Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. Januar 2009

Chance für Langzeitarbeitslose

Die Beschäftigungsgesellschaften Wabe und Elrec-Kombeg sehen sich nicht als Konkurrenz zu einheimischen Handwerksbetrieben.

KREIS EMMENDINGEN. Gemeinnützige GmbHs müssen ihren Kunden nur den halben Mehrwertsteuersatz berechnen. Im Landkreis gibt es zwei Beschäftigungsgesellschaften, auf die dies zutrifft: die Wabe gGmbH in Waldkirch und die Elrec-Kombeg gGmbH in Herbolzheim. Immer wieder ist deswegen Kritik zu hören, dass dies ein Vorteil im Konkurrenzkampf mit Handwerks- und Baufirmen sein könnte. Doch Wabe und Elrec-Kombeg weisen darauf hin, dass in ihrer Arbeit ganz andere Dinge als hohe Umsätze und Konkurrenz im Vordergrund stehen.

Zuständiger Wabe-Geschäftsführer in Waldkirch ist der dortige Sozialamtsleiter Martin Müller. "Solche Vorwürfe sind alte Kamellen", sagt er im Gespräch mit der BZ. Müller argumentiert, die Wabe sei nicht nur seit zwei Jahren in der Handwerksrolle eingetragen, sondern habe sich auch eine Umsatzbeschränkung von 90 000 Euro im Jahr auferlegt. Müller sieht Ausbildung und Qualifikation im Vordergrund der Wabe-Arbeit: Derzeit lernten zehn Bürokaufleute, zwei seiner Leute machten gerade die Ausbilderprüfung für weitere Berufe. Auch sogenannte Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) sieht Müller unproblematisch.

Werbung


Die Wabe hat sich eine Umsatzbeschränkung auferlegt

Die Wabe verfolge ein Fünf-Stufen-Konzept, an dessen Ende ein Arbeitsvertrag in einem Wirtschaftsunternehmen stehe. Dies durchliefen "60 bis 70 Leute im Jahr". Bei Kontrollen des Finanzamts habe Wabe nachweisen können, dass es um "Training on the job" gehe, erklärt Martin Müller. Die derzeit sehr niedrigen Arbeitslosenzahlen würden aber dazu führen, dass der Finanzplan seiner Firma, die immerhin 40 Leute fest und rund 200 in unterschiedlichen Maßnahmen beschäftige, ins "Wanken" gerate.

Hannes Zuther, Geschäftsführer von Elrec-Kombeg in Herbolzheim, argumentiert ganz ähnlich. Die Klientel seines Unternehmens seien Langzeitarbeitslose mit "multiplen Vermittlungshindernissen". Die Herbolzheimer sind für rund 400 Langzeitsarbeitslose zuständig.

Zuther zufolge müssten Beschäftigungsgesellschaften etwa die Hälfte ihres Gesamtvolumens auf dem freien Markt erwirtschaften. Es gehe darum, die langzeitarbeitslosen Menschen "nicht im luftleeren Raum" zu qualifizieren, sondern nah am Markt – also im Zulieferer- und Handwerkersektor.

Zuther: "Die Leute überzeugen, dass sie ein gutes Werk tun"

Wir Zuther erläutert, dass seine Malerabteilung – im Gegensatz zu einem herkömmlichen Malerbetrieb – eine durchschnittliche Wohnung nicht mit einem Meister und Gesellen, sondern mit vier Mitarbeitern renoviere. "Unsere Aufgabe ist es, die Leute davon überzeugen, dass sie ein gutes Werk tun", sagt er über das Verhältnis zu seinen Kunden. Er mache marktgerechte Angebote, betont Zuther, könne aber wegen des sehr hohen Personaldurchlaufs nur von Monat zu Monat planen und sich überhaupt nicht an Neubauten und Ausschreibungen beteiligen. Allein schon deswegen scheinen einer möglichen Konkurrenz mit Handwerksbetrieben deutliche Grenzen gesetzt. Außerdem, berichtet Zuther, sitze einer der Geschäftsführer der Handwerkerinnung im Beirat der Elrec-Kombec.

Kreishandwerksmeister Schubnell: "Nicht im Sinne des Erfinders"

Kreishandwerksmeister Martin Schubnell reagiert gespalten, wenn man ihn auf die mögliche Konkurrenz mit den gemeinnützigen GmbHs anspricht. Sie seien eine Chance für Leute, die Probleme hätten, in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen, erklärt Schubnell im BZ-Gespräch. Andererseits sei es schwierig, dass sich solche Firmen an Ausschreibungen beteiligten: "Das ist nicht im Sinne des Erfinders". Handwerker seien da nicht immer ganz glücklich, betont der Kreishandwerksmeister. 

Manfred Dages, Obermeister der Malerinnung und Chef des südbadischen Wirtschaftsausschusses, sagt ebenfalls, ihm wäre es "prinzipiell lieber", wenn Firmen wie Wabe und Elrec-Kombeg nicht existieren würden. Dages bestätigt allerdings auch die Aussagen von Wabe-Chef Müller, was die Umsatzbeschränkung der Waldkircher betrifft: "Ich finde das eine gute Lösung". Die Wabe hätte sich zusätzlich verpflichtet, keine Fassadenarbeiten und Gerüste auszuführen; auch auf Werbung und Anzeigen werde verzichtet. So genannte höherwertige Malerarbeiten – spezielle Putze, Wandbeschichtungen und ähnliches – blieben Dages und seinen Innungskollegen, die qualifiziert seien. 51 derartige Betriebe gibt es im Kreis Emmendingen.

Und dennoch scheint es Situationen zu geben, in denen gGmbHs und Handwerk gegeneinander konkurrieren. Ein bedeutender Auftrag, bestätigen mehrere Gesprächspartner unabhängig voneinander, ging vor Jahren an eine Lahrer Beschäftigungsgesellschaft. Das hat offensichtlich für großen Unmut gesorgt. Und Dages macht deutlich, dass es weitere Fälle gebe, nennt aber keine konkreten Zahlen. Beschäftigungsgesellschaften, sagt er, "schaffen überall kreuz und quer". Professionelle Maler dürften dann knifflige Arbeiten ausführen oder Probleme lösen: "Wenn sie etwas vermurkst haben, wird angerufen – warum nicht vorher?"

Landratsamt: Wichtiger Stellenwert für die Eingliederung

Die gGmbHs, sagt Landratsamts-Sprecher Ulrich Spitzmüller, beteiligten sich nicht an Ausschreibungen der Behörde. "Der Landkreis schätzt den Stellenwert der Beschäftigungsgesellschaft als weiterhin sehr wichtig ein", fährt er fort. Sie hätten dazu geführt, "dass in den vergangenen Jahren viele Menschen wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden konnten."

Durch gemeinsame Projekte zwischen der Arbeitsgemeinschaft von Arbeitsagentur/Sozialamt und den beiden Beschäftigungsgesellschaften hätten so genannte "arbeitsmarktferne Personen" wieder für den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden können. "Die Verbindungen der Beschäftigungsgesellschaften zur freien Wirtschaft führen immer wieder zu unmittelbaren Integrationen auf dem ersten Arbeitsmarkt, wenn eine Beschäftigungsmaßnahme beendet ist", betont Spitzmüller auf BZ-Anfrage.

Autor: Frank Berno Timm