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08. Mai 2009
Strampelhöschen und Markenpullis
Seit zehn Jahren bietet der Verein "SOS werdende Mütter" seine Hilfe an / Kleiderstuben in Schallstadt, Neuenburg und Breisach
SCHALLSTADT-WOLFENWEILER. Im Türrahmen hängt eine bunte Babyschaukel. Sie ist nicht mehr ganz neu, aber ein Kind würde sich wohl darin fühlen. Die Kleiderstube von "SOS werdende Mütter e. V." in Schallstadt nimmt nichts, was kaputt ist oder allzu lange auf dem Speicher lag. Seit zehn Jahren finden Schwangere oder Familien in Not hier Babykleidung, Kinderwagen oder Spielzeug.
Das Sortiment der Kleiderstube stammt aus Spenden. Es liegt, sorgfältig sortiert und ordentlich gefaltet, in Pappkartons. Meldet sich eine werdende Mutter bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Kleiderstube, vereinbaren sie mit ihr einen Termin. Sie wollen der Mutter nicht nur materielle Hilfe anbieten. "Wir legen viel Wert auf das Bekleiden mit k und das Begleiten mit g", sagt die Vereinsvorsitzende Brigitte Gutgsell.Die Frauen oder manchmal auch ganze Familien kommen in die Kleiderstube, um sich günstig mit Strampelanzügen, Schuhen oder Stofftieren einzudecken. Dabei erzählen sie dann von ihren Problemen. Die Helferin erfährt, warum das Geld bei der Familie knapp ist oder was sonst den Alltag belastet. "Wir bieten dann Hilfe zur Selbsthilfe an", sagt Gutgsell, "das ist der rote Faden bei unserer Arbeit".
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Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen haben keinen Kurs absolviert. "Aber wir sind selbst Mütter", sagt Doriana Affolter und ihre Kollegin Irene Hoffmann fügt hinzu: "Bei uns steht der praktische Aspekt im Vordergrund." Sie bauen auf ihre eigenen Erfahrungen und geben Ratschläge sozusagen von Mutter zu Mutter. Dass solche Tipps hilfreich sein können, haben den engagierten Frauen schon viele Besucherinnen bestätigt.
Manchmal werden sie allerdings mit Nöten konfrontiert, die professionelle Hilfe erfordern. Für solche Fälle habe sich der Verein mit der Diakonie, der Caritas und fünf Dutzend anderen Beratungsstellen vernetzt, sagt Gutgsell. Die Frau des Pfaffenweilermer Altbürgermeisters Fritz Gutgsell ist seit 15 Jahren bei "SOS werdende Mütter". Der mildtätige Verein ist die deutsche Sektion des gleichnamigen Vereins in der Schweiz.
Der deutsche Ableger geht auf die früher in Hausen lebende Veronique Hartwein zurück, die Mitte der 90er Jahre nach Neuenburg umgezogen ist und dort eine Kleiderstube eröffnete. Hartweins Privatinitiative mündete im Juni 1999 in den Verein "SOS werdende Mütter". Sie hätten damals vorgehabt, landkreisweit Kleiderstuben einzurichten, erinnert Gutgsell und gibt zu: "Diese Flausen sind uns inzwischen vergangen". Es sei schwierig, genügend ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Sie seien daher schon zufrieden, wenn sie ihre drei bestehenden Kleiderstuben in Schallstadt, Neuenburg und Breisach gut organisiert bekämen, so Gutgsell.
Wer hier einkaufen will, muss nicht un-bedingt Hartz-IV-Empfänger sein. Ihnen müsse niemand einen Berechtigungsschein vorlegen, sagt Doriana Affolter. Es gibt auch keine festen Preise. "Die Leute geben für die Sachen einfach das, was sie können", so Affolter weiter. "Viele wollen aber keine Almosen, sondern sie wollen etwas geben", sagt Irene Hoffmann.
Von dem Geld zahle der Verein seine Miete, die Infoblätter und die Handyrechnungen. Jede Kleiderstube hat eine Telefonnummer, das Notfallhandy von Brigitte Gutgsell ist sogar Tag und Nacht eingeschaltet. Vergangenes Jahr haben in der Kleiderstube Schallstadt rund 60 Mütter und Väter eingekauft. Sie bekamen von Umstandsmode über Wickeltische bis hin zu Markenpullis für Zwölfjährige alles. "Es könnten auch noch mehr kommen", sagt Hoffmann mit Blick auf die gut gefüllten Regale, "aber dafür sind wir wohl noch zu wenig bekannt".
Die Kleiderstube Schallstadt, Steingasse 13, veranstaltet am Samstag, 9. Mai, 12 bis 17 Uhr einen Tag der offenen Tür. Kinder können malen, basteln oder sich schminken lassen; es wird bewirtet. Bereits um 11 Uhr findet eine Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen des Vereins statt. Wer den Verein "SOS werdende Mütter" unterstützen möchte, kann Mitglied werden oder spenden auf das Konto Nummer 9464827 bei der Sparkasse Staufen-Breisach, Bankleitzahl 68052328. Kontakt zur Kleiderstube in Schallstadt unter Telefon 0160/5520293.
Autor: Barbara Schmidt
