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03. März 2009
Brüderlichkeit als musikalischer Brückenschlag
"The Brothers" im Emmendinger Schlosskeller: Fans erfreuen sich an angerockten Eigenkompositionen und Coversongs mit Pfiff.
EMMENDINGEN. Wer das Glück hat, Geschwister zu haben, kann ein Lied davon singen: Kaum ein Mensch kennt einen besser. Zwar mag es auch Nachteile haben, doch letztlich dürften Schwestern und Brüder zu den verlässlichsten und vertrauenswürdigsten Menschen gehören, denen wir begegnen. Dass das auch beim Musikmachen Vorteile hat, konnte das Publikum am Freitag im Schlosskeller bewundern: "The Brothers" machten einmal mehr Station. Coco und Tilo Buchholz, Thomas Klauer und Lorenz Buchholz boten vor vollem Haus ihr Programm aus vielen eigenen und wenigen Coverstücken. Das musikalische Niveau der vier war beeindruckend und reichte von "angerocktem" Singer-Songwriting bis hin zu witzigen, hervorragend arrangierten A-Cappella-Stücken. Dass der Kern der Band – Bassist Thomas Klauer ist der einzige "Nichtbruder" – sich musikalisch nie zusammenraufen musste, wurde mehr als deutlich.
Das Quartett (Coco Buchholz, Gitarre, Akkordeon; Tilo Buchholz, Schlagzeug, Thomas Klauer, Baß; Lorenz Buchholz, Gitarre & ein Ukulele-artiges Instrument) begann mit soliden Rock-Nummern. Singen können sie alle vier und wechselten sich mit dem Leadgesang ab. Bassist Klauer konzentrierte sich vermehrt auf sein Instrument, die anderen lieferten zum jeweiligen Solisten backing-vocals dazu.
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Die beiden Gitarristen spielten verstärkte Akustik-Instrumente, Klauer einen E-Bass. Im kleinen Keller war das ein gut überlegter und weithin einleuchtender Kompromiss. Schnelle wechselten mit langsamen Nummern ab, Liebe, Reise und Alltagsfragen waren Thema, das Programm war geschickt "gebaut", die Moderationen hatten Witz, der Kontakt zum Publikum (etliche Fans darunter) funktionierte. Auch die Anfangsjahre der Band kamen zu ihrem Recht: Tilo Buchholz holte für eine Nummer ("blue tigery") einen zur base-drum umgebauten Mülleimer hinter dem Bühnenvorhang hervor.
Übrigens: Wenn die Brüder "geklaute" Nummern spielten, dann taten sie es mit Witz: In "Sweet home alabama" wurde ein "Sweet home Oberbayern" eingebaut. Einer der Höhepunkte des ersten Sets war ebenfalls ein Coverstück: Die Originalband habe es nie live gesungen, scherzte Tilo Buchholz – und dann setzten die vier zu einer nahezu perfekten Wiedergabe der absolut zeitlosen "Bohemian rhapsody" an – eine der opulentesten und anspruchsvollsten Nummern, die "Queen" jemals zu bieten hatte (und in der die ganze klassische und romantische Musiktradition steckt). Hier fehlte, aber das lässt sich verschmerzen, der aufgedonnerte E-Gitarren-Klang á la Brian May, das ist halt mit einer Akustikgitarre nicht zu machen. Coco Lorenz kopierte Freddy Mercury übrigens nicht, sondern gab dem Leadgesang seine eigene Gestalt.
Nach der Pause ging es in ähnlicher Qualität weiter. Nicht übel das "Don’t let it be to late again”, auch a cappella, gab es nochmal. Schön, poetisch der Song um die Sehnsucht, treffend das Spottlied auf Zöllner Franz, der am liebsten die langhaarigen Musiker kontrollierte. Zu Recht viel Beifall und Begeisterung; unter den drei Zugaben sogar ein komplett deutschsprachiger Titel.
Eine Randbemerkung: Warum auch an diesem Abend im Schlosskeller vor und nach den "Brothers" Konserven gedudelt wurden, ist nicht recht nachvollziehbar. Das entwertet doch die Arbeit der Musiker. Ist der Genuss nicht größer, nachhaltiger, wenn nach dem letzten Ton erst einmal Stille einkehrt?
Autor: Frank Berno Timm
