falls es tatsächlich zu einem Ansturm auf die Gymnasien kommen sollte, erklärt Landratsamtssprecher Matthias Fetterer. Der zeitliche Vorlauf sei auch deshalb wichtig, weil im Bedarfsfall über die Kostenverteilung gesprochen werden müsse.

Werbung


Bereits eine Zusage, Platz für eine Außenklasse zur Verfügung stellen zu können, gibt es vom Bötzinger Gemeinderat. Die Kaiserstuhlgemeinde ist Träger einer kombinierten Haupt- und Realschule und verfügt über Platzreserven, die für eine Außenklasse des Breisgauer Martin Schongauer-Gymnasiums genutzt werden könnte. Allerdings halten dies sowohl der Schulleiter des Gymnasiums als auch sein Kollege von der Bötzinger Realschule für wenig wahrscheinlich. Zum einen hat Breisach wegen des Auslaufens des neunjährigen Gymnasiums wieder zusätzlichen Platz, zum anderen erwarten beide Schulleiter, dass sich die Eltern doch weitgehend an den Grundschulempfehlungen orientieren werden, auch wenn diese nicht mehr verbindlich sind.

Auch der geschäftsführende Schulleiter der acht Kreisgymnasien, Heribert Hertramph vom Gymnasium in Müllheim, rechnet damit, dass die meisten Eltern wie bisher sehr bewusst mit den Grundschulempfehlungen für ihre Kinder umgehen werden. Von daher seien sehr massive Änderungen bei den Anmeldungen für die Gymnasien nicht unbedingt zu erwarten. Dennoch sei es angemessen, dass der Landkreis als Schulträger Vorbereitungen für den Fall treffe, dass sich nach Ostern, wenn die Schulanmeldungen kreisweit vorliegen, örtliche Engpässe im Raumangebot abzeichnen sollten.

Für das Kreisgymnasium in Neustadt gibt es eine Anfrage bei der Gemeinde Löffingen, wegen einer möglichen Außenklasse an der dortigen Realschule. Im Falle von Neuenburg und Müllheim wäre die Müllheimer Realschule ein möglicher Partner, ebenso wie das Schulzentrum in Heitersheim und die Realschule Bad Krozingen für das Gymnasium der Kurstadt und das der Nachbarstadt Staufen. Vom Heitersheimer Gemeinderat gibt es bereits eine Zusage an den Landkreis.

"Kein Schüler wird von

Breisach nach Kirchzarten geschickt werden."

Heribert Hertramph
Da Neuenburg und Müllheim nahe beieinanderliegen, ebenso wie Bad Krozingen und Staufen, hätte dort jeweils zunächst die Lösung des Klassenausgleichs Vorrang, erläutert Heribert Hertramph. Dies bedeute, dass bei zu vielen Anmeldungen an einem der Gymnasien die Schüler auf das Nachbargymnasium verwiesen würden, falls dort Kapazitäten frei sind. "Das geht aber nur bei räumlich und von den Verkehrsverbindungen her benachbarten Gymnasien. Kein Schüler wird von Breisach nach Kirchzarten geschickt werden, oder umgekehrt", betont Hertramph. Da in Müllheim und Neuenburg wie auch in Breisach in diesem Jahr ein Doppeljahrgang Abitur macht, gibt es zum Schuljahresende eine deutliche Verringerung der Schülerzahlen.

Über schrumpfende Zahlen informierte diese Woche auch das Statistische Landesamt. In diesem Schuljahr setze sich der seit 2003 anhaltende Trend fort, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Schüler an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen um knapp zwei Prozent auf 1,09 Millionen gesunken. Das größte Minus gibt es demzufolge bei den Haupt- und Werkrealschulen mit knapp vier Prozent, gefolgt von den Grundschulen mit rund drei Prozent.

Auch die Klassenstärken hat das Statistikamt erhoben. Die größten Klassen werden demnach weiterhin am Gymnasium unterrichtet. Dort liegt der Durchschnitt im laufenden Schuljahr bei 26,5 Schüler pro Klasse, im vergangenen Jahr waren es 27,1. An den Realschulen sitzen im Schnitt 25,8 Kinder und Jugendliche in der Klasse (Vorjahr 26,4). Deutlich kleiner sind die aktuellen Klassen an den Grundschulen mit 19,6 Schülern (Vorjahr 20,1) und an den Haupt- und Werkrealschulen mit 19,2 Schülern (Vorjahr 19,3), schreibt das Statistische Landesamt.

Autor: Manfred Frietsch