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26. Februar 2010
Menschen aus ihrer Einsamkeit holen
BZ-INTERVIEW mit Brigitte Vögtle, die Vorsitzende der Caritaskonferenzen, über "Selbstbestimmte Teilhabe im Alter".
FREIBURG/LANDKREI SBREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. "Selbstbestimmte Teilhabe im Alter" ist der Titel der Caritascampagne 2010 und auch das Leitthema der Caritaskonferenzen (CKD) in der Erzdiözese Freiburg. Bei einem Seminartag in Freiburg am morgigen Samstag, 27. Februar, wollen die Engagierten neue Wege und Angebote entwickeln, um ältere Menschen zu begleiten. BZ-Mitarbeiterin Silvia Faller befragte dazu Brigitte Vögtle, die CKD-Vorsitzende im Dekanat Freiburg und in der Erzdiözese. Die 63-Jährige ist selbst in der Pfarrei St. Blasius in Zähringen engagiert.
BZ: Frau Vögtle, alte Menschen und Frauen stehen ja ohnehin im Fokus der Caritaskonferenzen. Was soll künftig anders werden?Vögtle: Wir wollen unsere Dienste weiterentwickeln. Der Seminartag soll neue Ideen und Ansätze hervorbringen, wie wir noch besser als bisher den Bedürfnissen älterer Menschen entsprechen können. Bisher stehen Besuchsdienste im Vordergrund, wobei wir professionelle Helfer, Therapeuten oder Dienste vermitteln, wenn wir auf ernste Notlagen stoßen und der Betroffene das auch will. Die Besuchsdienste werden wohl auch in Zukunft in der überwiegenden Zahl der Pfarreien bestehen bleiben, viele örtliche Caritaskonferenzen haben daneben aber schon weitere Angebote entwickelt. Wir wollen diese Ideen zusammentragen und uns darüber austauschen, wie man Projekte vor Ort umsetzt.
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BZ: Sie selbst sind schon älter. Wer ist denn genau die Zielgruppe?
Vögtle: Der Besuchsdienst setzt in den meisten Gemeinden ein, wenn ein Pfarreimitglied den 75. Geburtstag erreicht hat. Wir in Zähringen kommen von da an zu den runden Geburtstagen und jedes Jahr zu Weihnachten. Wir sind 21 Frauen zwischen 62 und 80 Jahren. Es kommt schon vor, dass eine von uns zu einem Menschen kommt, der noch jünger ist, sich aber älter fühlt. Im Bereich des Dekanats Freiburg gibt es zudem Helferinnen und Helfer, die in verschiedenen Abteilungen der Universitätsklinik Kranke besuchen und ihnen bei Erledigungen helfen. Weitere sind in vergleichbarer Weise in Pflegeheimen engagiert.
BZ: Was motiviert Sie persönlich?
Vögtle: Ich erlebe, wie wichtig der Dienst für die Einzelnen ist. Wir stoßen auf Menschen, die kaum aus dem Haus gehen, die keine Angehörige und keine Freunde um sich haben und die oft sehr einsam sind. Es gibt Fälle, da sind wir sogar die einzigen Bezugspersonen.
BZ: Was könnten denn neue Angebote sein, um das Ziel, die Teilhabe im Alter zu erleichtern, zu erreichen?
Vögtle: Möglich ist, dass eine Helferin oder ein Helfer über die regulären Besuche hinaus vorbeikommt und aus der Zeitung oder dem Pfarrblatt vorliest, jemanden ins Theater oder ins Kino, zu Festen oder auch bei Ausflügen begleitet. Viele Menschen haben mit solchen Aktivitäten schon abgeschlossen, aufgrund einer Behinderung oder einer Krankheit oder einfach nur wegen ihrem Altsein.
BZ: Gibt es denn genug Engagierte, die noch mehr und noch größere Aufgaben als bisher ehrenamtlich übernehmen?
Vögtle: Das ist eine wichtige Frage. Es gibt örtliche Gruppen, die sehr um Nachwuchs ringen, andere wiederum haben den Anschluss an die jüngere Generation geschafft. Sich darüber auszutauschen, ist ebenfalls einer unserer Inhalte am Seminartag. Wir wollen die örtlichen Konferenzen motivieren, sich stärker zu öffnen, gegenüber anderen Gruppen in der Gemeinde, vor allem gegenüber Gruppen, in denen jüngere Menschen engagiert sind.
BZ: Dann geht es Ihnen auch darum, neue Engagierte zu finden?
Vögtle: Ja, wobei das Geben und Nehmen eng zusammenhängen. Ich spüre das selbst. Viel von dem, was ich einbringe, bekomme ich wieder zurück. Ich habe auch schon erlebt, dass Menschen über die Mitarbeit bei einer Caritaskonferenz oder über eine andere ehrenamtliche Tätigkeit aus ihrer Einsamkeit raus gekommen sind. Auch das ist ein Aspekt von Teilhabe im Alter.
Autor: sf
