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19. Januar 2010
Selbstbewusst die Zukunft gestalten
Landfrauen beeindrucken mit ihrem großen ehrenamtlichen Engagement / Rund 500 Teilnehmerinnen beim Landfrauentag
BÖTZINGEN. Frauen haben einen anderen Blickwinkel als Männer, doch dringt dieser erst allmählich auch in die Vorstandsetagen vor. Hätte durch mehr Frauenpower in wichtigen Kontrollgremien die Wirtschaftskrise vermieden werden können, fragte Luise Blattmann, Vorsitzende der Landfrauen im Bezirk Freiburg, auf dem Bezirksland-frauentag am Samstag in Bötzingen.
Das Treffen sollte den (Land)Frauen Mut machen, sich und ihre Fähigkeiten zu entfalten und Herausforderungen anzunehmen. "Lust auf Zukunft" heißt denn auch das Motto des Südbadischen Landfrauenverbands für die nächsten zwei Jahre. Im Bezirk Freiburg, der einen Großteil des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald umfasst, zählt er 29 Ortsvereine mit zusammen etwa 2700 Mitgliedern. Fast ein Fünftel davon kam am Samstag in die damit voll besetzte Bötzinger Festhalle.Zwischen den rund 500 Besucherinnen saßen einige wenige Männer, zumeist Ehrengäste aus Politik und Verwaltung. Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger würdigte das ehrenamtliche Engagement der Landfrauen, mit dem sie die dörflichen Gemeinschaften bereicherten. Hinzu komme ihr Bildungsauftrag. "Gäbe es die Landfrauen noch nicht, so müsste man sie erfinden", sagte Schneckenburger.
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Gut 190 Vorträge, Kurse, Führungen und ähnliche Angebote haben die Ortsvereine im Bezirk Freiburg im Jahr 2008 in Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Sozialwerk ihres Dachverbands veranstaltet. Sie erreichten damit rund 12000 Teilnehmer, berichtete Blattmann. Stark zugenommen habe das Angebot für Kinder und mit Kindern. Darüber hinaus leisteten die Landfrauen mehr als 6000 Stunden gemeinnützige, ehrenamtliche Arbeit. Viele weitere Einsätze seien aus Bescheidenheit nicht gemeldet worden, war die Bezirksvorsitzende überzeugt. Sie dankte den Frauen für ihr großes Engagement, auch am Landfrauentag auf der Baden-Messe.
"Wir wollen ihnen", so Blattmann, "mit der heutigen Veranstaltung Mut machen, ihre ansteckende und überzeugende Begeisterung für die Landfrauenarbeit weiterhin erfolgreich in Taten umzusetzen".
Die Trainerin für Personal- und Unternehmensentwicklung aus Vogtsburg-Oberrotweil sprach zum Thema "Frauen und Freiräume". Mit viel Temperament ermutigte sie ihre Zuhörerinnen, auf die eigene Weitsicht und das intuitive Denken zu vertrauen. Inzwischen sei bekannt, dass Zielstrebigkeit (laut Trautwein eine typisch männliche Kompetenz) allein nicht weiterbringe.
Männliche und weibliche Fähigkeiten müssten miteinander verknüpft werden, sagte sie. Auch im Alltag, denn damit sich Frauen Freiräume schaffen können, müssten sie zielorientiert handeln. "Wir Frauen neigen dazu, eher erst die anderen Dinge zu sehen als die eigenen Bedürfnisse", so Trautwein.
Die Trainerin gab den Zuhörerinnen Tipps, was sie in Zukunft anders machen können, denn das Lustprinzip sei das zweite wichtige Lebensprinzip der Menschen. Mit Spaß an der Sache leisteten sie bis zu 150 Prozent mehr, betonte Trautwein.
Was passiert, wenn Frauen auf dem Land ihre eigene Bildungsoffensive starten, zeigten Anita Hirschle und Monika Scherle als Sketch auf der Bühne. Selbstbewusst spielten die beiden Landfrauen aus Munzingen mit den Klischees über ihren Verband und machten als "Theres und Ingrid" zwischen Hühnermist und Sunndigspumps (elegante Sonntagsschuhe) auch gleich Werbung für das Seminarprogramm.
Der Bötzinger Landfrauenverein mit Antonia Möcklin an der Spitze bewirtete mit Kuchen, Kaffee und Laugengebäck. Der Frauenchor "Miss-Tones" aus Vogtsburg unter Leitung von Anne Höveler brachte sogar das Publikum zum Singen.
Die bei solchen Veranstaltungen üblichen Grußworte vermieden die Landfrauen, indem Elsbeth Trautwein die Ehrengäste für ein kurzes Interview auf die Bühne holte, darunter Staatsekretär Gundolf Fleischer, die Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich und Christoph Bayer, Landwirtschaftsdirektor Hubert Hugger (Regierungspräsidium Freiburg) sowie den neuen Leiter der Landwirtschaftsabteilung im Landratsamt August Daiber. Dessen Vorgänger Herbert Schell bekam zum Abschied einen Präsentkorb.
Brigitta Klemmer, Geschäftsführerin des Landfrauenverbands Südbaden, nannte die Mitgliederwerbung und das Gestalten der Zukunft im ländlichen Raum als Ziele. Zudem hat sich der Verband die Verbraucheraufklärung auf die Fahne geschrieben. Dazu gehöre die Ernährungsbildung in den Schulen, sagte Klemmer.
Autor: Barbara Schmidt


