Für Frauen und Kinder

Georg Voß

Von Georg Voß

Do, 28. April 2016

Kreis Emmendingen

Stiftung Brücke: Förderpreis für ein Projekt in Malawi und Anerkennungspreis für Aufbau in Nepal.

EMMENDINGEN. Im Bürgersaal des Alten Rathauses verlieh der Vorstand und Stiftungsrat der Stiftung Brücke den diesjährigen Förderpreis und den Anerkennungspreis 2015. Der mit 4000 Euro dotierte Förderpreis ging an das von Jana Piske ins Leben gerufene Malawi-Projekt "Taste of Malawi", der Anerkennungspreis und 2000 Euro an Dorothee Menton-Enderlin an die Maya Universe Acadamy in Nepal, einer Schule, die mit starkem Elternengagement nach der Erdbebenzerstörung wieder aufgebaut wurde.

In beiden ausgezeichneten Projekten wird das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe konsequent umgesetzt. Die aus der Nähe von Düsseldorf stammende und in Freiburg studierende Jana Piske gründete 2014 das Projekt "Taste of Malawi". Sie war selbst zwei Jahre in dem südostafrikanischen Land und rief ein Schneiderprojekt für bis zu 20 talentierte Frauen ins Leben. Unterstützt werden ausgebildete Frauen, die ansonsten dort keinen Fuß fassen könnten und auch keine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse besitzen. "Meine Zukunftsvision ist: Das Projekt soll sich selbst finanzieren", sagt Jana Piske. "Die Schneiderinnen produzieren aber nicht für den malawischen Markt, sondern für den deutschen." Die Kleidungsstücke vermarktet sie selbst. Ziel sei es auch, den kulturellen Austausch zu fördern.

Dorothee Menton-Enderlin aus Mundingen erhielt stellvertretend für die Maya Universe Academy den Anerkennungspreis. Nepal ist 2015 von einem schweren Erdbeben getroffen worden. Auch die 2010 entstandene Academy, in der kein militaristischer Geist wie an staatlichen Schulen herrscht, wurde von den Erdstößen stark zerstört. Die Schule wurde von engagierten Eltern wieder aufgebaut. "In Nepal gibt es viele Privatschulen und korrupte staatliche Schulen", sagt Miriam Menton-Enderlin, die für ihre Schwester den Preis entgegennahm. "Die große Besonderheit dieser Schule ist, dass die Schüler unabhängig vom Stand der Eltern dort unterrichtet werden."

Für die Gründerin der Stiftung Brücke Bettina Mühlen-Haas – ihr Ehemann Peter Haas ist Mitbegründer – ist die Preisverleihung nicht nur ein schöner Anlass, um die Stiftung der Öffentlichkeit zu präsentieren, sondern auch "der Gerechtigkeit mehr Ausdruck zu verschaffen", sagt sie und weist auf Kriege, Mangel an Nahrung, Wasser oder grundlegender Bildung in den ärmsten Teilen der Welt hin. Daher fördere die Stiftung Brücke die Hilfe zur Selbsthilfe, die auf einer nachhaltigen Basis beruhe und einen emanzipatorischen und ökologischen Ansatz habe.

Auch ein Kampf gegen Ursachen von Flucht

"Wir fördern Einkommen schaffende Maßnahmen, Gesundheit und Bildung in extrem armen Ländern dieser Erde", heißt es auf der Internetseite, worauf auch OB-Stellvertreter Joachim Saar in seinem Grußwort hinweist. "Bei der Gründung der Stiftung vor 15 Jahren war sie ihrer Zeit weit voraus, der Bekämpfung der Fluchtursachen." Auch Kreis- und Gemeinderätin Marianne Wonnay sieht in der Bekämpfung der Flüchtlingsursachen ein zentrales Anliegen. "Wir dürfen aber nicht in einer ohnmächtigen Position verharren", sagt sie und kritisiert die hemmungslose Ausbeutung der Erde durch unseren Lebensstil. "Wir sind nicht außen vor bei diesem Prozess." Stattdessen sollten die Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnen, Gesundheit und Bildung gefördert werden mit den Prinzipien der Selbstorganisation, der Hilfe zur Selbsthilfe, bei der Frauen und Kinder im Mittelpunkt stehen. "Beide Projekte helfen, deren Lebensverhältnisse zu verbessern."

Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung vom Duo Legretto.