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11. November 2008
"Du bist so ein liebes Ding "
Luise Lähnemann und Eckard Greiner gastieren mit Texten von Valentin/Karlstadt im Schlosskeller
EMMENDINGEN. Karl Valentin mit seiner Partnerin Liesl Karlstadt – das ist zeitlos. Die Art, wie sie die Wirklichkeit aufs Korn nahmen, durch die lupenreine, 1:1-Abbildung alltäglichen Unsinn und Impertinenz entblößten, hat Bestand. Zu guter Komik gehört auch, sich schon an Begriffen festzubeißen – etwa an der Frage, ob eine Treppe hinauf- oder hinunterführt. Eckard Greiner und Luise Lähnemann spielten am Freitag Szenen, Lieder und Texte der beiden im Schlosskeller – leider blieben einige Stühle leer.
Die beiden aus Berlin kommenden Künstler Luise Lähnemann und Eckard Greiner machen das bayerische Komödiantenpaar auf eine sehr virtuose Art wieder lebendig. Sie zeigen, dass die sprichwörtlich gewordene "Buchbinder-Wanninger"-Szenerie auch heute noch aktuell ist (vermutlich hätte Valentin noch Anrufbeantworter und ähnliche Kommunikationsverhinderer in seinen Sketch eingebaut). Wunderbar ist der "Streit mit schönen Worten": Da wirft sich ein Paar eine Liebeserklärung um die andere an den Kopf ("Du bist so ein liebes Ding . . .") – und schlägt dabei gereizte Töne an. So werden Liebesschmalz und Streit in einem Aufwasch demaskiert.
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Natürlich darf auch das absolut umständlich-verwurschtelnde Jackettanziehen nicht fehlen; auch nicht die Endlosschleife sinnloser Kommunikation zwischen einem Paar: Als das Gespräch zum vierten Mal an dieselbe Stelle kommt, heißt es denn auch, jetzt müsse man aufhören, weil sonst offenbar werde, dass man immer wieder dasselbe sage.
Lähnemann und Greiner beherrschen alles, was für einen hochklassigen Kleinkunstabend notwendig ist: Sie knüpfen mühelos Kontakt mit dem Publikum, sie spielen beide mehrere Instrumente und begleiten sich beim Singen einfach selber; sie sind denn auch , was Textsicherheit und andere handwerkliche Fertigkeiten (Luise Lähnemann: rasend schnelles Umziehen) angeht, über jeden Zweifel erhaben.
Karl Valentin war ein Wortwitz-Komiker höchster Güte. Auf der Frage, was die Mehrzahl des Wortes Semmelknödel sei, konnte er ohne Mühe eine ganze Szene aufbauen (geht man nach ihm, gehört ein Fugen-"n", also "Semmelnknödeln", hinein). Neben dem Buchbinder Wanninger fehlt auch der "Spritzbrunnenaufdreher" nicht. Die satirische Übersteigerung, dass ein heruntergefallener Aquarienfisch in der Isar ertränkt werden muss, damit er beim Sterben nicht leidet, fehlt ebenso wenig.
Bis auf geringfügige Ausnahmen (das chinesische Couplet reicht im Niveau nicht an die anderen Scherze heran) war es ein hochklassiger Abend und weit mehr als nur ein "Valentin-Remake". Ob sich, wie im Programmheft zu lesen war, heutige Comedians auf Valentin als Einflussgeber berufen können, ist eine andere Frage.
Autor: Frank Berno Timm
