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02. Oktober 2009

WIE LEBT ES SICH HIER?: "Der Mensch muss wissen, dass er dazugehört"

BZ-SERIE über Migration: Fatima Nikfer aus Afghanistan

Fatima Nikfer ist im Jahr 2001 nach Deutschland gekommen. Die damalige Einreise der hochschwangeren Frau über den Iran zu ihrem bereits hier lebenden Mann wurde erst durch Vermittlung von Gernot Erler vom Außenministerium möglich. Die 29-jährige Afghanin ist verheiratet und hat inzwischen zwei Söhne, 6 und 8 Jahre alt. In ihrem Heimatland hat sie für die Weltgesundheitsorganisation WHO als Krankenschwester gearbeitet. Fatima Nikfer ist Muslimin und lebt mit ihrer Familie in Kirchzarten-Zarten.

Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Obwohl ich viele Verwandte in den USA, in Australien und im Iran habe, kam die Ausreise für mich unerwartet. Mein Mann durfte nicht mehr in Afghanistan leben. Er wurde politisch verfolgt und hat, weil er Deutschland bereits kannte, hier Asyl bekommen. Also bin ich ihm nach Deutschland gefolgt.

Fühlen Sie sich in Deutschland wohl?

Ja, wobei ich auch immer wieder Heimweh habe und mir um meine Eltern Sorgen mache. Aber durch meine Kinder habe ich in Kirchzarten viele andere Familien kennengelernt, und das ist sehr schön. Außerdem spreche ich jetzt gut Deutsch, früher war mein Mann mein Wörterbuch, er hat mir beim Zurechtfinden viel geholfen. Jetzt brauche ich ihn als Dolmetscher nicht mehr, denn ich habe meinen Hauptschulabschluss am Römerhof in Freiburg nachgeholt und kann mich selbst gut verständigen.

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Welche Enttäuschungen haben Sie erlebt?

Dass ich nach 8 Jahren in Deutschland, in denen ich mich gut integriert habe, eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis für nur 1 Jahr erhalte, finde ich nicht fair.

Haben Sie schon einmal überlegt, wieder zurückzugehen?

Überlegt schon, aber ich habe zwei Kinder und Afghanistan ist kein sicheres Land. Also kann ich nicht zurückgehen. Ich hoffe, dass in mein Land der Frieden zurückkehrt und dann werde ich vielleicht mit meinem Mann zurückgehen.

Was mögen Sie an den Deutschen?

Ich habe zwei Jahre einen Zwillingskinderwagen geschoben, und da haben mir ganz viele Menschen, wenn ich in den Bus oder in den Zug gestiegen bin, ihre Hilfe angeboten. Diese Hilfsbereitschaft werde ich nicht vergessen.

Welches deutsche Gericht essen Sie besonders gern?

Kartoffelsalat.

Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich fahre mit den Kindern Fahrrad. Außerdem sind wir oft in der Stadtbibliothek in Freiburg. Wir leihen uns Bücher und andere Medien aus und bleiben auch länger einfach dort. Und es gibt da noch einen Verein "Kinder brauchen uns, e.V." Dort werden zum Beispiel schwer verletzte afghanische Kinder nach Deutschland geholt und behandelt. Ich engagiere mich in dem Verein und berate unter anderem Pflegefamilien.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Weil ich gerade eine Qualifizierung zum Alltagsbegleiter für Demenzkranke mache, habe ich zuletzt ein Fachbuch von Martin Weidenfelder gelesen: Demenz – Mit dem Vergessen leben.

Was sind für Sie wichtige Werte?

Den Kindern eine gute Erziehung und Zukunft bieten, ist mir ganz wichtig. Außerdem sehe ich Gesundheit als Reichtum, für den ich dankbar bin. Letztendlich möchte ich zufrieden sein.

Worauf sind Sie in Ihrem Leben stolz?

Ich habe gemerkt, dass ich schnell Kontakt zu anderen Menschen aufbauen kann. Ich habe eine freundliche Persönlichkeit und deshalb mögen mich viele Menschen.

Wo möchten Sie alt werden?

In Afghanistan, denn dort werden alte Menschen respektiert und genießen hohes Ansehen. Manchmal umsorgt man sie fast wie Heilige.

Als Integrationsbeauftragte des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald würde ich...

… denen, die schon viele Jahre hier leben, eine sichere Perspektive und einen Aufenthaltstitel geben. Denn erst dann weiß der Mensch, dass er dazugehört.

Autor: bz