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17. April 2010

Ort für die gemeinsame Geschichte

An der Rheinbrücke zwischen Hartheim und Fessenheim soll ein historisches Dokumentationszentrum entstehen.

  1. Wo die Brücke bei Fessenheim den Rhein überspannt, soll der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart geschlagen werden. Foto: Franz Dannecker

  2. Platz für ein historisches Dokumentationszentrum: Auffahrt zur Rheinbrücke Foto: Franz Dannecker

  3. Maurice Zimmerle Foto: Franz Dannecker

HARTHEIM/FESSENHEIM. Der grenzüberschreitende Zweckverband "Mittelhardt-Oberrhein", Ende der neunziger Jahre gegründet, hat in seiner kurzen Geschichte schon viel bewegt. So geht der Bau der Rheinbrücke zwischen Hartheim und Fessenheim, ein einmaliges grenzüberschreitendes Projekt, auf das Konto dieses Zweckverbandes. Jetzt haben die in diesem Verband zusammeneschlossenen französischen und deutschen Gemeinden wieder einen großen Plan: An eben dieser Brücke, die den Namen des ehemaligen Hartheimer Bürgermeisters Erich Dilger trägt, soll ein historisches Dokumentations- und Forschungszentrum entstehen, das die Geschichte der Menschen im Rheingraben umfassend nachzeichnet.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Idee für dieses völkerverbindende Vorhaben einer Aufarbeitung und Darstellung der gemeinsamen Geschichte geboren wurde, doch schon sind die Weichen für die Realisierung gestellt. Der Zweckverband hat bei seiner jüngsten Sitzung die ersten Beschlüsse gefasst, und Maurice Zimmerle, 60, ehemaliger Bürgermeister von Neu-Breisach, ehemaliger Direktor des lokalen Zweckverbandes Fessenheim und geistiger Vater des Dokumentations-Vorhabens, hat als ehrenamtlicher Projektleiter bereits seine Arbeit aufgenommen.

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Noch fehlt dem historischen Projekt die konkrete Festlegung, noch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt – es darf in alle Richtungen gedacht werden. Es gebe bisher nichts über die gemeinsame Geschichte der Menschen, die diesseits und jenseits des Flusses im Rheingraben lebten, sagt Maurice Zimmerle, dieser Mangel solle behoben werden. Die Sache soll, so Zimmerle, alle Epochen und möglichst viele Lebensbereiche umfassen, also "ganz breit aufgestellt" sein – und einem hohen Anspruch genügen. Der Begriff Museum sei nicht ganz treffend, deshalb gibt Zimmerle dem Projekt vorerst den Namen "Centre de Documentation et du Ressource".

Angesiedelt werden soll dieses Zentrum an der Rheinbrücke zwischen Hartheim und Fessenheim, wobei die bauliche Gestaltung noch völlig offen ist. Wahrscheinlich wird das Zentrum auf beiden Seiten des Rheins einen Standpunkt haben, denkbar ist, dass die Brücke überdacht wird.

Über die inhaltliche Ausrichtung des Dokumentationszentrums wird sich in den kommenden Wochen und Monaten eine Arbeitsgruppe Gedanken machen, in welcher der Sachverstand von acht Fachleuten versammelt ist. Mit von der Partie ist auch der Geschichtsverein Badische Heimat, an dessen Spitze der ehemalige Regierungspräsident Sven von Ungern-Sternberg steht.

Die Finanzierung ist schon weitgehend gesichert

Den Sachverstand der Fachleute gibt es gratis, doch ohne finanzielle Mittel lässt sich ein solch großes Vorhaben wie das Dokumentations- und Forschungszentrum natürlich nicht verwirklichen. Die Anfangskosten kann der Zweckverband aus der eigenen Schatulle beisteuern. 18 000 Euro haben die Zweckverbandsmitglieder für die Planung zunächst genehmigt.

Mit denen wird man auch nicht allzu weit kommen. Doch da im Zweckverband erfahrene Kommunalpolitiker sitzen, haben sie sich natürlich schon Gedanken über eine realistische Finanzierung gemacht.

Einmal soll über einen Antrag auf Interreg-Gelder – schließlich handelt es sich ja um ein grenzüberschreitendes Projekt – die Kasse der Europäischen Union angezapft werden. Eine zweite Quelle hat man in Straßburg ausgemacht.

Dort hat die von dem ehemaligen Minister Andre Bord geführte "Fondation Entente Franco-Allemand" (Fefa) ihren Sitz, eine ursprünglich für die Entschädigung von im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen zwangseingezogenen Franzosen ins Leben gerufene Stiftung. Diese Stiftung hat neben der Entschädigung eine zweite, in die Zukunft gerichtete Aufgabe, nämlich die Entwicklung der deutsch-französischen Zusammenarbeit. In dieses Aufgabenfeld passt das historische Projekt des Zweckverbandes Mittelhardt-Oberrhein ausgezeichnet – und die Stiftung verfügt auch über die nötigen Geldmittel.

Andre Bord und seine Stiftung, in deren Freundeskreis so bekannte Leute wie Lothar Späth, Roland Mack und Frieder Burda sitzen, haben bereits ihre Absicht bekundet, die Schirmherrschaft für das Geschichts- und Dokumentationszentrum zu übernehmen. Um die Kooperation zu institutionalisieren, erhält Harald Kraus, im Hauptberuf Bürgermeister von Eschbach und seit kurzem Präsident des Zweckverbandes Mittelhardt-Hochrhein, Sitz und Stimme bei der Fefa. Einen entsprechenden Beschluss hat die Zweckverbandsversammlung bereits gefasst.

Nachdem die erforderlichen Beschlüsse gefasst sind, sind jetzt die Geschichtsspezialisten an Zuge. Die Arbeitsgruppe hat vergangene Woche bereits einmal getagt und erste Vorstellungen entwickelt. Um das Vorhaben beidseits des Rheins in die politische Landschaft einzubetten, hat Maurice Zimmerle Kontakt mit dem elsässischen Generalrat und dem Regionalrat aufgenommen; auch mit Dorothea Störr-Ritter, Landrätin des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, steht demnächst ein Termin an.

Bereits Ende Mai soll das Konzept für das Geschichts- und Dokumentationszentrum in großen Umrissen stehen. Dann können Nägel mit Köpfen gemacht werden.

DER ZWECKVERBAND

Mittelhardt-Oberrhein wurde am 3. Juli 1998 auf der Grundlage des "Karlsruher Abkommens" als erster grenzüberschreitender Verband überhaupt ins Leben gerufen. Mitglieder sind auf französischer Seite der Disrict "Essor du Rhin" mit den Mitgliedsgemeinden Blodelsheim, Fessenheim, Hirtzfelden, Munchhouse, Roggenhouse, Rumersheim-leHaut, Rustenhart und Balgau, auf deutscher Seite die Gemeinden Hartheim, Bad Krozingen, Eschbach, Staufen sowie der Gewerbepark Breisgau, in dem wiederum ein Dutzend weiterer Gemeinden und Gebietskörperschaften, darunter auch die Stadt Freiburg und der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, vertreten sind. Der Zweckverband, dessen Sitz Fessenheim ist und für den französisches Recht gilt, soll laut Kooperationsvereinbarung eine grenzüberschreitende kommunale Zusammenarbeit fördern zum Beispiel in den Bereichen grenzüberschreitendes Planungsleitbild, Vernetzung und Betrieb gemeinsamer Freizeit- und Tourismuseinrichtungen, Entwicklung der Zweisprachigkeit, gegenseitige Hilfeleistungen, Zusammenarbeit von Vereinen, alle "sonstigen Maßnahmen", die direkt oder indirekt die Beziehungen zwischen den Verbandsmitgliedern in allen Bereichen fördern und entwickeln. Zum Präsidenten des Zweckverbandes wurde vor wenigen Wochen der Eschbacher Bürgermeister Harald Kraus gewählt.  

Autor: dan

Autor: Franz Dannecker