"Für zehn Millionen geht es nicht"

Marius Alexander

Von Marius Alexander

Mi, 15. November 2017

Kreis Emmendingen

Nach der Addition von Architekt Walter Hess kostet ein Multifunktionsgebäude mit Mensa, Küche und Tiefgarage 21,3 Millionen Euro.

EMMENDINGEN. Der Kostenrahmen für ein Multifunktionsgebäude, das für mehrere Schulen an der Weinstockstraße in Emmendingen auch eine Mensa samt Küche aufnehmen soll, hat sich mehr als verdoppelt: Sprach die Kreisverwaltung bislang von Schätzungen in Höhe von rund zehn Millionen Euro, nannte Architekt Walter Hess bei

der Vorstellung einer Machbarkeitsstudie am Montag in der Sitzung des Kreistagsverwaltungsausschusses eine Gesamtsumme von 21,3 Millionen Euro.

"Fakt ist: für zehn Millionen geht es nicht", sagte Hess. Die beträchtliche Diskrepanz zwischen beiden Hausnummern erklärte Landrat Hanno Hurth mit internen Kommunikationsproblemen. Finanzdezernent Christian Bader ergänzte, dass die Vorgaben des Regierungspräsidiums (RP) für das Raumprogramm der Schulen außerhalb der eigentlichen Mensa erst im August bekannt geworden seien. Das RP hatte laut Hess das Mindestraumprogramm mit einer Nutzfläche auf 2700 Quadratmetern fixiert. Das sei eindeutig umsetzbar, sagte Hess zum Ergebnis der Machbarkeitsstudie.

Hess: Zubereitung von bis zu 1000 Essen ist möglich

Das Büro Hess−Volk aus Herbolzheim hatte für seine Studie auch auf Erkenntnisse von Markus Beck zurückgegriffen. Der Fachmann für Schulverpflegung gehe davon aus, dass für die Herstellung von täglich etwa 800 bis 900 Essen (in einem Zwei-Schicht-Betrieb) eine Kücheneinrichtung und -ausstattung notwendig sei, die etwa 640 000 Euro koste. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ergänzte Hess, dass diese Schulküche auch mehr leisten könne. Ob 1000 Essen oder 800 Essen zubereitet werden, sei zweitrangig. Demnach könne die Mensaküche zusätzliche Aufgaben bewältigen.

Ein Knackpunkt sieht Hess in der Frage nach ausreichend Parkfläche. "Wir brauchen 300 Stellplätze." Und das sei eher zu knapp bemessen. Ein Teil davon könnte − mit einigen zusätzlichen Stellplätzen − östlich der Weinstockstraße auf der bereits bestehenden Parkfläche − angelegt werden. Dazu hat das Büro Hess−Volk unter der Mensa eine Tiefgarage mit 83 Stellplätzen geplant, die der simpleren Entlüftung wegen etwa eineinhalb Meter aus der Erde herausragen sollte. Darauf und auf einer Fläche von 2500 Quadratmetern sollte sich das Multifunktionsgebäude erheben: mit Küche, Mensa und Foyer (und eventuell mit einer Bühnenanlage) über eine notwendige "Konstruktionshöhe" von 6,50 Metern.

Darüber hat das Architekturbüro zwei Geschosse für Schulräume, Schulverwaltung und Forschung ("AluMINTzium") gelegt. Die Anforderungen an Raum, so Hess, sei mit dem Erdgeschoss für die Mensa und zwei Schulgeschossen erfüllbar. Auf der vorderen, westlichen Hälfte des Grundstücks zur Weinstockstraße hin ist eine fünfgeschossige Wohnbebauung vorgesehen. Darüber hinaus schlägt das Architekturbüro vor, auf der Freifläche zwischen hauswirtschaftlichem Schulbereich und den Werkstätten einen "Campus" anzulegen. Den Planern, so Hess, war nämlich bei der Bestandsaufnahme aufgefallen: "Diese Schulen haben kein Zentrum." Mit dem Campus verbinden sie die Idee, dass die noch offene Zufahrt südlich der Turnhalle zur Sackgasse umfunktioniert werden könnte.

Die Zahlen seien quasi vorgegeben, sagte in der Aussprache Heinz-Rudolf Hagenacker (CDU): "Die Stellschrauben sind begrenzt." Das Projekt mit 21 Millionen Baukosten sei ein so großer Wurf, der eigentlich nicht einmal geträumt werden könne. Stefan Schlatterer (CDU) stufte es für korrekt ein, "von Anfang an auf den Tisch zu legen, von was man spricht". Seine Frage nach der Höhe von Fördermöglichkeiten beantwortete Christian Bader mit etwa 40 Prozent, wobei sich Stadt und Kreis die Kosten für die Mensa zu einem und zwei Drittel teilen würden, was Schlatterer mit zustimmendem Nicken quittierte. Darüber hinaus brach er eine Lanze für die Tiefgarage. Zu hoch sei schon heute der "Parkdruck" in diesem Gebiet der Stadt, zumal viele der auswärtigen Berufsschüler mit dem Auto kämen.

Hurth: Verwirklichung ist unmittelbar nicht darstellbar

Als überaus systematisch und sehr durchdacht stufte Richard Leibinger (SPD) die Studie von Hess ein. Er erinnerte daran, dass Bund und Land jenseits von Fragen zur Finanzierung von IT-Projekten im Bildungsbereich neue Fördermöglichkeiten ausloteten. Für Fritz Schlotter (FWV) werden die aktuellen Zahlen von Hess, die in ihrer Größenordnung so nicht bekannt gewesen seien, die bevorstehende Haushalts-Debatte "befeuern". Landrat Hanno Hurth meinte nur so viel: Die neuen Zahlen seien "mehr als beeindruckend" und "unmittelbar nicht darstellbar". Nun müsse weiter diskutiert werden. In einer noch zu bildenden Baukommission und mit den Schulleitungen. Auch zur Frage, ob künftig Altenpflegeschule und Krankenpflegeschule zusammengelegt werden.