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17. April 2010

Ein Weichensteller – beruflich, politisch und beim VdK

MENSCHEN IM KREIS: Der frühere Bahnbeamte und Kommunalpolitiker Adolf Nefzger hört als Kreisvorsitzender auf.

  1. Adolf Nefzger Foto: Frank Berno Timm

Denzlingen. Seit 1998 war der frühere CDU-Gemeinde- und -Kreisrat Adolf Nefzger Vorsitzender des Sozialverbands VdK im Kreis Emmendingen. In der Hauptversammlung am 24. April wird der frühere Bahnbeamte aus privaten Gründen nicht mehr kandidieren. Im BZ-Gespräch zieht der 77-jährige eine zumeist positive Bilanz.

Das Telefon klingelt, als der BZ-Reporter an der Haustür läutet. Adolf Nefzger, ein hochgewachsener Mittsiebziger, bittet herein. "Ist es ein langes Gespräch?" fragt er ins Telefon, notiert sich eine Faxnummer und schickt ohne Umschweife ein paar Papiere ans Landratsamt. Nefzger hat ins Wohnzimmer seines Hauses gebeten; der Raum wirkt auf den ersten Blick fast etwas nüchtern. Ein mehrbändiges DB-Kursbuch fällt ins Auge, ein paar Puppen sind neben dem Sofa drapiert – hier sammelt jemand.

Nefzger lässt dem kurzen Gruß am Eingang eine warmherziges Willkommen folgen. "Das Kursbuch mit Goldschnitt haben mir meine Kinder zum Geburtstag geschenkt", erzählt der "Bähnler" – es sei das letzte seiner Art gewesen. Seit 17 Jahren ist er im Ruhestand, diesen oder jenen Eisenbahner kennt er heute noch.

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Seine Arbeit bei der Bahn – lange Zeit im Denzlinger Bahnhof – war offenkundig auch ein Schlüssel für den Weg in den Sozialverband VdK. Nefzger erzählt von einer Kanada-Reise, von Versammlungen, die folgten. Die Frage, ob er nicht Vorsitzender des VdK-Ortsverbands werden wolle, ließ nicht allzu lang auf sich warten. "Dann habe ich mich bangen Herzens entschlossen, mich wählen zu lassen", erinnert er sich.

Bis vor zwei Jahren blieb er in diesem Amt. Viel habe sich in der jüngsten Vergangenheit getan: 1993 habe es in Denzlingen einen einzigen Behindertenparkplatz gegeben, heute seien es über 50. Nefzger setzte sich für den behindertengerechten Aus- und Umbau von Schulen ein – das Waldkircher Berufsschulzentrum und die Gewerbeschule in Emmendingen profitierten davon. "Es geht nicht nur um die Schüler, sondern auch um die, die dort arbeiten", sagt er.

Die Abkürzung VdK bedeutet Verband der Kriegsbeschädigten. Im Kreisgebiet, sagt Nefzger, leben davon heute noch 650 (die Hinterbliebenen mit eingerechnet). Insgesamt hat der VdK – Tendenz steigend – kreisweit knapp über 4700 Mitglieder. Denn Menschen mit Behinderungen könnten ebenfalls Mitglied werden. Es gebe viele Arten von Einschränkungen, die man gar nicht sehen könne. "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden", so sein Grundsatz.

Was hat ihn am Engagement im VdK gereizt? Dass er "nicht nein sagen kann", ist sicher nur ein Grund gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Er wolle am richtigen Platz wirken, sagt Nefzger. Er schätzt das Erfolgsgefühl und lobt die Mitmenschlichkeit im Verband. Dort seien Menschen, die sich gegenseitig helfen wollten, niemand müsse mehr "etwas werden".

Der frühere Kommunalpolitiker zitiert Zahlen mühelos: Der Ortsverband Wyhl – ein Beispiel von vielen – wuchs in seiner Zeit von 26 auf 189 Mitglieder, der Kreisverband von 2600 auf 4708. Nefzger wertet dies auch als "Seismograph für die Verunsicherung der Menschen", die mit der Vielfalt der Informationen, aber auch "mit der Sesselfurzerei in den Fernsehtalkshows" nicht mehr zurecht kämen.

Und gab es in 17 Jahren VdK-Engagement Ärger? Zweifelsfragen habe er angesprochen und versucht, seine Auffassung durchzubekommen. "Man muss vernünftige Sachen fordern", laute seine Grundhaltung. Eine andere: Der VdK "steht für jeden offen", denn der Verband kümmere sich um "alle Angelegenheiten der sozialen Gesetzgebung".

Adolf Nefzger ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder, "alle in akademischen Berufen". Der 77-jährige zieht sich nun aus privaten Gründen aus dem VdK-Vorstand zurück. Das falle ihm durchaus schwer, sagt er. Beim Abschied begleitet er den Reporter zur Tür – Adolf Nefzger ist ein verbindlich-freundlicher und kenntnisreicher Gesprächspartner, der weiß, wovon er redet.





Autor: Frank Berno Timm