Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. September 2016

Spannung im S-Bahn-Bieterwettstreit

Nach dem Zuschlag für die DB auf der Ost-West-Achse stehen nun die Vergabe des Fahrbetriebs für die beiden anderen Netzteile an.

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Die erste Weiche für die Umsetzung der Breisgau-S-Bahn 2020 ist gestellt. Das Land hat der DB Regio den Zuschlag für den Fahrbetrieb auf der Ost-West-Ache zwischen Breisach/Endingen und Villingen gegeben. Damit steigt auch die Spannung, wer den Fahrbetrieb auf den beiden anderen Netzteilen übernehmen wird, auf der Rheintalbahn sowie auf den "Freiburger Y" genannten Strecken im Elztal, im Münstertal und auf der Kaiserstuhlbahn West und Nord.

Noch bis Ende dieser Woche läuft die zehntägige Einspruchsfrist zur Entscheidung des Landes für den Fahrbetrieb im 9a genanten Streckenbereich zugunsten der Regionalverkehrstochter der Deutschen Bahn. "Den Sekt können sie schon kaltstellen, aber noch nicht öffnen", so Volker Heepen, Geschäftsführer der Nahverkehrsgesellschaft des Landes, süffisant zum gegenwärtigen Stand. Erst wenn also keine Einsprüche von Mitbietern eingehen, die ein Nachprüfungsverfahren erzwingen könnten, kann sich die Bahn als Sieger fühlen und konkret die Bestellung und den Einsatz der neuen Züge planen.

Werbung


Wo es Sieger gibt, muss es auch Verlierer geben. Um den Fahrbetrieb auf der Ost-West-Achse hatte sich auch die SWEG beworben. Die landeseigene Verkehrsgesellschaft hat eines mit der bundeseigenen Deutschen Bahn gemeinsam: Beide Unternehmen fahren heute schon auf einem Teil der Strecke – die Deutsche Bahn im Osten, die SWEG im Westen. Die DB fährt auf der elektrifizierten Höllentalbahn und Dreiseenbahn sowie, in Fortsetzung nach Osten, auf der nur mit Dieselloks befahrbaren Strecke bis Donaueschingen sowie nach Villingen. Die SWEG bedient die Bahnlinie zwischen Freiburg und Breisach über ihr Tochterunternehmen Breisgau-S-Bahn (BSB), außerdem die Kaiserstuhlbahn-Ost zwischen Gottenheim und Endingen. Diese Strecke gehört der SWEG auch selbst, während die Breisacher Bahn Eigentum der DB ist. Bis Juni 1997 fuhr die DB dort noch selbst mit alten Zügen, dann trat die neu gegründete BSB, als Tochter der SWEG und der Freiburger Verkehr AG, an, als sie den Zuschlag für den Fahrbetrieb bekommen hatte. Ab Dezember 2019 könnte sich der Spieß umdrehen. Bis dahin sollen auch die Strecken im Westen von Freiburg sowie von Neustadt bis Villingen elektrifiziert sein und aus einer Hand bedient werden. So wollte es die Ausschreibung des Landes, und so hat nun die DB den Zuschlag bekommen.

Was bedeutet das nun für die SWEG? In der Lahrer Zentrale gibt man sich zurückhaltend. Eine Stellungnahme zu der Vergabeentscheidung des Landes wolle man derzeit nicht abgeben, da ja das Verfahren noch laufe, sagte ein Sprecher. Auch ob die SWEG formell eine Nachprüfung beantragen werde, ließ er offen.

Offen ist auch, was mit den weiteren Streckenteilen des künftigen S-Bahnnetzes geschehen wird. Alles soll elektrifiziert werden, im Münstertal ist der Anfang schon gemacht. Und dort fährt die SWEG mit neuen Zügen. Doch wird sie dies auch ab Dezember 2019 noch tun? Die Münstertalbahn zwischen Münstertal und Bad Krozingen, mit zeitweiser Durchbindung bis Freiburg, ist Teil des zweiten Streckenbündels der künftigen S-Bahnnetzes, des so genannten Freiburger Y. Es umfasst außerdem die Elztalbahn von Freiburg über Denzlingen nach Elzach, die 2002 von der DB an die BSB fiel. Der dritte Ast des Ypsilons ist die SWEG-eigene Kaiserstuhlbahn West/Nord zwischen Breisach und Endingen, mit Verlängerung bis Riegel-Malterdingen. Das Vergabeverfahren darüber, wer künftig auf diesen Strecken fährt, soll nach Angaben von NVBW-Geschäftsführer Heepen im Frühjahr entschieden werden. Auch hier sind DB und SWEG unter den Bietern.

Das Land will niedrigere Preise pro Zugkilometer

Ebenfalls am Laufen ist das Vergabeverfahren auf der Rheintalbahn, dem Netz Nummer 4, also eine Stammstrecke der Deutschen Bahn, der neben der Hauptlinie Offenburg-Basel auch der Seitenast von Müllheim nach Neuenburg angehört. Hier ist schon alles elektrifiziert. Der neue S-Bahn-Verkehr hier soll erst zum Juni 2020 starten, ein halbes Jahr nach den beiden anderen Netzteilen 9a und 9b.

Maßgebend für die Vergabe sind der Preis, den das Land für die Fahrleistungen entrichten soll. Wie das Land mitteilte, wird dieser Preis im Streckennetz 9a von bisher 11,69 auf nur noch gut 8 Euro pro gefahrenen Zugkilometer sinken. Wie es auf den beiden anderen Netzen aussieht, in denen das Vergabeverfahren noch läuft, ist noch unter Verschluss. Prinzipiell wäre es aber möglich, dass ein anderer Bieter als die DB die Nase vorne hat, auch wenn er anderes Rollmaterial zum Einsatz bringen sollte. Bekannt ist nur, das die SWEG bisher mit elektrisch betriebenen Talent 2-Zügen des Herstellers Bombardier im Münstertal fährt. Die DB hingegen hat sich für das Netz 9a auf Coradia-Züge des Herstellers Alstom festgelegt. Klar ist aber auch: wenn ein Bieter mit einheitlichem Rollmaterial alle drei Netzteile bedient, kann er flexibler und wirtschaftlicher seinen Fuhrpark einsetzen.

Eine, auch im Wortsinne, andere Baustelle ist das Streckennetz selbst. Hier ist jetzt auch eine Entscheidung gefallen. Das Regierungspräsidium hat den Planfeststellungsbeschluss für die Elektrifizierung auf der Kaiserstuhlbahn Ost zwischen Gottenheim und Bahlingen erlassen. Bauherr ist dort die SWEG – auf einer Strecke, auf der ab Ende 2020 dann Züge der DB rollen sollen.

Autor: Manfred Frietsch