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21. Juli 2010 15:32 Uhr
"Big Daddies" – eine Band fürs Publikum
Bald ist der große Tag: Die "Big Daddies" treten mit ihren Idolen aus den sechziger und siebziger Jahren auf dem Openair in Emmendingen auf. Das Sextett um Schlagzeuger Peter Zutavern und Musiklehrer Harald Kniebühler ist eine gefragte Coverband in der Region
Der warme Sommerabend in Harald Kniebühlers Garten in Endingen lässt sich genießen. Der Sonnenschirm ist aufgespannt, etwas zu trinken steht auf dem Tisch und der Hund des Hauses hat seine Neugier, wer denn da gekommen ist, auch bald beruhigt. Allzu unbekannt dürften dem Wächter die meisten nicht sein: Peter Zutavern, Ortwin Lütje und Uli Dubronner trudeln nach und nach ein – damit sitzen vier der sechs "Big Daddies" am Tisch. Die Unterhaltung dreht sich nicht nur um die Band, sondern auch aktuelle Tendenzen im Popgeschäft.
Hausherr Harald Kniebühler, Nachkomme eines einstigen Bürgermeisters (nach dem ist sogar eine Straße im Kaiserstuhlstädtchen benannt), bezeichnet sich selbst als Musiklehrer und nicht als "Profimusiker". In der eigenen Schule unterrichtet er fast alles, was Tasten hat: Keyboards, Klavier, Akkordeon. Auch eine Hammondorgel steht in seinem Wohnzimmer. Bei den "Big Daddies" spielt er Keyboards und Orgel. Auch Uli Dubronner hat beruflich mit Musik zu tun – in einem Freiburger Musikhaus. Dubronner hat viel Musik gemacht, bei und mit Tony Marshall, Gustavo Weiß, der Kapelle Schwörer und Broadway gespielt. Er sagt von sich, offen für jegliche Musikrichtung zu sein. "Das zeichnet einen guten Musiker auch aus", kommentiert Harald Kniebühler. Gitarrist Dubronner hat große Vorbilder: Clapton und Santana.
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Schlagzeuger Peter Zutavern, im Hauptberuf Druckereibesitzer in Breisach, ist einer der Gründer der Band – deren Namen auf seine Söhne zurückgeht. Ursprünglich, erinnert er sich, habe er mit dem früheren Frontmann einfach nur Musik zum Spaß machen wollen, beide waren Beatles-Fans. Schnell merkten die Männer, dass es zu zweit keinen Wert hat, sie suchen Mitspieler. "1996 haben wir zum ersten Mal in der Druckerei musiziert", erinnert sich Zuvatern. Ortwin Lütje ist Frontmann und im Hauptberuf Hausmeister in einem Gymnasium. In den ursprünglichen Job als Heizungsinstallateur wolle er auf keinen Fall zurück, sagt er. Sein Gymnasium betreut Lütje seit 22 Jahren, Musik macht der Sänger seit seiner frühesten Jugend.
Heute, sagt Harald Kniebühler, haben die "Daddies" fünf Sänger in ihrer Mitte – alle mit unterschiedlichen Stimmen, aber durchaus in der Lage, auch einen Chorsatz zu singen. Die Gruppe versteht sich als Coverband und singt Musik aus den sechziger und siebziger Jahren. Die Stücke werden sorgfältig "abgehört" und aufgeschrieben – Noten, meint Harald Kniebühler, seien aber nur eine Anregung. Und die "Daddies" halten überhaupt nichts davon, sich das Leben mit Playbacks zu vereinfachen: Sie machen ausschließlich Livemusik, betonen sie. "Wir sind eine Band, die für das Publikum spielt", sagt Harald Kniebühler. Viele kennen die Songs und singen mit; tanzbar sollen sie auch sein. In ihre sechs bis zehn Konzerte im Jahr, einige davon "Stammtermine", kommen auch junge Leute – 25 bis 35 Jahre alt. Die vier Männer machen deutlich, dass sie den Begriff Coverband überhaupt nicht abwertend verstanden wissen wollen: Es gehe darum, eine Kultur zu erhalten, sagt Uli Dubronner.
Ein paar Mal sind die Sechs schon auf Kreuzfahrt gegangen, haben mit "Middle of the Road", den "Equals" ("Baby come back") und anderen gespielt. Die "Equals" nutzten die Anlage der "Daddies" – die Bands wurden Freunde.
Und wie denken sie über das aktuelle Popgeschäft, etwa die junge Kollegin Lena Meyer-Landrut, die in Oslo gewann? "Kein anderer", sagt Kniebühler, "hätte mit dem Grundmaterial so viel machen können". Für uns als Deutschland, ergänzt Dubronner, sei das positiv; der Eurovision Songcontest habe auch politische Effekte, weil Länder wie Lettland bekannter würden.
Die sechs Musiker wollen ihr "Geschäft" weiter betreiben, besondere Zukunftspläne hätten sie nicht. Am Sonntag spielen die "Big Daddies" bei "I EM MUSIC" im Vorprogramm von "Smokie", "Sweet" und "ELO II". "Das sind sie gewohnt, sagen die Musiker: Das Publikum aufwärmen, dann spielen die Stars, am Ende noch einmal sie. "Das ist, was wir immer machen", erklären die "Daddies" – aber dennoch ist dieses Konzert etwas Besonderes.
Autor: Frank Berno Timm
