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25. November 2011
Panzerknacker im Pech
Viel kriminelle Energie, aber kaum Beute / Gestern umfangreiches Verfahren gegen Bande eröffnet.
FREIBURG / MERZHAUSEN / EHRENKIRCHEN / MARCH / GOTTENHEIM BÖTZINGEN. Werden fünf der sechs zwischen 24 und 42 Jahre alten Angeklagten, die sich seit gestern vor dem Landgericht in Freiburg zu verantworten haben, als die Panzerknacker aus dem Breisgau in die hiesige Kriminalgeschichte eingehen? Die Taten, die ihnen zur Last gelegt werden, lassen das vermuten. So sollen sie Anfang 2011 eine Bande gebildet haben, die Geldautomaten in Bankfilialen knacken, Tresore in Geschäften stehlen, Raubüberfälle begehen und Autos klauen wollte.
"Das ist eine Menge Arbeit, die uns bevorsteht", merkte Wolfgang Schmidt-Weihrich, Vorsitzender Richter der Zweiten Großen Strafkammer, gestern nach Verlesung der zwölf Punkte umfassenden Anklage an. Was sich anhört, wie der Inhalt eines Drehbuchs für einen zwischen Köndringen, Lörrach und Freiburg spielenden Tatortfilm, hat sich tatsächlich zwischen dem 18. Januar und dem 29. März dieses Jahres in der Region zugetragen.In der Nacht zum 19. Januar wurde eine Metzgerei in Merzhausen zum Tatort. Vier der sechs Angeklagten sollen mit von der Partie gewesen sein. Zuerst brachen sie in das Geschäft ein, bekamen dann aber die Tür zum Büro nicht auf. Also fuhren sie nach Bötzingen und holten dort schweres Werkzeug. Nachdem die Bürotür endlich nachgegeben hatte, fanden sie in Kasseneinschüben 800 Euro Wechselgeld. Als an der Wand verschraubt entpuppte sich der Tresor.
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Weiteres Werkzeug musste aus Bötzingen geholt werden, um ihn aus der Wand zu brechen. Um vier Uhr morgens wuchteten die Täter den 300 Kilogramm schweren Stahlschrank in einen Transporter und versteckten ihn später bei Ebringen. Tags darauf transportierten sie ihn nach Köndringen, wo er endlich geöffnet werden konnte. Lohn der schweißtreibenden Arbeit: Zwischen 4000 und 8000 Euro. Das Geld sollen die Täter am selben Tag in einer Spielhalle in Freiburg verzockt haben.
Am 2. Februar sollte ein Geldautomat in Bötzingen aufgebrochen werden. Drei Stunden mühten sich die Panzerknacker mit Brecheisen vergeblich ab, bevor sie flüchteten. Nunmehr suchten sie nach anderen Aufbruchstechniken. Im Internet stießen sie auf die Idee der Sprengung von Geldautomaten mit Hilfe von Gas. In der Nacht zum 7. Februar übten sie in den Weinbergen von Bötzingen und sprengten einen alten Tresor.
Die Premiere in der Nacht darauf in March-Hugstetten ging daneben. Das in den Geldautomaten eingeleitete Gas ließ sich nicht zünden
Das Pech blieb den verhinderten Panzerknackern treu. Nach der Panne wollten sie es noch in derselben Nacht mit althergebrachter Gewalt versuchen. In Gottenheim sollte ein Geldautomat mittels eines Spanngurtes und der Kraft eines Autos aus dem Vorraum einer Bankfiliale gezogen werden. Kaum hatte sich der Automat von der Wand gelöst, erkundigte sich ein Hausbewohner durch laute Rufe nach der Ursache des Krachs. Die Täter bekamen es mit der Angst zu tun und flüchteten ohne den Automaten. Da die Geldautomaten zäher als gedacht waren, entschieden sich die Täter zu einem Raubüberfall. Am 4. März sollen zwei der Angeklagten mit Pfefferspray einen Lebensmittelmarkt in Merzhausen überfallen haben. Einer der zwei bedrohten Angestellten konnte jedoch die Bürotür von innen verriegeln. Die Täter mussten unverrichteter Dinge abziehen. Bei einem zweiten Überfall am 10. März in Schliengen wurden nur 200 Euro erbeutet.
Das Pech blieb ihnen treu, obwohl sie am 29. März 2011 einen Geldautomaten in Ehrenkirchen erfolgreich sprengen konnten. Seine Geldscheine wirbelten durch die Luft und die Täter mussten sie nur noch einsammeln. Immerhin kamen 22 990 Euro zusammen. Der Sachschaden betrug 27 000 Euro. Ihr Pech nur, dass die Polizei, schon auf ihren Spuren, sie wenige Stunden danach während der Durchsuchungen ihrer Wohnungen festnahm. Drei Männer sitzen seither in Untersuchungshaft.
Mitangeklagt sind auch noch drei Trickdiebstähle von Autos. Sie waren auf Probefahrten entwendet worden.
Einer der mutmaßlichen Panzerknacker soll bei der Polizei schon umfangreiche Angaben zu den Taten gemacht haben. Da er und einer seiner mutmaßlichen Mittäter Drogenprobleme hatten, wird nun seitens ihrer Verteidiger und des Gerichts überlegt, sie von einem Sachverständigen bezüglich ihrer Schuldfähigkeit ärztlich begutachten werden sollen.
Vorher wollen diese Angeklagten nichts zu den Vorwürfen sagen. Angedeutet wurde jedoch, dass sie später Geständnisse ablegen werden. Der Prozess, in dem 43 Zeugen geladen sind, von denen bereits fünf abgesagt haben, dürfte sich deshalb bis in den Januar oder Februar 2012 fortsetzen. Das Verfahren gegen den ältesten Angeklagten, der auf freiem Fuß ist, wurde gestern vom Gericht vom laufenden Verfahren abgetrennt. Gegen ihn wird gesondert verhandelt werden.
Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt werden.
Autor: Peter Sliwka
