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15. November 2017 08:39 Uhr

Kaiserstuhl

33-Jähriger soll im größeren Stil Drogen verkauft haben

Marihuana, MDMA, Kokain und Waffen: Vor dem Landgericht Freiburg hat der Prozess gegen einen 33-Jährigen aus einer Kaiserstuhlgemeinde begonnen. Die Anklage umfasst 30 Punkte.

  1. Übers Darknet (Symbolbild) soll sich der Angeklagte insgesamt 23 Kilo Amphetamin besorgt haben. Foto: dpa

Wegen Drogenhandels im größeren Stil muss sich ein 33-jähriger Mann aus einer Gemeinde am Nördlichen Kaiserstuhl seit Dienstag vor der Dritten Großen Strafkammer des Landgerichts in Freiburg verantworten. Zum Auftakt des Prozesses unter der Leitung des Vorsitzenden Richters Arne Wiemann standen die Anklageschrift und die Befragung des Angeklagten im Mittelpunkt.

Von zwei Wachtmeistern begleitet und mit angelegten Handschellen, wie es vorgeschrieben ist, wird der schlanke Mann in verwaschenen Jeans mit weißem Kapuzenpullover aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Seit seiner Festnahme im April 2017 muss er dort ausharren. Sobald die Richter den Saal betreten, werden die Handschellen abgenommen. Die beiden Wachtmeister bleiben im Saal.

Die Formalien sind schnell abgehakt. Der Verteidiger, die Staatsanwältin und die psychologische Gutachterin vom Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen werden begrüßt. Dann muss der Angeklagte Fragen nach seinem Namen, Alter, Familienstand, Geburtstag und dem letzten Wohnort beantworten. Damit ist sichergestellt, dass der Richtige auf der Anklagebank sitzt.

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Die Verlesung der Anklageschrift durch die Staatsanwältin braucht einige Minuten. Sie umfasst insgesamt 30 Anklagepunkte, in denen es vorwiegend um den Erwerb und den Weiterverkauf von Drogen am Wohnort des Angeklagten geht. Es geht aber auch um Waffen, die anlässlich einer Hausdurchsuchung Ende April 2017 bei ihm gefunden worden sind. Darunter ein Schlagring, ein Wurfstern, ein Luftgewehr und eine ungeladene Schreckschusspistole. Da die Waffen im Haushalt des Angeklagten nur vier bis fünf Meter entfernt von unter anderem Marihuana, Tabletten mit MDMA-Wirkstoff und 1,2 Gramm Kokain entdeckt wurden, hat die Staatsanwaltschaft im 30. Anklagepunkt auf ein bewaffnetes Handeltreiben mit Drogen geschlossen. Ihm wird außerdem die Abgabe von 1,25 Kilo Marihuana zur Last gelegt und die Hege und Pflege von 20 Cannabispflanzen in seinem Wintergarten. Im September 2016 soll er aus ihren Blüten 500 Gramm Marihuana gewonnen und verkauft haben.

Drogen aus dem Darknet

Von Oktober 2015 bis März 2017 soll der Angeklagte bei einer holländischen Bank insgesamt 59 000 Euro in Bitcoins umgewandelt haben, um damit im inoffiziellen Teil des Internets, im sogenannten Darknet, die Lieferung von insgesamt 23 Kilogramm Amphetamingemisch zu bezahlen. Auch diese Drogen seien weiterverkauft worden.

Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft mag sich der 33-Jährige vorerst nicht äußern. Anlässlich seiner Begutachtung durch die Psychologin hatte er gesagt, er habe das Marihuana nur für den Eigenbedarf angebaut und aufbewahrt. Die Droge sei gut gegen seine Epilepsie. Was die Waffen angehe, so frage er sich, ob die Polizei wirklich glaube, dass er seine Marihuanapflanzen mit dem Werfen eines Wurfsterns verteidigen würde.

"Einfach ein normales Leben führen und arbeiten", antwortet der 33-Jährige am Ende seiner Befragung zu seinem Lebenslauf auf die Frage, was er sich für seine Zukunft wünsche. Hinzu kommt das Durchstehen einer stationären Drogentherapie.

Sohn einer drogensüchtigen Mutter

Ein normales Leben war dem 33-Jährigen seit seiner Geburt nicht vergönnt. Er ist das Kind einer drogensüchtigen Mutter, zu der er so gut wie keinen Kontakt hatte. Sein Vater hatte sich schon vor seiner Geburt von ihr getrennt. Er kam mit anderthalb Jahren in eine Pflegefamilie, in der er geschlagen wurde. Der Vater holte ihn dort heraus, was ihm eine Anzeige wegen Kindesentführung einbrachte. Eine zweite Pflegefamilie wurde gefunden. Dort war eine Tochter drogenabhängig. Keine gute Basis für das Pflegekind. Von dort ging es in ein Kinderheim, wo ihm der Abschluss der Hauptschule gelang. Eine handwerkliche Lehre absolvierte er insbesondere im praktischen Teil mit sehr gutem Erfolg. Er arbeitete auch vier Jahre in diesem Beruf. Da er jedoch selbst zum Drogenkonsument geworden war, führte Unzuverlässigkeit zur Kündigung.

Eine langjährige Beziehung zu einer Frau, mit der eine Tochter hat, zerbrach ebenfalls an seiner Drogenerkrankung. Sein Vater hatte ihn aufgenommen, doch selbst unter unerträglichen Schmerzen leidend, nahm er sich eines Tages das Leben. Der Sohn fand ihn tot in der Badewanne. Damit war die letzte Bezugsperson aus seinem Leben verschwunden. Freunde oder Bekannte hatte er von da an nur noch in der Drogenszene. Bis heute hat er noch nie eine Therapie versucht. In der Untersuchungshaft hat er die ersten Schritte für eine Drogentherapie bereits hinter sich gebracht.

Das Gericht hat drei Verhandlungstage anberaumt, ein Urteil könnte am 7. Dezember verkündet werden.

Autor: Peter Sliwka