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24. Januar 2012
"Technik ist nicht alles, Musik muss einen berühren"
BZ-INTERVIEW mit Thomas Oertel, dem Leiter des Regionalwettbewerbs "Jugend musiziert".
FREIBURG. Wochenlang haben sie sich vorbereitet, am Wochenende wird es ernst: Mehr als 300 Jugendliche werden sich beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" einer Jury stellen. Yvonne Weik sprach mit Thomas Oertel, dem Leiter des Wettbewerbs in Freiburg, über Musiktalente, die Ziele des Wettbewerbs und sinkende Teilnehmerzahlen.
BZ: "Jugend musiziert" hat jahrelang geboomt, wieso gehen jetzt die Teilnehmerzahlen zurück?
Thomas Oertel: Auch wir merken zunehmend die schulische Belastung. Es gab in diesem Jahr einige Abmeldungen aus diesem Grund. Vor allem die Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren haben nicht mehr so viel Zeit zu üben. Wir haben aber Glück, wir liegen mit 14 Prozent Rückgang unter dem Landesdurchschnitt. In manchen Regionalbereichen waren es bis zu 50 Prozent. Wir werden die Entwicklung genau beobachten
BZ: Trotz des Rückgangs haben sich mehr als 300 Nachwuchsmusiker angemeldet.
Oertel: Die, die mitmachen, sind sehr stark mit ihrem Instrument verbunden. Manchen Teilnehmern fällt die Schule auch leicht, andere legen ihren Fokus auf die Musik, weil sie es als berufliches Ziel sehen.
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Oertel: Die musikalische Jugend zu fördern, ist mir ein wichtiges Anliegen. Das breite musikalische Spektrum beeindruckt mich immer wieder, aber auch individuelle Darbietungen. Manche Musiker hat man mit jungen Jahren bei ihrem ersten Wettbewerb gehört und trifft sie später wieder, wenn sie beruflich Fuß gefasst haben und auf den Konzertbühnen Europas unterwegs sind. Es ist spannend, diese Entwicklung zu beobachten.
BZ: Jeder Auftritt wird von einer Jury bewertet. Auf was achten die Juroren?
Oertel: Sie achten immer auf die gesamte Darbietung, weniger auf Details. Ob der eine oder andere Lauf mal nicht kommt, ist nicht immer entscheidend. Es geht um die Botschaft, die Kinder und Jugendliche mit ihrer Musik senden.
BZ: Was heißt das genau?
Oertel: Das beginnt schon damit, wie man sich vor der Jury hinstellt. Wenn sich jemand hinter seinem Notenständer versteckt, dann traut er sich nicht wirklich. Er kann noch so gut spielen, es kommt nicht richtig rüber.
BZ: Das heißt, der musikalische Ausdruck ist wichtiger als perfekte Technik?
Oertel: Manchmal ist jemand erfolgreicher, obwohl er einen Patzer gemacht hatte, weil einfach sein Ausdruck so überzeugend war. Für manche Eltern und Kinder ist das schwierig nachzuvollziehen. Technik ist wichtig, aber nicht alles. Musik muss einen berühren.
BZ: Trotzdem will jeder perfekt spielen, um die Jury zu überzeugen.
Oertel: Natürlich wollen alle einen ersten Preis bekommen, das ist klar. Das ist die Motivation. Für mich ist der Wettbewerb das Ende eines Weges, und diesen Weg zu gehen ist das Wichtigste. Alle, die sich vorbereiten, entwickeln sich so weiter – musikalisch und persönlich.
BZ: Haben Sie einen Tipp für Zuhörer? Was darf man nicht verpassen?
Oertel: Eigentlich müsste man versuchen, alles mitzubekommen. Es gibt eine große Vielfalt an Musik, von der Blockflöte über die Kammermusik bis hin zu solistischen Darbietungen. Außerdem kann man viele Talente aus der Region hören, die bereits einen Landes- oder Bundespreis gewonnen haben.
"Jugend musiziert"
Der Regionalwettbewerb für Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen findet statt am kommenden Wochenende, 28. und 29. Januar, ab 9 Uhr (Musikhochschule, Schwarzwaldstraße 141, Freiburg). Mehr als 300 Kinder und Jugendliche treten in sechs Kategorien an: Musical, Blas- und Zupfinstrumente (Solobereich) und in der Ensemblewertung in den Besetzungen Klavier und Streichinstrument, Duo Kunstlied, Klavier vierhändig und "Besondere Ensembles". Der Wettbewerb ist öffentlich, Besucher zahlen keinen Eintritt. Der Regionalwettbewerbe ist die erste von drei Stufen. Am Ende steht der große Bundeswettbewerb mit etwa 2000 Teilnehmern. Ausführliche Programme gibt es im Sekretariat der Musikschule Freiburg, Uhlandstraße 4, und an den Wettbewerbstagen am Infostand in der Musikhochschule. Die Wertungsergebnisse werden am Ende der jeweiligen Altersgruppe einer Kategorie bekannt gegeben. Außerdem sind die Ergebnisse auch im Internet nachzulesen auf http://www.jumu-freiburg.de.
Autor: BZ
Autor: ywe


