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07. Januar 2010

Lebenslanges Lernen – kein Fremdwort an der VHS

Nie zuvor haben Senioren so aktiv ihren Ruhestand für Weiterbildung genutzt / Spezielle Angebote an den Volkshochschulen.

  1. Senioren interessieren sich zunehmend für Computer, die ihnen neue Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten bieten. Foto: privat

FREIBURG / BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD (BZ). Der demografische Wandel macht auch vor den Volkshochschulen nicht halt. Immer mehr ältere Menschen bilden sich an der VHS weiter. Vom Kleinkind bis zu den aktiven Senioren reicht das Publikum. An den Volkshochschulen in der Region wird so das "Lebenslange Lernen" lebendig. Für die "aktiven Senioren" bieten die Volkshochschulen in der Region spezielle Angebote, denn die Interessen und Wünsche sind vielfältig und liegen nicht nur bei Gesundheit und Kreativität, sondern auch bei Englisch für den nächsten Kanada-Urlaub oder EDV-Wissen für den Einstieg in die Internet-Welt.

Unter dem Titel "Lernen im Lebenslauf – Bildung und demografischer Wandel" beleuchtete die VHS Freiburg aus Anlass ihres 90-jährigen Bestehens erst kürzlich dieses Thema mit einem prominenten Podium: Die ehemalige Ministerin und Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth unterstrich in Freiburg die Bedeutung der Weiterbildung als vierte Säule des Bildungswesens. Mit Blick auf das Lernen älterer Menschen widersprach sie der sprichwörtlichen, immer noch verbreiteten Vorstellung, dass Hans nicht mehr lerne, was er nicht schon als Hänschen gelernt hat.

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Viel zu früh würden immer noch ältere Arbeitnehmer von den Betrieben ausgemustert, während sich doch das wissenschaftliche Altersbild in den letzten Jahren grundlegend gewandelt habe. "Wir müssen endlich damit aufhören, den Lebenslauf bloß als unausweichlichen Abbau zu betrachten"; vielmehr habe im öffentlichen Diskurs an die Stelle eines defizitorientierten ein ressourcenbezogenes Denken zu treten – dem dann auch die Politik entsprechende Taten folgen lassen müsse.

Den Älteren selbst empfahl Süssmuth, Neugier zu bewahren und neu zu entwickeln, die Möglichkeiten kultureller Bildung, zu denen sie philosophische und ästhetische Themen ebenso zählte wie Angebote zur körperlichen Bewegung, rege zu nutzen. Engagement sei im Übrigen eine Grundbedingung für gesundes Älterwerden.

Mal in entspannter Atmosphäre, mal im Kreis mit Jüngeren lernen

Ob nun in speziellen Zielgruppenangeboten der Volkshochschulen oder im allgemeinen VHS-Programm, an den Volkshochschulen finden die Senioren viele Möglichkeiten, neue Themen zu erkunden. Während die einen den Zielgruppenkurs in entspannter Atmosphäre am Vor- oder Nachmittag vorziehen, schätzen die anderen den Austausch zwischen jung und alt im regulären VHS-Kurs. Die Bandbreite der Kurswünsche ist bei den älteren VHS-Besuchern groß. Neben kulturellen Veranstaltungen und Gesundheitsthemen wagen sich immer mehr Senioren an den Computer. So helfen gerade die Volkshochschulen den älteren Menschen zur Teilhabe an der schnelllebigen, hochtechnisierten Welt. Viele Senioren lernen hier die Internet-Welt kennen und verlieren Schritt für Schritt die Angst vor dem Computer.

Das Internet eröffnet insbesondere für die ältere Generation ungeahnte Möglichkeiten der Information und Kommunikation vom eigenen Wohnzimmer aus, unabhängig von gesundheitlichen Einschränkungen oder finanziellen Mitteln. Mit Hilfe des Computers recherchieren sie Zugverbindungen oder bearbeiten die eigenen digitalen Fotos.

Ein "Senioren-Netz" an der VHS Nördlicher Breisgau erkundet gemeinsam, was der PC so alles kann. Mit Aktionstagen wie "Computer, Internet & Kaffee" an den Volkshochschulen Dreisamtal, Markgräflerland und Hochschwarzwald im Februar bieten die Volkshochschulen kostenlose Information und Beratung. Auch Fremdsprachen stehen beim älteren VHS-Publikum hoch im Kurs. So lernt man Englisch für den nächsten London-Trip oder frischt seine Italienisch-Kenntnisse im Konversationskurs mit Gleichgesinnten auf.

Während hierbei die einen eine entspannte Atmosphäre am Vor- oder Nachmittag schätzen, wünschen sich die anderen lernorientierten Unterricht im allgemeinen VHS-Kurs gemeinsam mit der jüngeren Generation. So wird Vokabel lernen zum Gedächtnistraining und die Kurse eröffnen Einblicke in Land und Leute. Nicht selten endet ein Sprachkurs in einer gemeinsamen Reise in das Land.

Ein ganz besonderes Angebot bietet die Volkshochschule Gundelfingen erfolgreich an: "Vergessen Sie Gedächtnislücken – Hirnfunktionstraining mit Spaß" lautet der Titel des Gedächtnistrainings nach der Methode von Professor Bernd Fischer, das mit überwältigendem Erfolg schon seit sechs Jahren zum festen Bestandteil des VHS-Programms gehört.

Nicht nur geistig, sondern auch körperlich fit möchten die Senioren sein. Ob Gymnastik oder Yoga, ob rückengerecht oder im Wasser, die Gesundheitskurse erfreuen sich bei den aktiven Senioren einer großen Nachfrage. Oft gehörten diese VHS-Besucher über viele Jahre zum Stammpublikum der Volkshochschulen. Vorträge zu Gesundheitsthemen, wie Osteoporose und Ernährungsthemen runden hier das VHS-Angebot ab.

Den Mut, etwas Neues zu wagen? Den Ruhestand endlich zur Entfaltung der eigenen Kreativität zu nutzen? Auch diese Erfahrung kann reizvoll und erfüllend sein. Insbesondere die Exkursionen und Fahrten der Volkshochschule sind bei den älteren VHS-Besuchern beliebt. Ob dies Kunstfahrten sind zu sehenswerten Ausstellungen oder ob bei Exkursionen vor Ort unter fachkundiger Leitung ein Blick hinter die Kulissen möglich wird.

Autor: bz