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13. November 2008 14:46 Uhr

Heftiger Streit in Ballrechten-Dottingen

Wütender Bauer sperrt Bettlerpfad

Weil Bauer Herbert Löffler und Ballrechten-Dottingens Bürgermeister Bernd Gassenschmidt in einem heftigen Streit liegen, stehen Wanderer auf dem Bettlerpfad vor einer Barriere. Löffler hat den Pfad gesperrt, weil der über sein Grundstück führt.

  1. Hier ist Schluss: Aus Verärgerung hat Herbert Löffler hier zwei Bäume umgesägt und so den beliebten „Bettlerpfad“ gesperrt. Foto: Sabine Model

Für ein "Friedensgespräch" zwischen den verhärteten Fronten hatte sich Torsten Friese aus dem niedersächsischen Gifhorn angeboten, ein Verbündeter von Löffler, der in seiner Heimat selbst schlagzeilenträchtige Kämpfe mit der Kommune ausgefochten hat. Doch die Gemeinde Ballrechten-Dottingen sei weder auf seine Vorschläge eingegangen, noch habe sie Alternativen aufgezeigt, so Friese. Im Gegenzug baute Friese die Schranke am Fußweg zum Castellturm mit einem Schweißgerät zur Barriere um.

"Privatgrundstück. Betreten verboten", ist dort jetzt zu lesen. In Rage brachten ihn auch aggressive Äußerungen von Dorfbewohnern. In der Zuspitzung des Streits ist angeblich sogar schon die Äußerung gefallen, man solle Herbert Löffler "an der Gerichtseiche aufknüpfen". "Wenn das noch einer sagt, komme ich mit der Motorsäge und mache Kleinholz aus dem Baum", prophezeit Friese.

Die Eiche steht noch, die Barriere auch. Inzwischen hat die Gemeinde für Herbert Löffler ein Zwangsgeld von 750 Euro festgesetzt, da er die Barriere nicht binnen der gesetzten Frist beseitigte. Löfflers Anwalt legte Widerspruch beim Verwaltungsgericht ein.

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Der Fußweg zur Castellberg-Ruine liege außerhalb bebauter Ortsteile im Naturschutzgebiet, werde landwirtschaftlich nicht genutzt und sei deshalb nach dem Naturschutzgesetz zu beurteilen, argumentiert die Gemeinde. Somit handle es sich bei dem Hindernis um eine rechtswidrige Sperre, die dem Erholungsinteresse der Bevölkerung entgegenstehe. Der Schwarzwaldverein habe den Weg überdies als Wanderweg ausgewiesen.

"Der ist jetzt fällig", beurteilt Bürgermeister Bernd Gassenschmidt die Situation. "Er kann niemals den Weg zum Turm zumachen. Der Weg ist öffentlich. Das muss er dulden." Die Gemeinde verfüge über Pläne aus dem Jahr 1872, in denen der Weg bereits eingezeichnet sei.  

"Ich habe einen Weg gesperrt, den es laut Plan gar nicht gibt"

Herbert Löffler sieht das anders. Ohne ihn zu fragen oder zu entschädigen, habe man seinerzeit einen Weg zum Turm und einen Rundweg um den Castellberg über seine Grundstücke geführt. Eine Dienstbarkeit im Grundbuch gebe es nicht. Im amtlichen Lageplan vom August 2006 sei der Turmweg auf seinem Flurstück mit der Nummer 1693 weiter westlich eingetragen, als er tatsächlich verlaufe. Insofern habe er einen Weg gesperrt, den es laut Plan gar nicht gebe, so Löffler. Jüngst hat Löffler den beliebten Bettlerpfad mit zwei gefällten Bäumen gesperrt und damit den Wanderern die Überquerung des  Grundstücks verwehrt, das er von seinem Bruder gepachtet hat. Der Weg ende laut Lageplan genau an der Grundstücksgrenze, so Löffler, und er sehe in der öffentlichen Nutzung privaten Geländes ein Haftpflichtproblem. 

  Alles, sagt Löffler, habe er bisher hingenommen: den zunehmend rücksichtslosen Freizeitlärm, Obst und Holz klauende Touristen, deren Fäkalien in seinem Acker und den Versuch des Bürgermeisters, ihn per amtsärztlicher Untersuchung aus dem Verkehr zu ziehen. Die gemäß Gerichtsbeschluss von der Gemeinde erlassene Benutzungsordnung für die Freizeitanlage habe nichts gebracht. Jetzt fordere er, den Castellberg zur autofreien Zone zu erklären und die beiden engen Zufahrtswege nur für Land- und Forstwirtschaft sowie für Anlieger zuzulassen. Ferner dürfe die Wanderhütte nicht mehr vermietet werden, die Toilettenanlage müsse täglich geöffnet sein und die Rutsche des Spielplatzes sei zwecks Schallschutz tiefer zu legen. Tolerabel sei für ihn nur das traditionelle Mai- und Herbstfest.

Die Versuche, mit Hilfe der Justiz zu seinem Recht zu kommen, hätten ihm nichts gebracht, erklärt Löffler. Jetzt setze er "Duftmarken", um die Behörden in Bewegung zu bringen. "Für 30 Jahre seelische Grausamkeit durch eine illegale Freizeitanlage werde ich Schadenersatz und Schmerzensgeld fordern. Ich weiß, dass die Aktionen primitiv sind. Aber ich reagiere auf dem Niveau, auf dem man mit mir umgeht."           

Autor: Sabine Model