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16. April 2015

Weiterhin aktiv, kritisch und wachsam sein

Interessengemeinschaft gegen Lärm und Umweltbelastungen (IGEL) rüstet sich für neue Offenlage / Vorstandsteam verstärkt .

  1. IGEL will weiterhin auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Foto: Steckmeister

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Fast ein wenig still ist es geworden um den Verein, der sich seit über einem Jahrzehnt für den menschen- wie naturverträglichen Ausbau des dritten und vierten Gleises der Rheintalbahn starkmacht. Dass es sich dabei jedoch nur um eine Art Ruhe vor dem Sturm handelt, machten die IGEL, die Interessengemeinschaft gegen Lärm und Umweltbelastung, auf ihrer 10. Mitgliederversammlung in Freiburg-Hochdorf deutlich. Um die Vorstandsarbeit besser zu verteilen, wurde dieser um zwei Posten erweitert.

Rund 40 Vereinsmitglieder der insgesamt neun Kommunen beziehungsweise Stadtteile umfassenden, über 4000 Mitglieder starken Interessengemeinschaft sowie Marchs neuer Bürgermeister Helmut Mursa waren gekommen. Zunächst ließ IGEL-Vorsitzender Johannes Baumgärtner das Jahr 2014 Revue passieren. Dieses war vor allem von organisatorischen Aufgaben sowie der Vernetzung mit anderen nationalen wie internationalen Bahnlärmaktivisten geprägt gewesen. Anfang 2015 waren IGEL-Vertreter zum internationalen Bahnlärmkongress nach Boppard gereist, denn, betonte Baumgärtner, "Bahnlärm betrifft ganz Europa". Auf nationaler Ebene, fuhr Baumgärtner fort, stünde auch weiter die Modernisierung "unserer Museumsbahn" ganz oben auf der Agenda der unterschiedlichen Bürgerinitiativen. Leisere Bremsen, anderes Radmaterial und "Schienenkonditionierung" lauten hier die Stichworte.

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Abwarten heißt es hingegen derzeit, was die Ausbaupläne der Deutschen Bahn für die Bauabschnitte 8.1 (Riegel-March) und 8.2 (Freiburg-Schallstadt) anbelangt. Aufgrund der massiven Einsprüche von Bürgern und Bürgerinitiativen gegen die Ursprungsplanungen der Bahn, werden Planfeststellungsunterlagen derzeit neu erstellt. Frühestens im Herbst rechnet die IGEL mit der Offenlage der modifizierten Pläne. "50 000 Einsprüche allein im Raum Freiburg", blickte Vorstandsmitglied Gerlinde Schrempp auf die Protestwelle zurück. Sie unterstrich eine Kernforderung der Bürgerinitiativen, die Gleise "so tief wie möglich" zu legen. Schrempp äußerte auch Zweifel daran, dass die Offenlage überhaupt im Herbst dieses Jahres erfolgen würde, zumal die Bahn AG den Chefplaner des Großprojektes erst kürzlich zum zweiten Mal ausgetauscht habe. Deswegen wäre auch ein für Mitte April geplantes Treffen zwischen Bahn und Bürgerinitiative kurzfristig abgesagt worden, ergänzte Baumgärtner. Die Freiburger Stadträtin gab ebenfalls zu bedenken, dass bei den Planungen zum Ausbau der Kaiserstuhlbahn die mögliche Trasse der Bahn AG nicht berücksichtigt würde. "Hier könnten Tatsachen geschaffen werden, die unseren Forderungen entgegen stehen", forderte Schrempp zur Wachsamkeit auf.

Protestschreiben an die Stadt Freiburg

Harsche Kritik äußerte sie an der Verteilung der ersten Ausgleichszahlungen der Bahn in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro an die Stadt Freiburg. Nahe am geplanten Gleisbauwerk lägen die Stadtteile Hochdorf, Lehen, Landwasser und Rieselfeld. Die Gelder seien aber in Projekte in anderen Stadtteilen, wie beispielsweise der Wiehre, geflossen. "Die Bahnausgleichsgelder werden nicht dort eingesetzt, wo die Betroffenheiten entstehen", monierte die Stadträtin von "Freiburg Lebenswert". Einstimmig verabschiedete daraufhin die Mitgliederversammlung den Antrag, ein entsprechendes Protestschreiben an die Stadt Freiburg zu verfassen, in welchem dazu aufgefordert wird, künftige Zahlungen dort einzusetzen, wo Bürger und Umwelt vom Gleisausbau betroffen sind.

"Wir wollen uns das Leben nicht durch metallische Kolosse vermiesen lassen", sagte Johannes Baumgärtner. Zum einen gelte es auch weiterhin, Bürger, Gemeinderäte und Bürgermeister zu aktivieren, damit "sie mit uns gegen den Bahnlärm marschieren", so der IGEL-Vorsitzende. "Wir haben es geschafft, man nimmt uns ernst, IGEL ist überall." Allerdings würde man wohl mindestens noch zehn Jahre weiter wachsam, kritisch und aktiv bleiben müssen. Vor der Planoffenlage würde es in jedem Falle eine Großkundgebung geben, kündigte Baumgärtner an.

Aufmerksam auf IGEL werden demnächst neue Tafeln im bewährten gelb-schwarzen IGEL-Look machen, die im IGEL-Land aufgestellt werden sollen. Mittels aufgebrachten QR-Code kann mit entsprechendem Gerät direkt auf die IGEL-Homepage zugegriffen werden.
Wahlen: Vorsitzender Johannes Baumgärtner, stellvertretender Vorsitzender Klaus Gumpp, weitere Vorstände Gerlinde Schrempp und neu Hans-Peter Bätzler und Ulrich Greschkowitz, Schriftführer Michael Keussen, Kassenwartin Petra Rieß. IGEL-Beirat: Georg Biener, Brigitte Kury (Reute), Werner Lenz (Vörstetten), Rolf Lorenz, Martin Schweizer (March), Uwe Graf (Umkirch), Andreas Fritschle, Manfred Scheffelt (Hochdorf), Dieter Dormeier, Adrian Zangar (Landwasser), Martin Gnädinger (Lehen), Helmut Mielitz (Rieselfeld), Teningen ist unbesetzt.

Autor: Julius Steckmeister