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06. März 2009

Ärzte zunehmend verärgert

Viele Praxen im Kreisgebiet haben am 11. März geschlossen / Protest gegen Honorareinbußen.

KREIS EMMENDINGEN. Die offensichtlich weiterhin unübersichtliche Situation bei der Honorierung der niedergelassenen Ärzte führt nun auch im Landkreis zu Protestaktionen. Der Emmendinger Facharzt Dr. Marc Kuben, Kreisvorsitzender der Ärzteschaft, teilte mit, dass am 11. März viele Haus- und Facharztarztpraxen im Kreis geschlossen sein werden. Die Mediziner nehmen an einer Protestkundgebung teil.

"Das völlig überregulierte und zunehmend politisch gesteuerte System mit Kassenärztlicher Vereinigung und Sachleistungsprinzip wird wohl in zunehmendem Maße als nicht reformierbar empfunden": So beschreibt Kuben die derzeitige Stimmung bei seinen Kollegen. Der Kreisvorsitzende der Ärzteschaft kündigt an, dass am kommenden Mittwoch, 11. März, sämtliche Hausarztpraxen in Emmendingen und Teningen geschlossen sein werden. Nach seinen Informationen werden an diesem Tag auch Facharztpraxen schließen. Er nennt die Praxen Drs. Abdin/Schödl und Carl/Andreas (Urologen), Drs. Ritter/Kahl (Kardiologen), Dr. Hupert (Pulmonologe), Hr. Mpliatis und Drs. Braun/Zimmermann (Chirurgen), Dr. Neef und Dr. Michalski (Pädiater), Dr. Jung, Dr. Knisatschek und Dr. Teiwes (Nervenärzte), Dr. Veith, Dr. John, Dr. Schmid-Ulrich (Orthopäden), Drs. Richter/Hardung-Backes (Internisten), Dr. Grupp (Gynäkologin) Dr. Lickert (Dermatologe), Dr. Beyer (Augenärztin). Nicht teilnehmen werde "aus verständlichen organisatorischen Gründen" die Dialysepraxis Löffler/Friedrich/Funk.

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Kuben erläutert, er habe nicht von allen Kollegen Rückmeldungen erhalten.. Der Mediziner rechnet damit, dass sich 60 bis 70 Prozent aller Arztpraxen im Kreisgebiet an den Protesten beteiligen, bei Hausärzten liege die Quote sogar bei 80 Prozent. Ein Notdienst, der wie an Wochenenden über das DRK erreichbar sei, stehe zur Verfügung. Die Mediziner, die ihre Praxen nicht öffnen, werden an diesem Tag zu einer Kundgebung nach Stuttgart reisen, erläutert Kuben.

Selbst Mediziner haben mit den Abrechnungen ihre Probleme

Die komplizierte Situation, in der sich die Ärzte nach diversen Reformen befinden, ist für Laien nur ansatzweise nachvollziehbar – selbst die Mediziner verstehen laut Kuben ihre eigene Abrechnung kaum noch. Der Versuch einzelner Ärzte, ihren Kassenpatienten Vorkasse abzuverlangen, liege "nicht auf der Linie, die Berufsverbände empfohlen hätten", macht Kuben klar.

Die Recherche auf den Websites der Kassenärztlichen Vereinigung bringt zutage, dass die neuen Honorar-Regeln derzeit für Baden-Württemberg ausgesetzt sind, was Kuben bestätigt. "Ganz offenbar war man wirklich besorgt, dass es zu auffällig vielen Praxisinsolvenzen im Wahljahr kommen könnte", fügt er hinzu. Somit werde in Baden-Württemberg faktisch die alte Budgetierung fortgeführt: Jeder Arzt erhalte pro Patient je nach Altersklasse ein so genanntes Punktevolumen zur Behandlung zugebilligt. Alle Punkte, die dieses Budget überschritten, würden dann wieder stark abgestaffelt (um ca. 90 Prozent reduziert) vergütet. Laut Kuben will die Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg den Honorarverlust pro Arzt bei gleichem Arbeitsaufwand auf fünf Prozent begrenzen. Der Mediziner bezweifelt aber, dass es dabei bleibt. Die Absicht der Kassenärztlichen Vereinigung ändere nichts daran, dass in Baden-Württemberg rund 14 Millionen Euro weniger Honorare zur Verfügung stünden, so Kuben.

Autor: Frank Berno Timm