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26. November 2010
Wissenstransfer am offenen Kamin
Erfahrene Führungskräfte gaben auf Einladung der Struktur- und Wirtschaftsförderung des Kreises Existenzgründer zündende Tipps.
HEITERSHEIM/LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Unternehmer in der Start-up-Phase haben brennende Fragen. Bei einem prasselnden "Kamingespräch" in Heitersheim bot die Struktur- und Wirtschaftsförderung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald an, einige davon durch erfahrene Führungskräfte beantworten zu lassen. Aufgerufen hatte dazu die Bundesinitiative "Gründerland Deutschland".
Die Resonanz auf diesen neuen Weg des Wissenstransfers war groß, aber die Anmeldung auf 15 Teilnehmer begrenzt. Die Verantwortlichen Wirtschaftsförderer Lutz Dierks und Karsten Schalich legten eine Warteliste an und wollen das Kamingespräch als heißen Draht zu jenen fortsetzen, die wissen, wie es geht. Dazu gehörte diesmal der 69-jährige mittelständische Industrieunternehmer Gerhard Merkle aus Gottenheim und der 66-jährige ehemalige kaufmännische Geschäftsführer des Herz-Zentrums Bad Krozingen, Bernhard Grotz. Sie vermittelten die klassischen Werte mittelständischer Unternehmensphilosophie.Der gelernte Maschinenbautechniker Merkle hatte sich 1979 mit einem Konstruktionsbüro für Hydraulik und Pneumatik selbständig gemacht. In einer Doppelgarage begann er 1984 mit der eigenen Fertigung. Heute beschäftigt er 120 Mitarbeiter. Der gelernte Bankkaufmann Grotz war 20 Jahre im Vorstand der Volksbank Breisgau-Süd und wechselte dann in die Geschäftsführung des einstigen Reha-Zentrums mit 550 Mitarbeitern, das er in 23 Jahren zu einem Herz-Zentrum mit 1000 Mitarbeitern ausbaute.
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Eine langfristige Entwicklungsstrategie war für Merkle die Balance zwischen realistischen Zahlen, Visionen und einer vorausschauenden Personalplanung aus jüngeren und älteren Mitarbeitern. Grotz schwor darauf, sich auf die Kernaufgabe zu konzentrieren, den Bedarf zu eruieren, Markt und Möglichkeiten zu beobachten, die Chancen zu entdecken, sich auf finanzielle Ressourcen einzustellen und in Krisenzeiten auf kurzfristige Veränderungen rasch zu reagieren. Bei schwierigen Entscheidungen setzten beide auf die Übereinstimmung von Bauchgefühl und Verstand, auf Beratung und Besprechung in einem Kompetenzgremium.
Existenzielle Krisen hatten die Führungskräfte ebenfalls überstanden durch Vertrauen in das Projekt, hartnäckigen Kampfgeist und einen langen Atem, um auch mal Durststrecken zu überwinden. Gerade in solchen Zeiten kamen wesentliche Führungseigenschaften zum Tragen wie Vertrauen schaffen, Offenheit und Verlässlichkeit vermitteln, Orientierung geben sowie authentisch und kalkulierbar sein. Ein gutes Betriebsklima, so Grotz, steigere die Effizienz um bis zu 20 Prozent. Das bedeute, dem Mitarbeiter zuhören, ihn ernst nehmen, respektieren, anerkennen und sich für ihn interessieren. "Zufriedene Mitarbeiter sind belastbarer", bestätigte Merkle, der viele seiner Leute selbst ausgebildet hat. Für Grotz war es wichtig, dass sein Personal die Unternehmensphilosophie mittrug.
Unternehmer haben keine 30 Stunden-Woche und keine 30 Tage Urlaub. Deshalb sei ein Stress- und Zeitmanagement von großer Bedeutung, rieten die Führungskräfte. Das setze voraus: Gut sortiert und pünktlich sein, einen Zeitpuffer für Unvorhergesehenes einplanen und delegieren können. Zeitdiebe überliste man nur mit Disziplin, hieß es. Beginnen sollte man den Tag mit ein paar Dingen, die leichter geregelt werden, bevor man die "dicken Brocken" in Angriff nimmt. Die innere Haltung "Es geht auch ohne mich" mache die Nachfolgeregelung leichter, so Grotz. Wer Verantwortung für einen Betrieb trage, müsse auch für eine exzellente Stellvertreterregelung sorgen. Gerhard Merkle hat das mit Sohn, Tochter und Schwiegersohn in die Wege geleitet.
Die anwesenden Existenzgründer aus unterschiedlichsten Branchen von Dienstleistungen und Online-Marketing über verarbeitendes Gewerbe bis zu Wissenschaft und Technik interessierte jedoch vor allem, wie sie an das nötige Kapital kommen. Dazu rieten die Fachleute, sich an Regionalbanken zu wenden, ihr Produkt überzeugend vorzutragen, uneingeschränkt dahinter zu stehen und auch bereit zu sein, einen Teil des Risikos zu tragen. Das allerdings ist leichter gesagt als getan, wenn es noch keinen verlässlichen Kundenstamm gibt.
Autor: Sabine Model
