Eine Lanze für Familienzentren

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Do, 18. Oktober 2018

Kreis Emmendingen

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege im Landkreis will das Bewusstsein für Themen wie Gerechtigkeit und Armut schärfen.

KREIS EMMENDINGEN. "Armut bedroht nicht nur die, die zu kurz kommen. Armut bedroht letztlich die gesamte Gesellschaft", erklärt Rainer Leweling, der Vorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege im Landkreis Emmendingen. In einer Gesellschaft, in der die soziale Schere immer weiter auseinandergehe, müssten Themen wie Gerechtigkeit und Armut viel präsenter in der Diskussion sein als sie es momentan sind, so der Geschäftsführer des Caritasverbandes im Landkreis.

Drei konkrete Bereiche wollen die Vertreter der Wohlfahrtsverbände, die im Landkreis in der Liga zusammenarbeiten, im Rahmen der landesweiten Aktionswoche "Armut bedroht Alle" ins Bewusstsein rücken. Als wichtigen Baustein im Bereich der Bildung sehen sie die Familienzentren. Deren Existenz dürfe jedoch nicht auf eine zeitlich befristete Förderung angewiesen sein. Solche Projekte, ob Mehrgenerationenhäuser, sozialraumorientierte Zentren oder eigentliche Familienzentren, müssten durch eine dauerhafte Förderung verstetigt werden, forderte Meinhard Schamotzki, Geschäftsführer des Diakonischen Werks.

Als zu hoch werden die Hürden erachtet, die trotz der aktuellen und in vielen Bereichen begrüßten Gesetzesänderung im Bereich der Förderung von Langzeitarbeitslosen noch bleiben. Falsch sei, so die Ligavertreter, die Orientierung der Förderung am Mindestlohn. Deshalb fordern sie die Rückkehr zum ursprünglichen Vorschlag des Referentenentwurfs, der eine Förderung nach Tarif oder ortsüblichem Lohn vorsah.

Bei der Förderung des Wohnungsbaus wird eine Objektförderung von bezahlbarem Wohnraum gefordert. Es könne nicht sein, dass am Ende nur die Menschen unterstützt werden, die sich den teuren Wohnraum nicht mehr leisten können, statt vorher dafür zu sorgen, dass bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. In der Verantwortung bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums sehen sich die Vertreter von Religionsgemeinschaften und Sozialverbänden aber auch selbst. Auch diese müssten Grundstücke zur Verfügung stellen, auf denen neue Wohnungen entstehen können.

Die Lösung der Teilhabeproblematik, der Frage, ob Menschen sich durch Bildung, Arbeit und Wohnen als Teil einer Gesellschaft empfinden, sieht Norbert Köthnig, der Vertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, von existenzieller Bedeutung für die Demokratie.