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10. Juli 2009

"Es geht um Ihre Existenz!"

Grünen-Abgeordnete diskutieren in Freiamt mit Bauern über Milchpreise und -quoten

  1. Wertschätzung gegenüber Kühen und Milchwirtschaft: der Freiämter Landwirt Hans Scheer (Mitte) führte die Grünen-Abgeordneten Bärbel Höhn und Alexander Bonde in seinen Kuhstall. Foto: Friederike Marx

KREIS EMMENDINGEN. Die Grünen-Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn und Alexander Bonde haben die Milchbauern ermutigt, ihren Kampf um höhere Milchpreise, die Senkung der Milchquote und gerechtere EU-Subventionen trotz Rückschlägen weiterzuführen. Auf dem Buckhof der Familien Scheer und Hauber in Freiamt-Brettental hatten sich gut 20 Milchbauern versammelt, um der Grünen-Delegation ihre Situation darzustellen. Ihre Forderung: Die Politik solle sofort handeln.

Eigentlich müsste Silvia Schmidt jetzt auf dem Traktor sitzen und Gülle fahren. Doch sie ließ die Arbeit liegen. Wie schon im Mai, als sie mit anderen Milchbäuerinnen in Berlin der Bundesregierung eine Woche lang auf die Pelle rückte.

Jetzt, in Freiamt, lassen sich die ehemalige nordrhein-westfälische Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn und der hiesige Grünen-Bundestagsabgeordnete Alexander Bonde von den Milchbauern ihre Probleme erklären.

Als Höhn von Landwirten umringt auf dem Hof steht, besinnt sich die Grünen-Politikerin auf ihre Wurzeln. Sie sei selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und wisse, dass man einen landwirtschaftlichen Betrieb nicht einfach aufgebe.

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"Wir haben investiert und jetzt kommt nichts ’rüber"
Doch zu erfahren ist, dass auch der Buckhof der Familien Scheer und Hauberist bedroht ist – als einer von vielen im Kreisgebiet. Junior-Chef Jürgen Scheer schildert kurz und knapp die Lage: Zwei Familien, 100 Hektar Land, 250 Tiere, davon 80 Milchkühe. Im vergangenen Jahr investierte der Betrieb 400 000 Euro – unter anderem in einen Melkroboter, eine Güllegrube und einen Anbau. "Wir haben investiert und jetzt kommt nichts ’rüber. Wenn es so weitergeht, haben wir ein großes Problem", so der Landwirt.

Mit "nichts kommt ’rüber" meint er die 25,5 Cent, die die genossenschaftliche Freiburger Breisgaumilch derzeit den Bauern pro Liter Milch zahlt. Damit die Landwirte ihre Vollkosten decken können, fordert der Bund deutscher Milchviehhalter (BDM), in dem die Mehrzahl der südbadischen Milchbauern organisiert sind, 40 Cent pro Liter.

Bärbel Höhn: Geringere Produktion stabilisiert den Milchpreis
Würden die Bauern ihre Milchproduktion drosseln, könnte sich der Milchpreis stabilisieren. "Eine geringere Milchmenge ist auch heute schon möglich", appelliert Bärbel Höhn an die Landwirte. Es mache mehr Sinn, für seine Milch mehr zu bekommen anstatt gegen die Konkurrenz zu arbeiten und die Milchpreise so in den Keller zu treiben.

"Anders geht’s nicht", findet auch Jürgen Scheer. Sein Vater Hans Scheer und einige andere murmeln zustimmend. Die Milchbauern jammern nicht, doch sie machen klar, dass ihre Geduld am Ende ist. Sie wollen faire Subventionen, die Senkung der Milchquote und eine Abschaffung der Saldierung. Die Saldierung beinhaltet Folgendes: Erzeugt ein Bauer weniger Milch als ihm die Milchquote der EU zugesteht, dürfen andere Landwirte entsprechend mehr Milch verkaufen. Der damalige Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) scheiterte im vergangenen Jahr mit dem Versuch, die Saldierung abzuschaffen. Der Milchpreis fiel weiter.

Milchbäuerein Luisa Schillinger seufzt: Nach all den Rückschlägen seien die Proteste erlahmt. Es sei schwierig, sie wieder anzukurbeln. Die frühere Ministerin Bärbel Höhn will davon nichts hören und muntert sie auf: "Ihnen bleibt nichts anderes übrig als zu kämpfen. Es geht doch um Ihre Existenz!" Bonde sagt den Milchbauern ebenfalls Unterstützung zu. Auch wenn die Grünen derzeit nicht an den Berliner Schalthebeln säßen, so wollten und würden sie weiter das tun, was in ihrer jetzigen Position möglich ist: Den Milchbauern dabei helfen, den politischen Druck zu verstärken.

Autor: Friederike Marx