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24. Juni 2011
Ohne Druck tut sich nur wenig
Kleinkindbetreuung entwickelt sich gut im Landkreis, doch für die älteren Kinder werden zu wenig Plätze angeboten.
LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Bei der Betreuung der unter Dreijährigen geht’s gut voran. Doch beim Ausbau von Ganztagsplätzen für Kindergarten- und Schulkinder ist der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald nach wie vor sehr langsam. Diese Erkenntnis ist nicht neu, beim Bericht zum aktuellen Stand kürzlich im Jugendhilfeausschuss hat sie sich nun wieder einmal bestätigt.
Keine Aussicht auf Änderung? Zumindest sind die Aussichten nicht allzu rosig. Denn nur bei den Kindern unter drei Jahren kommt Druck von oben: Bundesweit muss bis zum 1. August 2013 für mehr als ein Drittel aller Kleinkinder ein Betreuungsplatz bereit stehen. Bei den etwas älteren Kindern aber fehlt dieser Druck. Darum geht der Ausbau der Plätze für Kleinkinder im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zügig voran, bei der Ganztagsbetreuung für Kindergarten- und Schulkinder aber tut sich wenig – ganz egal, wie sehr sie gebraucht wird.Auch beim Angebot von Betreuungsplätzen für Kinder mit Behinderung besteht viel Nachholbedarf. Trotzdem hebt die Verwaltung in ihrem jährlichen Bericht stolz die Erfolge bei der Betreuung der unter Dreijährigen hervor: Ende Dezember 2010 lag die Betreuungsquote bei 26,8 Prozent, im Vorjahr erst bei 23,4 Prozent.
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Der für Baden-Württemberg angestrebte Wert von 34 Prozent werde bis 2013 vermutlich sogar überschritten. Bis dahin müssen aber noch 419 zusätzliche Plätze geschaffen werden. Davon seien 193 im Laufe dieses Jahres geplant. Allerdings ist klar: Auch wenn das gesetzlich vorgeschriebene Ziel erreicht wird, kann der tatsächliche Bedarf noch höher liegen. Eine Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts in München geht davon aus, dass für 39 Prozent aller Kleinkinder bundesweit Betreuungsplätze gebraucht werden.
Im Vergleich aller Landkreise in Baden-Württemberg steht der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald derzeit gut da: Nach den Landkreisen Tübingen und Konstanz liegt er auf dem dritten Platz. Allerdings gibt es auch im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald nach wie vor drei Gemeinden – von insgesamt 50 – , die noch gar keine Plätze für unter Dreijährige anbieten: Eltern weichen dort auf Nachbargemeinden aus.
Deutlich schlechter sieht die Situation überall für ältere Kinder aus, und bei der Betreuung von Kindern mit Behinderung tut sich insgesamt noch fast gar nichts. Nur zwölf Gemeinden gaben bei einer erstmals durchgeführten Befragung an, Kinder mit Behinderung in irgendeiner Form zu berücksichtigen. Sechs Mal bezog sich das nur auf die Schaffung von Barrierefreiheit, fünf Mal auf Plätze für Kinder mit Behinderung in integrativen Gruppen, drei mal auf Kooperationen mit Sondereinrichtungen.
Auch bei den Plätzen für Ganztagsschulen gehört der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald zu den Landkreisen mit schlechter Ausstattung, lautet die Bilanz des Berichts.
Das sei beschämend, kritisiert die grüne Kreisrätin Barbara Schweier. Sie hebt eine Rückmeldung des Jobcenters hervor, das wegen der Mängel in der Betreuung für Schulkinder arbeitslose Eltern nicht in den Arbeitsmarkt vermitteln kann. Ebenso beschämend sei es, dass es keine Regelung für Schließtage an Kindergärten gebe: "Das ist doch leistbar, zum Beispiel mit Ferienbetreuung".
Die Kindergärten in den einzelnen Kreisgemeinden sind höchst unterschiedlich lang geschlossen. In Staufen müssen Kita-Kinder nur an vier Tagen im Jahr daheim bleiben, in Titisee-Neustadt sind es 38. Der Mittelwert liegt bei 25,3 Schließtagen. Die SPD-Kreisrätin Ellen Brinkmann schließt sich der Kritik ihrer grünen Kollegin an und hofft: "Die neue Landesregierung wird nun die richtigen Schwerpunkte setzen."
Der freie Wähler Franz-Josef Winterhalter bezweifelt, "ob genug Geld da ist". Der FDP-Kreisrat Werner Haerdle plädiert dafür, statt auf einheitliche Quoten auf den jeweiligen Bedarf vor Ort zu schauen.
Der CDU-Kreisrat Josef Waldvogel lobt die "sehr bedarfsgerechte" Betreuung durch Tageselternvereine. "Wir tragen Verantwortung vom Kleinkind bis zum Studium", mahnt der SPD-Kreisrat Reiner Zimmermann. Angesichts von "zunehmendem Prekariat und Wohlstandsverwahrlosung", sagt er weiter, würden die Folgen des Sparens für den Landkreis irgendwann sehr teuer.
Autor: Anja Bochtler
