Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

06. April 2016

LEUTE IM LANDKREIS: "Das ist jedes Mal ein Mordsaufwand fürs Training"

Josef Gutmann hat jüngst bei der Ski-Weltmeisterschaft in Tschechien Bronze im Slalom geholt – im Alter von 76 Jahren.

  1. Josef Gutmann mit dem aktuellen Rennski – und seinem ersten aus dem Jahr 1952. Foto: Hennicke

EHRENKIRCHEN. Neun Medaillen liegen auf dem Tisch in der Ausstellungshalle des Autohauses Gutmann in Ehrenstetten. Sie sind alle aus dem Jahr 2016. Gewonnen hat sie Josef Gutmann – im Alter von 76 Jahren. Von Ruhestand kann bei ihm keine Rede sein. Gerade ist er mit einer Bronzemedaille im Slalom von der Senioren-Ski-Weltmeisterschaft in Spindlermühle in Tschechien zurückgekehrt.

Skifahren spielt eine große Rolle im Leben von Josef Gutmann. Angefangen hat es damit, dass der damals zwölfjährige Münstertäler Bub – Bruder des bekannten Bildhauers Franz Gutmann – 1952 ein Paar Ski bekam. "50 Mark haben sie gekostet, dass weiß ich noch genau", erinnert sich Josef Gutmann. "Weil sie keine Stahlkanten hatten, wurden eigens welche eingebaut." Schon der junge Skifahrer war demnach wohl ehrgeizig, legte Wert auf eine gute Ausrüstung, die erst eine gute Fahrtechnik ermöglichte.

Der Ehrgeiz ist Josef Gutmann geblieben. 64 Jahre später freut er sich zwar über den dritten Platz beim Slalom-Wettbewerb der Fis World Criterium Masters, wie die Weltmeisterschaft der Senioren heißt. Dass es aber in seiner Paradedisziplin Riesenslalom nicht mit einer Medaille geklappt hat, wurmt den 76-Jährigen ein bisschen. Dafür war er schon im Februar bei den Deutschen Meisterschaften in Hochfügen im Zillertal im Slalom in seiner Altersklasse siegreich.

Werbung


Wie bei den aktiven Skiläufern, gibt es auch einen FIS-Weltcup für Senioren, bei dem etwa 20 Rennen an Skiorten in der ganzen Welt stattfinden. In dieser Saison war Gutmann bei Weltcuprennen in Haslibergund Morgins in der Schweiz, in Mégève in Frankreich und in Hochfügen am Start. Er rechnet mit einem vierten bis siebten Platz in der Gesamtwertung. "Eine bessere Platzierung war nicht möglich, weil ich nicht an genügend Rennen teilgenommen habe", sagt der Skirennläufer, der zwar schon lange in Ehrenstetten lebt, aber für den Skiclub Münstertal startet und vor 60 Jahren Gründungsmitglied dieses Vereins war. Höhepunkt seiner Rennkarriere war 2012 die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Mammoth Mountain in Kalifornien, USA.

Auch die Trainingsvorbereitung war schwierig in diesem Winter, in dem der Schnee im Schwarzwald erst im Januar fiel. Zweimal war Gutmann deshalb zum Trainieren in den Alpen. Er ist froh darüber, dass er mit seinem Nachbarn Armin Maier und seinem Münstertäler Freund Peter Geiger zwei Betreuer an seiner Seite hat, die ihn beim Training und bei den Rennen begleiten und unterstützen. "Das ist jedes Mal ein Mordsaufwand fürs Training. Man muss Stangen schleppen und einen Parcours mit 40 Toren stecken, mindestens eineinhalb Stunden dauert das", sagt Gutmann.

Als Skisportler aus der Weinbergregion, wie sich Gutmann selbst bezeichnet, habe er einen deutlichen Nachteil gegenüber Skiläufern, die in den Alpen leben, stellt er fest. Allerdings: Nur mit Skifahren alleine bleibt man nicht fit. Neben dem Skitraining geht der aktive Senior regelmäßig ins Fitnesscenter und zum Joggen, ist auf Langlaufski und auf dem Fahrrad unterwegs. Außerdem kräftigt er stets Oberschenkel und Knie und lässt sich bei Bedarf physiotherapeutisch behandeln.

Angefangen hat Josef Gutmann seine deutschlandweite und internationale Rennkarriere erst im Alter von 71 Jahren. Sein erstes Rennen war 2011 die Weltmeisterschaft in Andorra. Er sei zwar in jüngeren Jahren ein guter, aber eben kein Spitzenläufer gewesen und habe sich deshalb im Skiclub Münstertal als Trainer für die Kinder und Jugendlichen und Schülerwart engagiert. "Das Zusammensein mit den Jugendlichen hat mich jung gehalten", davon ist Gutmann überzeugt.

Beruflich erfolgreich war der 76-Jährige auch: 1964 gründete Kraftfahrzeugmeister Josef Gutmann in einer alten Scheune in Ehrenstetten sein Autohaus, in dem seine Ehefrau Helga mitarbeitet. Heute zählt das Unternehmen 28 Mitarbeiter, seit 1994 führt Gutmann die Geschäfte in einer GmbH mit Sohn Thomas. Fast jeden Tag ist der Senior noch im Geschäft, wenn er nicht gerade trainiert oder mit der Markgräfler Seniorenkapelle, der Seniorenkapelle Münstertal oder mit einem Klarinettenquartett musikalisch unterwegs ist.

Autor: Gabriele Hennicke