Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

29. Mai 2009

"Das Leben bejahen"

BZ-INTERVIEW mit Sabine Weber aus Bleibach, der Komponistin des Musicals "Verlorener Sohn".

KREIS EMMENDINGEN. Die Sänger des christlichen Projektchors "Vaterherz" stammen aus der Region von Elzach bis Ettenheim. Am Pfingstsonntag hat im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus das Musical vom "Verlorenen Sohn" Premiere. Darin geht es um Vaterliebe und Bruderneid, um erwachsen werden und geliebt sein wollen. BZ-Redakteur Gerhard Walser sprach darüber mit der Komponistin Sabine Weber aus Gutach-Bleibach.

BZ: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, ein Musical nach biblischen Motiven zu schreiben und aufzuführen?

Sabine Weber: Musik ist, seit ich mit 13 Jahren eine Gitarre bekommen habe, ein wesentlicher Teil meines Lebens. Für mich sind Texte sehr wichtig, deshalb mag ich keine Lieder mit oberflächlichen, allgemein gültigen Worten. In meinen Kompositionen habe ich schon immer meine Erlebnisse verarbeitet und meine Gedanken auf den Punkt gebracht. Da der Glaube an den Gott der Bibel – ganz unabhängig von einer bestimmten Kirche – die Grundlage meines Lebens ist, fließt er natürlich auch in meine Musik ein. An Musicals im Vergleich zu einer CD mit aneinander gereihten einzelnen Liedern gefällt mir, dass man eine ganze Geschichte erzählen kann und die Lieder gesungenes Schauspiel sind.

Werbung

BZ: Worum geht es in Ihrem Stück?

Weber: Mich interessieren Lebensmomente, in denen Menschen an Scheidewegen stehen und sich grundlegend verändern. Deshalb passt die zugrunde gelegte Geschichte auch so gut. Gerade im Zeitalter von Patchwork-Familie, Trennung und Karrierewahn ist die Rolle der Väter äußerst schwierig geworden. Für mich gibt es kein besseres Beispiel als das Gleichnis vom "Verlorenen Sohn". Jesus erzählt von einem Vater, mit dem himmlischen Vater vor Augen, den er selbst von Angesicht kennt. Dieses Bild eines liebenden, vergebenden Vaters ist für mich ein wunderbares Vorbild für ein Vater-Herz. Auch der Bruderkonflikt, der die Auswirkungen von Neid und Konkurrenzdruck zeigt, ist sehr lebensnah.
BZ: Neben dem Gospelchor haben Sie auch noch einige Schauspieler und Musiker für die Aufführung engagiert.

Weber: Der Chor wurde eigens für das Musical gegründet. Einige kommen aus dem überkonfessionellen Liederkreis in Elzach, manche kenne ich aus meinen früheren Projekten und von diversen Kirchengemeinden. Da ich in Schauspiel nicht bewandert bin, habe ich den Diplom-Schauspieler und Regisseur Robert Linz engagiert. Er hat mein Textbuch überarbeitet, um es spielbar zu machen, die Schauspieler geformt und die Regie vorbereitet. Durch ihn kamen zwei professionelle Schauspieler dazu, Udo Linz als Vater und Falk Döhler als jüngerer Sohn. Die "Schauspiel-Neulinge" Fiona Grudszus und Lars Arnold, hatte ich schon beim Text schreiben vor Augen.
BZ: Sie versprechen ungewöhnliche Requisiten, farbenfrohe Kostüme, schöne Frauen und einen smarten Hauptdarsteller. Steht das nicht im Widerspruch zum religiös motivierten Thema?

Weber: Glaube bedeutet nicht automatisch Askese und Selbstverleugnung, sondern auch das Leben zu bejahen und zu genießen – natürlich alles im Rahmen der biblischen Gebote. Wer die Bibel liest, weiß, dass Christen auch nur Menschen sind. Außerdem muss ein Musical etwas für alle Sinne zu bieten haben und abendfüllende Unterhaltung bieten. Nur weil es ein Thema aus der Bibel ist, muss es nicht fade und tragisch sein.
BZ: Die Proben für das Musical begannen bereits vor knapp einem Jahr. War es schwer, die Spannung der Mitwirkenden so lange zu halten?

Weber: Bei den Chorproben seit Juni 2008 musste ich feststellen, dass meine Musik zwar sehr leicht hörbar ist, Chorsätze und Rhythmen es aber in sich haben und viele Stunden konzentrierten Übens benötigen. Die meisten der über 40 Mitwirkenden sind berufstätig und haben Kinder, daher war es äußerst schwierig, genügend gemeinsame Probentermine zu finden. Den "Superstars" dieser Welt sei gesagt, dass wirkliche Kunst harte, zähe Arbeit ist, die viel Kraft und Geduld erfordert und dass man Erfolg nicht in den Schoß gelegt bekommt. Der Premierentermin kommt jetzt genau richtig, denn wir haben den Punkt erreicht, an dem man das, was man geübt hat kann und für seine Mühe auch endlich einmal etwas Lorbeeren ernten möchte. Für mich selbst war es glaube ich am Schwersten, da ich schon seit zehn Jahren auf diesen Tag hoffe und seit vier Jahren konstant dafür arbeite. Erst am Pfingstsonntag auf der Denzlinger Bühne wird sich zeigen, ob mein Abenteuer "Musical" funktioniert und ob es reicht, Weber und nicht Webber zu heißen.

Info: Musicalprojekt "Vaterherz" am Sonntag, 31. Mai, 20 Uhr, im Kultur- und Bürgerhaus Denzlingen. Vorverkauf zu 12 und 16 Euro (Abendkasse 14 und 18 Euro) bei Schreibwaren Markstahler, Denzlingen, "Sunnewirbili" Elzach und Sparkasse Bleibach oder online unter http://www.halasmusic.de

Autor: wal